Bundespräsident Steinmeier beim Flut-Gedenken: „Die zerstörten Häuser, die aufgerissenen Straßen, verwüstete Friedhöfe“
Bundespräsident Steinmeier beim Flut-Gedenken „Die zerstörten Häuser, die aufgerissenen Straßen, verwüstete Friedhöfe“
14.07.2026 · 18:37 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2.v.r.), Landtagspräsident André Kuper (r), Pfarrerin Claudia Müller-Bück und Ministerpräsident Hendrik Wüst (l, CDU), beim Gedenken im Landtag.
Foto: Rolf Vennenbernd/dpa/Rolf Vennenbernd
Düsseldorf · Bundespräsident Steinmeier hat in Düsseldorf eindringlich an die Zerstörung durch die Hochwasserkatastrophe vor fünf Jahren erinnert. Er fordert mehr Engagement für Katastrophen- und für Klimaschutz.
Mit emotionalen Worten und Sätzen voller Bilder erinnerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an die Tage nach der Flut. „Die zerstörten Häuser. Die aufgerissenen Straßen, verwüstete Friedhöfe. Der Schlamm, der überall war – in den Kellern, in den Küchen, in den Kinderzimmern.“ Er erinnere sich an die Gespräche: „Mit einem Feuerwehrmann, der tagelang kaum geschlafen hatte, erschöpft, mit den Tränen kämpfend. Mit einer Frau, die vor den Trümmern ihres Hauses stand, weinend, die gar nicht wusste, was werden sollte“, sagte er.
Am Dienstag, dem Jahrestag des verheerenden Hochwassers im Sommer 2021, sprach der Bundespräsident beim Gedenken im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf. 185 Menschen kostete die Katastrophe das Leben. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli wurden sonst harmlose Bäche zu reißenden Flüssen – mit einer Gewalt, die sich kaum jemand hatte vorstellen können und auf die das Land mit seinem Krisenmanagement nicht vorbereitet war.
Steinmeier sprach über die Schrecken jener Nacht: Menschen starben, harrten in Todesangst auf Dächern aus. Zigtausende verloren ihr Zuhause, ihre Habe, die wirtschaftliche Existenz. Die Wassermassen rissen Autos, Straßen, Brücken, Gebäude nieder. Bilder von den Zerstörungen waren im Landtag in Ausstellungen zu sehen. Daneben: aktuelle Bilder jener Orte. Wiederaufgebaute Brücken, Fachwerkhäuser, renovierte Läden; es hat sich viel getan.
Steinmeier mahnt besseren Schutz vor Extremwetter an
Steinmeier kam in seiner Rede – auch mit Blick auf die jüngste „beispiellose Hitzewelle“ – zu einer Forderung: „Extremwetterereignisse werden häufiger, und sie werden heftiger. Ja, wir müssen uns besser schützen“, sagte er. Weder beim Kampf gegen die Ursachen von Katastrophen noch beim Bemühen, das Land widerstandsfähiger zu machen, sei man schon da, wo man sein müsste. „Wir schulden den Menschen, die in jener Nacht alles verloren haben, den ernsthaften, konsequenten Willen, dafür zu sorgen, dass wir auf solche Katastrophen besser vorbereitet sind und, dass wir das uns Mögliche tun gegen den fortschreitenden Klimawandel“, so der Politiker. Deutschland könne sich international mit Diplomatie, Technologie- und Wirtschaftskooperation für Klimaschutz einsetzen.
Das Geschehen hatte durchaus Konsequenzen. Deutschland hat beim Katastrophenschutz nachgebessert, Warnsysteme für die Bevölkerung durch Sirenen und Handy-Alarme verbessert. In NRW wurden Vorhersagesysteme, die Koordination der Katastrophenhilfe und Meldewege überarbeitet. Es gibt mehr Pegelmessungen an Flüssen. Das Land hat seit 2021 fast 500 Millionen Euro für Hochwasserschutzprojekte bereitgestellt. „Die Strukturen sind heute klarer, die Zusammenarbeit ist enger, die Warnsysteme besser und wir investieren Millionen in Ausstattung und Einsatzmittel“, lobte Innenminister Herbert Reul (CDU) zuletzt.
Kritiker sehen dagegen noch viele Mängel. „Planungen ziehen sich über Jahre hin, und notwendige Investitionen kommen nur schleppend voran“, kritisierte mit Blick auf die Schritte etwa der Oppositionsführer im Landtag, Jochen Ott (SPD). Und es stelle sich die Frage, „ob der Datenaustausch zwischen den zuständigen Behörden und Organisationen im Ernstfall tatsächlich ausreichend verbessert wurde und ob die digitale Infrastruktur auch unter Krisenbedingungen verlässlich funktioniert“.
Wüst lobt große Solidarität nach der Flut
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) richtete den Blick bei der Gedenkveranstaltung auf die große Solidarität, die auf die Flut folgte. Die Naturkatastrophe habe „tiefe Wunden“ hinterlassen. Aber: Sie habe auch gezeigt, „wie groß Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt in unserem Land sind, wenn es drauf ankommt“, sagte er. Kostenpflichtiger Inhalt Nach nur Stunden seien Tausende Helfer in den betroffenen Gebieten angekommen, darunter ganz normale Leute „aus allen Ecken Deutschlands“. Es habe Zuversicht und Kraft gespendet.
Er würdigte Stärke und Durchhaltewillen der Bürger, die alles verloren und trotzdem angefangen hätten, „ihre Heimat Schüppe für Schüppe von Schlamm und Schutt zu befreien“, so Wüst. „Heute sind Krankenhäuser wieder instandgesetzt, Sportplätze sind wieder offen, Kindergärten neu errichtet.“ Aber der Wiederaufbau bleibe eine langfristige Aufgabe, und: „Es muss sicherer sein als vorher.“ Auch er schlug damit den Bogen zur Hitzewelle im Juni: Kostenpflichtiger Inhalt Sie habe Menschenleben gekostet. „Diese Extreme sind eine Mahnung. Die Folgen des Klimawandels sind eine ganz konkrete Gefahr für uns alle.“
Tatsächlich ist der Wiederaufbau in den Flutregionen zwar weit fortgeschritten, aber doch noch lange nicht abgeschlossen. Die materiellen Schäden in rund 180 Kommunen in Nordrhein-Westfalen, vor allem in der Eifel, dem Bergischen Land und Teilen des Sauerlands, wurden auf etwa 13 Milliarden Euro beziffert. Rund 4,7 Milliarden Wiederaufbauhilfe wurden in NRW nach Angaben des Landes bewilligt, davon rund 900 Millionen für Privatleute.
Bundespräsident Steinmeier hatte am Dienstag auch Rheinland-Pfalz besucht; er war vor dem Auftritt in Düsseldorf bei einer Ausstellungseröffnung in Altenahr im Kreis Ahrweiler.
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