Vorfälle aus 2012 als Beweis: Französische Gemeinde wollte Burkini verbieten – Gericht macht kurzen Prozess

Burkini-Verbot erneut gescheitert: Südfranzösische Gemeinde scheitert mit uralten Belegen vor Gericht

Stand: 08.08.2026, 06:16 Uhr

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Ein Küstenort versucht seit 2012 jedes Jahr dasselbe Verbot – und scheitert jedes Jahr. Dieses Mal war die Begründung besonders dünn.

Nizza – Das Verwaltungsgericht Nizza hat das Burkini-Verbot des südfranzösischen Küstenorts Mandelieu-la-Napoule im Eilverfahren für rechtswidrig erklärt. Laut Gerichtsmitteilung beeinträchtige das Verbot drei Grundfreiheiten in schwerwiegender und rechtswidriger Weise: die Bewegungsfreiheit, die Gewissensfreiheit und die persönliche Freiheit.

Burkini im Schwimmbad

Nizza ändert seine Strandregeln mit Burkinis. (Symbolbild) © Rolf Haid/dpa

Damit scheitert die Gemeinde erneut vor Gericht – und das, obwohl Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, der Staatsrat, solche Verbote bereits vor Jahren grundsätzlich gekippt hatte. Auch in Genf gab es Streit um ein Burkini-Verbot.

Urlaubsort versuchte erneut, ein Burkini-Verbot am Strand durchzudrücken – und scheiterte

Die Richter ließen die Begründung der Gemeinde nicht gelten. Mandelieu-la-Napoule hatte argumentiert, Personen in Kleidung, die deutlich eine religiöse Zugehörigkeit zum Ausdruck bringe, störten die öffentliche Ordnung. Als Belege verwies die Gemeinde lediglich auf zwei Vorfälle – einen vor zehn, einen vor vierzehn Jahren. Das Gericht stellte fest, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür vorlägen, dass Burkinis ein Sicherheitsrisiko für Strandbesucher und Badende darstellten. Ein Hotelmanager wurde wegen seines Burkini-Verbots in Österreich sogar zu einer Geldstrafe verurteilt.

Mandelieu-la-Napoule hat eine besondere Geschichte in diesem Streit: Der noble Küstenort war 2012 der erste Badeort Frankreichs überhaupt, der ein Burkini-Verbot erließ. Trotz des höchstrichterlichen Verdikts des Staatsrats erneuerte der konservative Bürgermeister das Verbot seither jedes Jahr aufs Neue. Einige weitere Küstenorte schlossen sich diesem Kurs in den Sommermonaten an.

Der Fall steht exemplarisch für einen tief verwurzelten gesellschaftlichen Konflikt. In Frankreich, das sich als laizistischer Staat mit strikter Trennung von Staat und Religion versteht, wird seit vielen Jahren verbissen um das Kopftuch und andere muslimische Bekleidungsstücke für Frauen gestritten. (dpa/jh)