Business-Liveticker: Kretschmer: Keine Entscheidung zu VW-Werken am Freitag | FAZ

DIW verdoppelt die Wachstumsprognose für Deutschland

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat seine Wachstumsprognose für dieses Jahr mehr als verdoppelt. Die Ökonomen rechnen nun mit einem Wachstum von 1,2 Prozent in diesem Jahr, nachdem sie im Sommer noch von einer Rate von 0,5 Prozent ausgegangen waren. In den beiden kommenden Jahren soll der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukt sich auf eins und 0,7 Prozent abschwächen.

„Die deutsche Wirtschaft erholt sich etwas besser als gedacht, steht aber noch immer auf etwas wackeligen Beinen", sagte die Konjunkturchefin des DIW, Geraldine Dany-Knedlik. Sie begründete die besseren Wachstumsansicht damit, dass der Ölpreis Einstieg trotz des Irankriegs überraschend moderat ausgefallen sei. Zugleich sei der Export durch Sonderfaktoren gestützt worden. „Beides dürfte nicht dauerhaft tragen”, warnte Dany-Knedlik.

Als weitere Risiken für die Konjunktur nannten die Ökonomen hohe Gaspreise im Winterhalbjahr und die weitere Entwicklung der deutschen Industrie. Scheitere die unterstellte Belebung an der gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, werde die Erholung schwächer ausfallen, hieß es.

Neben dem Export zeichnet sich für dieses Jahr gemäß der Prognose als treibende konjunkturelle Kraft die öffentliche Nachfrage nach Investitionen und Konsum ab. Die private Nachfrage wie der Konsum oder den Investitionen bleiben dagegen schwach. Positive Wirkung der Einkommensteuerreform, die das Bundeskabinett an diesem Dienstag beschließen will, sehen die Ökonomen des DIW frühestens im kommenden Jahr. Die Entlastung werde den privaten Konsum etwas stützen, sagte Dany-Knedlik. Sie werde aber durch höhere Belastungen zum Beispiel durch die Sozialversicherungsbeiträge wieder „kassiert”.

Fabian Drahmoune

Fabian Drahmoune

Nach KI-Hackerangriff: OpenAI kündigt stärker abgesichertes ChatGPT-Modell an

Das US-Unternehmen OpenAI bereitet nach einem unkontrollierten Hackerangriff durch eines seiner KI-Systeme die Veröffentlichung seines neuen ChatGPT-Modells Astra mit stärkeren Sicherheitsvorkehrungen vor. OpenAI habe Astra unter anderem darauf trainiert, schädliche Anfragen im Bereich Cybersicherheit zuverlässiger zurückzuweisen und Sicherheitsbeschränkungen einzuhalten, erklärte das Unternehmen am Dienstag.

Zum Hintergrund hieß es, Astra könne Schwachstellen in Computersystemen finden und ausnutzen und erreiche damit als erstes OpenAI-Modell eine „kritische Schwelle“ im Bereich Cybersicherheit. Hinzu kämen zusätzliche Schutzmechanismen gegen Missbrauch sowie eine Überwachung, die potenziell nicht genehmigte Aktivitäten stoppen könne. Besonders weitreichende Fähigkeiten sollen bei der Veröffentlichung zunächst nur ausgewählten Testern zugänglich sein.

Astra war nach Unternehmensangaben nicht an dem Sicherheitsvorfall beteiligt, der OpenAI im Sommer dazu veranlasste, Teile seiner Modellentwicklung für zwei Wochen auszusetzen. Bei Tests leistungsfähiger KI-Systeme hatte sich im Juli ein KI-Agent selbstständig mit dem Internet verbunden und einen Hackerangriff auf die Programmierplattform Hugging Face ausgeführt. Später teilte OpenAI mit, dass auch Konten bei vier weiteren öffentlich zugänglichen Diensten geknackt worden seien.

Schwedischer Konzern kauft Sportmarken Uhlsport und Kempa 

Der börsennotierte schwedische Textilkonzern New Wave Group kauft den traditionsreichen Sportartikelhersteller Uhlsport aus Balingen. Eine Erklärung zur Übernahme von 100 Prozent der Aktien habe man unterzeichnet, die Transaktion solle bis Anfang Oktober abgewickelt werden, teilte die New Wave Group mit. Die Uhlsport GmbH verkündete, man werde durch die Übernahme Teil einer internationalen Unternehmensgruppe.

Die Firma im Zollernalbkreis wurde 1948 als Spezialist für Lederstollen gegründet und vertreibt unter den Marken „Uhlsport“ und „Kempa“ Bekleidung, Accessoires und Ausrüstung für Teamsportarten, insbesondere für Fußball und Handball. Mit Zentrallagern in Balingen und Bisingen sowie Tochtergesellschaften in Frankreich, Schweden und Spanien verkauft das Unternehmen laut New Wave Group seine Produkte an Kunden in ganz Europa und weltweit. Im vergangenen Jahr habe Uhlsport einen Umsatz von rund 67 Millionen Euro gemacht und dabei einen geringfügigen Verlust verzeichnet.

Die Uhlsport GmbH werde ihre Eigenständigkeit innerhalb der New Wave Group sowie den Hauptsitz in Balingen behalten, teilte die Firma mit. Auch das Management mit Geschäftsführerin Melanie Steinhilber werde unverändert im Unternehmen bleiben und die beiden Marken Uhlsport und Kempa eigenständig weiterführen. Die Übernahme sei eine große Chance für die Uhlsport GmbH, so Steinhilber. Zu den Folgen der Übernahme für die rund 200 Beschäftigten am Balinger Hauptsitz äußerte sich Uhlsport auf Anfrage zunächst nicht. Der langjährige Uhlsport-Gesellschafter Günter Daiss sagte: „Ich gebe das Unternehmen in gute Hände und schaffe damit bewusst den Raum für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung“. (dpa)

Signale für Zinserhöhung mehren sich

Angesichts des anhaltend hohen Preisdrucks mehren sich die Signale aus der Europäischen Zentralbank (EZB), die auf eine baldige Zinserhöhung hindeuten. Im gesamten Euroraum seien die Aufwärtsrisiken für die Inflation zuletzt wieder gestiegen, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher, am Dienstag anlässlich des Forum Alpbach in Tirol: "Sollte sich dieses Bild in der nächsten EZB-Prognose bestätigen, halte ich eine weitere Zinserhöhung in naher Zukunft für notwendig."

Die Europäische Zentralbank will verhindern, dass der Ölpreisschock das Preisgefüge nachhaltig verändert und sich die hohe Inflation festsetzt. Der EZB-Rat entscheidet am 10. September auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin über den Leitzins. Dabei werden auch neue Projektionen der EZB-Fachleute zur voraussichtlichen Entwicklung der Inflation vorgelegt. Auch EZB-Direktorin Isabel Schnabel hält ein höheres Leitzinsniveau für nötig. Sie verwies jüngst darauf, dass sich der Konflikt im Nahen Osten hinziehe.

Gregor Brunner

Gregor Brunner

Rendite japanischer Staatsanleihen steigt auf höchsten Stand seit 30 Jahren

Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen ist erstmals seit 30 Jahren auf ​drei Prozent gestiegen. Als Gründe gelten Sorgen der Anleger über die Inflation, die Haushaltslage des ⁠Landes und der wachsende Druck auf die Notenbank (BoJ), die Zinsen schneller anzuheben, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Die Rendite der als Referenz für Hypotheken und Unternehmenskredite geltenden Anleihen hat sich in den vergangenen zwei Jahren ‌mehr als verdreifacht. Auch die Renditen für Papiere mit kürzeren Laufzeiten erreichten historische Höchststände. An den Märkten wird eine Zinserhöhung der BoJ noch in diesem Monat erwartet.

Die Sorgen ‌über die finanzielle Lage Japans ‌werden durch die Pläne von Premierministerin Sanae Takaichi für höhere Investitionen und Steuersenkungen geschürt. Zudem sollen die Ministerien einem Medienbericht zufolge für das kommende Haushaltsjahr die höchsten Mittelanforderungen aller Zeiten gestellt haben. Japans Schulden ​übersteigen bereits 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Der Anleihemarkt ⁠hat mit dem bisherigen Renditeanstieg zu einem gewissen Grad eine Warnung vor einer fiskalischen Expansion ausgesprochen“, sagte Ryutaro Kimura, Anleihestratege ​bei BNP Asset Management.

Der schwache Yen, der sich in der Nähe eines 40-Jahres-Tiefs bewegt, übt ebenfalls Druck auf ⁠die Notenbank ‌aus. US-Finanzminister Scott Bessent sagte am Rande des G20-Finanztreffens in einem Interview mit dem Sender CNBC: „Ich habe Informationen, die der Markt nicht hat, und ich glaube, dass die japanische Regierung und die BoJ ⁠Maßnahmen ergreifen werden, ⁠die zu einem stärkeren Yen führen werden.“ Die japanische Finanzministerin Satsuki Katayama teilte nach einem Treffen mit ⁠Bessent mit, ​beide ⁠hätten sich auf eine fortgesetzte Abstimmung für „geordnete“ ​Yen-Bewegungen verständigt. Eine seltene gemeinsame Intervention der USA und Japans ‌Ende Juli hatte dem Yen nur eine kurze Atempause von seinem 40-Jahres-Tief bei 163,99 je Dollar ​verschafft. 

US-Wettbewerbsbehörde FTC verklagt Amazon

Die US-Wettbewerbsbehörde FTC und mehr als ​20 Bundesstaaten haben Amazon wegen des Vorwurfs der ⁠Preismanipulation bei Werbeanzeigen verklagt. Dies geht aus am Montag veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervor. Die Aktien des weltgrößten ‌Online-Händlers verloren im Zuge der Nachricht rund drei Prozent.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge wirft die Behörde ‌Amazon vor, Werbekunden ‌getäuscht zu haben. Amazon habe heimlich den Mindestpreis angehoben, den diese für die Platzierung ihrer Anzeigen zahlen ​mussten. Dadurch sei den ⁠Kunden ein Schaden in Milliardenhöhe entstanden, berichtete das Blatt unter Berufung auf ​FTC-Vertreter. Die beteiligten Bundesstaaten könnten nun zivilrechtliche Strafen fordern ⁠und versuchen, ‌einen Teil der Gelder zurückzuerlangen.

Vor rund einem Jahr hatte sich Amazon in einem anderen Fall mit ⁠der FTC geeinigt. ⁠Der Konzern stimmte damals zu, 2,5 Milliarden Dollar ⁠an ​Strafen ⁠und Rückerstattungen an Prime-Abonnenten zu ​zahlen. Die Behörde hatte Amazon vorgeworfen, Kunden ‌mit irreführenden Methoden zum Abschluss von Abonnements verleitet ​zu haben.

Werbegeschäft von OpenAI wächst 

Beim Werbegeschäft von OpenAI stehen die Zeichen ​auf Wachstum. Die Plattform „ChatGPT Ads“ hat auf das Jahr ⁠hochgerechnet beim Umsatz die Marke von einer Milliarde Dollar geknackt, wie das US-Unternehmen am Montag mitteilte. Zudem weitet OpenAI das ‌Geschäft aus: Von Montag an können Werbekunden in Europa, Indien, dem Nahen Osten und Nordafrika Anzeigen direkt über ein ‌dafür eingerichtetes ‌Tool buchen. In den USA habe die Anwendung bisher vor allem kleine und mittlere Unternehmen angezogen. Diese machten inzwischen einen wesentlichen Teil ​des Werbegeschäfts aus.

KI-Analyst Nate ⁠Elliott vom Marktforscher Emarketer bezeichnete die neuen Zahlen zugleich als „unglaublich beeindruckend und schrecklich enttäuschend“. ​Der Wert von einer Milliarde Dollar deute darauf hin, dass OpenAI ⁠sein Werbeumsatzziel von ‌2,5 Milliarden Dollar für 2026 verfehlen könnte.

Mit dem Werbegeschäft fordert OpenAI die Branchenriesen Alphabet und Meta heraus, die jährlich dreistellige Milliardenbeträge ⁠mit Anzeigen ⁠einnehmen. Die Werbeerlöse sollen OpenAI beim geplanten Börsengang helfen. Das Unternehmen hatte ⁠in ​diesem ⁠Jahr einen vertraulichen Antrag ​für einen Börsengang in den USA eingereicht. ‌Ein Börsendebüt wird für 2027 oder früher erwartet.

Eli Lilly übernimmt Biotechfirma für mehrere Milliarden

Der US-Pharmakonzern Eli Lilly baut sein ​Geschäft mit Autoimmun- und Allergieerkrankungen durch einen Milliardenzukauf aus. ⁠Das Unternehmen übernimmt die Biotechfirma Merida Biosciences für bis zu 2,88 Milliarden Dollar in bar, wie Eli Lilly ‌am Montag mitteilte. Der Kaufpreis setzt sich aus einer Vorabzahlung und erfolgsabhängigen Meilensteinzahlungen zusammen. Der Abschluss des Deals ist für ‌das vierte ‌Quartal geplant.

Merida entwickelt Medikamente, die gezielt krankheitserregende Antikörper angreifen. Der wichtigste Wirkstoffkandidat MER511 wird derzeit in einer frühen klinischen Phase gegen ​Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow ⁠und schilddrüsenbedingte Augenerkrankungen getestet. Ersten Daten zufolge senkt das Mittel die verantwortlichen Antikörper deutlich. ​Zur Pipeline von Merida gehört zudem ein experimentelles Mittel gegen ⁠Lebensmittelallergien und Asthma.

Eli ‌Lilly finanziert den Zukauf mit den hohen Gewinnen aus dem Verkauf seiner Medikamente gegen Fettleibigkeit und Diabetes. Der Konzern ⁠befindet sich ⁠auf Einkaufstour, um sich breiter aufzustellen und die Abhängigkeit von ⁠seinen Kassenschlagern ​zum ⁠Abnehmen zu verringern. Die Ausgaben ​für Übernahmen im Jahr 2026 übersteigen bereits ‌jetzt die der Vorjahre.

Flüchtiger Windparkbetrüger Holt ohne Familie untergetaucht

Windkraftbetrüger Hendrik Holt hat bei seiner Flucht seine Ehefrau und sein Kind zurückgelassen. Das bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück der Nachrichtenagentur dpa. Holt ist auf der Flucht, seitdem er Anfang vergangener Woche nicht von einem genehmigten Ausgang in die Justizvollzugsanstalt in Berlin zurückkehrte, wie die Staatsanwaltschaft Osnabrück mitteilte. In Berlin war Holt im offenen Vollzug. Nach dem 36-Jährigen aus dem emsländischen Haselünne wird mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wo genau sich Holt aufhält und wie ihm die Flucht gelungen ist, dazu schweigen die Ermittler derzeit – mit Verweis auf „fahndungstaktische Gründe“. Wie die F.A.Z. berichtete, weisen Nachrichten in sozialen Netzwerken auf Moskau als Aufenthaltsort hin.

2022 hatte das Landgericht Osnabrück Holt zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fast neun Jahren verurteilt. Es ging um bandenmäßigen Betrug, Bestechung und Urkundenfälschung. Der 36-Jährige war seit Ende Oktober 2024 im offenen Vollzug.

Holt, über den es auch eine ARD-Doku gibt („Holt – Der Windkraft-Schwindler“), hatte unter anderem angeblich existierende Windparks an ausländische Stromkonzerne verkauft, die es in Wahrheit gar nicht gab. Zudem hatte er ausländische Diplomaten bestochen, um sich mit einem Diplomatenpass gegen deutsche Strafverfolger immun zu machen.

OHB erhält Milliardenauftrag von der EU

Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB soll 18 Satelliten für die Europäische Union bauen. Dafür bekommt der Konzern nach eigenen Angaben knapp eine Milliarde Euro. Die ersten Satelliten für das Programm „Iris²“ sollen 2029 ins All starten.

Das Projekt soll Europas Antwort auf das amerikanische Satellitennetzwerk Starlink werden. Es soll Behörden, Militär, Unternehmen und Privatpersonen eine schnelle und sichere Kommunikation ermöglichen. Das System wird aus 348 Satelliten bestehen, die in niedriger und mittlerer Erdumlaufbahnen fliegen. OHB soll dafür 18 Satelliten für eine mittlere Umlaufbahn beisteuern, wie das Unternehmen mitteilte.

„Iris²“ ist das dritte große Raumfahrtprojekt der Europäischen Union nach dem Navigationssystem „Galileo“ und dem Erdbeobachtungsprogramm „Copernicus“. Das Projekt sei ein bedeutender weiterer Schritt Europas in die Unabhängigkeit, sagte OHB-Vorstandschef Marco Fuchs. In einer digitalisierten Welt sei eine eigenständige Kommunikationsinfrastruktur unabdingbar.

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