BVB legt gegen Eintracht Frankfurt an der Tabellenspitze vor
Im Westen treffen sich die leidenschaftlichsten Spieler des Landes. Seit Donnerstag schon campieren sie vor den Toren, auf der Jagd nach den besten Plätzen, den klügsten Taktiken.
Gemeint sind nicht die Spieler von Borussia Dortmund oder Eintracht Frankfurt, die sich am Samstagabend vor immerhin 80.000 Zuschauern 1:0 trennten. Denn in der anderen Ruhrmetropole Essen besuchen gerade eine Viertelmillion Menschen die Messe „Spiel“. Dieses Jahr im Trend: das Partyspiel „Hitster“.
Hier gewinnt, wer am schnellsten Songs errät. Meistens geht es um US-Klassiker. „Ole, hier kommt der BVB“, die Torhymne des Dortmunder Ballsportvereins 09, kommt bisher in keiner Version vor.
Lange war sie am Samstagabend nicht zu hören, fast 80 Minuten. Bis dahin zeigten beide Teams eine ungewöhnliche Partie, eine knifflige Spielnacht zwischen zwei Klubs, die europaweit für ihre (ehemaligen) Stürmer bekannt sind. Es hat in der Vergangenheit Spiele zwischen den beiden gegeben, die zu den schönsten der Liga gehörten. Das war so, als Marco Reus den Ball durchs Mittelfeld trug, Erling Haaland ihn ins Frankfurter Tor köpfte oder die Eintracht-Stürmer Marmoush und Ekitiké an den Dortmunder Verteidigern vorbeirannten.
Wenig ästhetische Elemente beim BVB
Ein solches Spiel fand am Samstag nicht statt. Ohne die Schattenmänner verteidigte die Eintracht den BVB, indem sie den Ball weit weg von ihrem Tor schlug. Don’t look back in anger: Sie arbeitete konzentriert zusammen, sie nervte ihren Gegner, sie machte wenig Fehler. Die Frankfurter Verteidiger klatschten sich ab, die Dortmunder Angreifer winkten genervt ab. „Ich sehe ein Schritt nach vorne“, sagte ihr Trainer Adi Hütter nach dem Spiel und dem 0:6 in Leipzig vor zwei Woche. In der ersten Halbzeit von Dortmund flogen die Bälle von links nach rechts, selten hat es in dieser Bundesligasaison mehr Kopfbälle gegeben.
Das Spiel des Tabellenzweiten aus Dortmund hatte wenig ästhetische Elemente; Felix Nmechas Haken vielleicht, auch Ryersons Flankenläufe. Der BVB brach seinen eigenen Rhythmus, indem er mehrere Elfmeter forderte, die Schiedsrichter Sven Jablonski korrekterweise nicht gab. Die Eintracht konterte, angetrieben vom starken Mittelfeldspieler Noel Aseko, und hatte zwei große Chancen auf den Führungstreffer. Jonathan Burkardt (27. Minute) und Younes Ebnoutalib (34.) vergaben aber, ebenso wie Serhou Guirassy (17.) und Daniel Svensson auf der Gegenseite (Latte, 31.).
In der zweiten Halbzeit drückte der BVB auf den Siegtreffer. Es deutete sich der Verlauf eines klassischen Kovac-Spiels an: Spiel den Gegner so lange müde, bis er den entscheidenden Fehler macht. Der Rechtsverteidiger Ryerson warf seine Handschuhe auf die Tribüne, die Angreifer des BVB trafen sich Kopf an Kopf mit den Frankfurter Verteidigern. Eintracht-Kapitän Robin Koch sagte später: „Ich hatte das Gefühl, wir kommen hier nicht mehr raus und warten auf das Tor.“ Guirassy köpfte an die Latte (53.), Guirassy legte den Ball knapp am linken Pfosten vorbei (67.). Guirassy aber traf nicht.
Vielleicht waren die Dortmunder auch schlicht müde. Sie hatten sich am Mittwoch in der Champions League zu einem 2:1 bei Sabah FK gequält, weit weg in Aserbaidschan. Davor waren sie 11.000 Kilometer durch Europa getourt, über Bodö und Berlin. „Wir mussten nach den intensiven Tagen viel investieren gegen eine gute Eintracht“, sagte Kovac.
Dann aber hatte der Trainer eine Idee: Nach 70 Minuten wechselte er dreimal, er brachte auch den deutschen Nationalspieler Maximilian Beier ins Spiel. Beier wirbelte über links, er beschäftigte seinen Gegenspieler Nnamdi Collins so lange, bis er ihn kurz aus den Augen verlor. Dann schoss er ins rechte, obere Eck. 80. Minute, 1:0. Der BVB ist Tabellenführer, eine Woche vor dem großen Spiel in München. Die Zuschauer sangen vom Europapokal, den sie nie wieder abgeben werden und: „Ole, hier kommt der BVB“. Wer den Hit errät, gewinnt.