Butzbach: Was ist los im Stadtwald? – „Feinschmecker“ fressen junge Bäume an
Stand: 11.07.2026, 14:00 Uhr
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Im Butzbacher Stadtwald knabbern Rehe die Knospen der frisch gepflanzten Bäume ab. Eine Weißtanne ist nach zehn Jahren nicht größer als bei der Pflanzung.
Butzbach – Kleine, mittlere und größere Tannen stehen nah aneinander. Die Nadeln sind saftig und die Bäume sehen jung und vital aus. Tatsächlich sind sie für die Lebenszeit eines Baumes noch jung: Die Douglasien sind 2017 in einer Maßnahme zur Verjüngung des Butzbacher Stadtwaldes gepflanzt worden.

„Hier standen ursprünglich Fichten“, sagt Revierleiter Oliver Schneider. Diese sind abgestorben. Um den Wald zu erneuern, sind neue Bäume gepflanzt worden. „Neben der Douglasie haben wir hier Buchen, Eichen, Wildobst, Lärchen und Weißtannen angepflanzt“, sagt Schneider. Mit dieser Mischung soll der Wald seine Heterogenität behalten und resilienter werden.
Naturverjüngung
Neben den Baumpflanzungen findet im Butzbacher Wald auch weiterhin das Konzept der Naturverjüngung statt. Das heißt, die Bäume pflanzen sich selbst fort. Dies passiere zum einen in geschlossenen Beständen. Zum anderen hat sich beispielsweise auf einer freien Fläche auch die Birke großzügig vermehrt. Um die Heterogenität im Wald zu erhalten, schaut Revierleiter Oliver Schneider auch bei diesen Flächen nach dem Rechten. „Ich muss hineinlaufen und mir anschauen, wie es aussieht“, sagt er. Manchmal müsse dann auch ein Baum gefällt werden, um Platz für einen anderen zu schaffen, oder es finde zusätzlich eine Pflanzung von einer selteneren Sorte statt.
„Wir versuchen, die Waldverjüngung an die Bodenverhältnisse anzupassen“, sagt Schneider. Alexandra Gießler, Leiterin des Forstamts Weilrod, erklärt: „Es gibt Kartenmodelle als Anhaltspunkt. Mithilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen wird dort aufgezeigt, welche Bäume an welchem Standort mit der vorhandenen Wasserbilanz möglich sind. So bereiten wir den Wald auf die Zukunft vor.“
Butzbacher Stadtwald: Heimische Bäume im Bestand haben
Bei der Auswahl der Bäume werde darauf geachtet, welche unter den veränderten Klimabedingungen eine Chance haben. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, weiterhin genügend heimische Bäume im Bestand zu haben. Auch wenn diese mit den klimatischen Bedingungen derzeit nicht so gut zurechtkommen, ist ihr Erhalt für die heimische Tier- und Pflanzenwelt wichtig. „Zudem haben wir die Hoffnung, wer jetzt groß wird, kann sich eventuell besser an die Klimabedingungen anpassen. Da sie schon unter diesen Bedingungen aufwachsen“, ergänzt Thorbjörn Kunz, Fachbereichsleiter der Stadt Butzbach.
Die 2017 bepflanzte Fläche wurde durch ein Förderprogramm unterstützt. „Das heißt aber auch, dass diese Fläche ihre Ziele erreichen sollte“, erklärt Schneider. Allerdings entwickeln sich nicht alle der gepflanzten Baumarten so gut wie die Douglasie. Nicht nur das Klima ist eine Herausforderung für das Wachstum des Waldes.
„Das Wild gehört in den Wald, aber die Rehe knapsen bei den jungen Bäumen die Knospen ab“, erklärt Schneider. Noch dazu seien Rehe „Feinschmecker“. Sie suchen sich meist die Baumsorten raus, die nicht so viel vorhanden sind. Schneider zeigt auf eine Weißtanne, die zusammen mit den Douglasien angepflanzt wurde. „Bei dieser wurde fast jede Knospe abgebissen.“ Diese Tanne hat kaum noch eine Chance. Noch heute ist sie so groß, wie bei der Pflanzung vor fast zehn Jahren.
Butzbacher Stadtwald: Fegen der Rehe ebenfalls Problem
Neben dem Verbiss ist auch das sogenannte Fegen der Rehe ein Problem: „Die Rehe suchen junge, biegsame Bäume, um ihre Haut vom Geweih abzuschuppern. Das zerstört die Nährstoffbahnen der Bäume.“ Um die jungen Bäume zu schützen, werden Stäbe an diese gestellt. „Das Material ist für die Rehe unangenehm, und so suchen sie sich einen anderen Ort zum Fegen“, erklärt der Fachmann.

Wild und Wald gehören zusammen. Doch der Wildbestand im Butzbacher Wald sei derzeit zu hoch. „Der Wildbestand ist auf einem Niveau, das der Wald nicht mehr verträgt, sodass dieser nicht mehr wachsen kann“, sagt Schneider. Um das Verhältnis wieder auszugleichen, sei eine Bejagung – unter den Aspekten des Tier- und Waldschutzes – nötig.
Da die Rehe immer wieder seltene Sorten anknabbern, sei es schwierig, die Heterogenität zu erhalten. Kunz ergänzt: „Es ist viel Schutz für die Bäume nötig.“
Butzbacher Stadtwald: Zaun soll vor Verbiss schützen
Daher haben die Förster bei der jüngsten Baumpflanzaktion im vergangenen Jahr einen Zaun um die neue Fläche gesetzt. Ab und an knacke auch mal ein Wildschwein den Zaun, oder ein Reh finde doch einen Weg hinein. Daher seien Kontrollen nötig. „Der Zaun braucht ebenfalls Pflege. Wenn das Wild an den Wald angepasst wäre, könnte man diese Gelder wieder anders verwenden“, sagt Schneider.
Auf der eingezäunten Fläche stehen Flatterulmen, Esskastanien, Linden, Roteichen und Sandbirken sowie Begleitvegetation. In den ersten Jahren benötige diese Fläche viel Zuwendung. So wird zwei- bis dreimal im Jahr gemäht, damit die Begleitvegetation die jungen Bäumchen nicht überwuchert. Späterhin mähe man nur noch einmal im Jahr. Aufmerksam beobachten müsse man auch die Brombeere. „Sie legt sich gerne um die Bäume.“
Butzbacher Stadtwald: Hitze könnte Problem sein
Diese Neukultur wurde im Herbst gepflanzt, in Kooperation mit dem Verein Trinkwasserwald aus Hamburg. Zuvor wurde die Fläche gemulcht, um die Startsituation zu verbessern. Witterungsbedingt werde im Butzbacher Wald nur noch im Herbst gepflanzt und nicht mehr im Frühjahr. So haben die kleinen Pflänzchen die Chance, über den Winter mehr Feuchtigkeit abzubekommen, bevor der erste Sommer kommt.
Aktuell steht die neue Fläche gut da, sind sich die drei einig. Und das trotz der Hitze in den vergangenen Wochen. Auf Dauer könnte diese ein Problem sein.
Schneider sagt: „Wir wissen erst nach vier bis fünf Jahren, ob es geklappt hat. Doch jetzt bin ich sehr froh, wie es hier aussieht, und dabei ist das hier die trockenste Fläche im Revier.“