Bürgermeisterwahl Wittlich 2026: AfD-Kandidat Uwe Koll will in Wittlich Bürgermeister werden – das sind seine Pläne

Bürgermeisterwahl Wittlich 2026 AfD-Kandidat Uwe Koll will in Wittlich Bürgermeister werden – das sind seine Pläne

Wittlich · Kandidatenporträt: Uwe Koll (AfD) ist einer der vier Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Wittlich. Der Volksfreund traf ihn an seinem Lieblingsplatz: im Stadtpark.

24.07.2026 , 06:57 Uhr

Uwe Koll an seinem Lieblingsplatz im Stadtpark von Wittlich.

Foto: TV/Hans-Peter Linz

Es ist ein brütend warmer Nachmittag, an dem wir Uwe Koll an seinem Lieblingsplatz treffen: Im Wittlicher Stadtpark hat er sich einen Schatten spendenden Laubengang ausgesucht, der Sitzgelegenheiten bietet.

Im Park ist an diesem Nachmittag wenig los. Der Rasen ist ordentlich gemäht, aber die Hitze hat ihm zugesetzt – hellbraune Stoppeln zeigen, dass es dringend regnen müsste.

Lieblingsplatz von Uwe Koll: Schattiger Laubengang in Wittlich

Im Laubengang ist es schattig, die Temperaturen sind hier auszuhalten. Uwe Koll kommt leger gekleidet, helle Hose, kurzärmeliges Hemd über der Hose getragen. Hier, an seinem Lieblingsplatz, fühlt er sich wohl und blickt auf die weite Wiesenlandschaft. „Hier könnte man einen richtig schönen Weihnachtsmarkt veranstalten, so was fehlt Wittlich“, findet Koll. Das würde die Attraktivität der Stadt durchaus steigern.

Uwe Koll ist Kandidat für die Bürgermeisterwahl der Stadt. Er geht als AfD-Mitglied ins Rennen. Der 63-jährige Familienvater ist bereits in Pension.

Bürgermeisterkandidat Uwe Koll: „Konfliktmanagement ist nichts Neues“

Nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Trierer Kaufhof habe er zum Handwerk nach Luxemburg gewechselt. Aus seiner ersten Ehe sei ein Kind unterwegs gewesen. „Da wollte ich etwas mehr Geld verdienen, um eine Familie zu gründen“, sagt er. Anschließend ging es dann in den Dienst zur Justizvollzugsanstalt in Wittlich. „Konfliktmanagement ist für mich nichts Neues. Ich habe in der Justizvollzugsanstalt mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun gehabt. Deshalb bringt mich so schnell nichts aus der Ruhe“, sagt Koll.

Das sei ihm schon bei verbalen Auseinandersetzungen am AfD-Stand vor der Landtagswahl von Nutzen gewesen. Koll hatte bei der vergangenen Landtagswahl für den Wahlkreis 23 kandidiert und ist Mitglied des Kreistags im Landkreis Bernkastel-Wittlich.

„Wittlich verdient einen Bürgermeister, der für die Menschen da ist“

Nun strebt er das Amt des Bürgermeisters an. „Wittlich verdient einen Bürgermeister, der für die Menschen da ist“, sagt er im Gespräch und betont dabei, dass die Bürgermeisterwahl keine Partei-Wahl, sondern eine Personenwahl sei. Was hat ihn dazu motiviert, sich zu bewerben? „Ich möchte in Wittlich Spuren hinterlassen, ohne mir ein Denkmal zu setzen, will für die Bürger da sein“, verspricht er. Aus seiner Sicht habe die Bürgernähe seit der Pandemie sehr gelitten, man müsse sich Termine nehmen, all das sei kompliziert. Deshalb wolle er Ansprechpartner für Bürger mit einer offenen Sprechstunde sein.

Ihm sei klar, dass er den Stadtrat, sollte er Bürgermeister werden, zu Beginn nicht hinter sich habe. „Wir haben ja keine AfD-Fraktion im Stadtrat“, sagt Koll und setzt darauf, dass er als Person im Stadtrat überzeugen könne. Zuvor war Jürgen Kaut von 2019 bis 2022 als Einzelmitglied der AfD im Stadtrat.

Sein Ziel: Die Belebung der Wittlicher Innenstadt

Sein wichtigstes Ziel sei es, die Innenstadt wieder zu beleben. Koll: „Wir müssen ein Konzept erarbeiten und dabei die Besitzer der Immobilien mitnehmen. Die müssen auch schon mal bereit sein, etwas weniger Miete zu verlangen.“

Er könne sich zum Beispiel eine Staffelmiete für Start-ups vorstellen: am Anfang eine günstige Miete, die sich dann, wenn der Betrieb läuft, entsprechend erhöht. Dazu müssten viele Gespräche geführt werden, man müsse die Eigentümer gezielt ansprechen. Das erfordere viel Zeit und Geduld, was sich aber langfristig auszahlen könnte.

Ihm sei bewusst, dass die Finanzlage immer schwierig ist. Da kenne er aus seiner Tätigkeit im Kreistag. Einen Vorschlag, der nichts kostet, hat er aber auch in petto: „Man könnte die Neustraße tagsüber für den Autoverkehr schließen. Das würde die Innenstadt attraktiver machen, auch für die Gastronomie“, sagt Koll.

Den Stadtpark aufwerten und die Innenstadt beleben sind die zwei Projekte, die er unbedingt vorantreiben wolle.

„Wittlich ist meine Heimat“

Was den Trierer, der 1984 berufsbedingt nach Wittlich gezogen ist, an der Stadt besonders fasziniert: „In Wittlich kennt jeder jeden, man hilft sich gegenseitig. Das habe ich als Trierer hier schon so kennengelernt. Man geht mal in die Kneipe, in die Gaststätte, so lernt man hier die Leute kennen.“ Die Wittlicher seien nicht stur, aber sie würden einem auch nicht die Haustür einrennen. Er sei als Neu-Bürger gut aufgenommen worden und die Wittlicher hätten ihn schnell akzeptiert. „Wittlich ist meine Heimat, hier habe ich mein Haus, Familie und Freunde“, sagt Koll.

Er wolle der Stadt etwas zurückgeben, was sie ihm 42 Jahre lang gegeben hat. Es sei altersbedingt die letzte Chance, zu kandidieren, wenn auch nur für eine Periode, da für hauptamtliche Bürgermeister die Altersgrenze bei 68 liege.

Es bleibe aber nicht nur bei der Kandidatur. „Wir wollen zur nächsten Kommunalwahl auch mit einem AfD-Team für den Stadtrat antreten“, erzählt er. Das wäre ein Novum, denn bislang gibt es im Wittlicher Stadtrat keine AfD-Fraktion. Wittlich sei eine lebenswerte Stadt. Es sei alles da, was wichtig ist: vom Baumarkt bis zur Apotheke.

Wenn er sich erinnert, bemerkt er, dass er schon früher ein Haus hätte kaufen sollen. „Ich habe vor 20 Jahren ein Haus gekauft und das hätte ich früher machen sollen. Denn mit jeder Kreditrate gehört einem das Haus ein Stück weit mehr“, sagt er.

Er habe sich jahrelang davor gesträubt, weil er Schulden aufnehmen musste. „Aber es ist wichtig, Eigentum zu erwerben und sich etwas aufzubauen. Das war damals jugendliche Unwissenheit, nicht schon früher an das Thema zu gehen“, erzählt er.

Aus seiner zweiten Ehe hat er zwei Kinder, einen 20-jährigen Sohn, der noch im Studium ist, und eine 27-jährige Tochter, die im Bankgewerbe tätig ist. Noch wohnen beide zu Hause, aber seine Tochter hat schon Pläne, ein Haus zu kaufen. „Dabei unterstütze ich sie natürlich gerne“, sagt Koll.