Caro Cult verliert Rolle in ARD-Serie wegen Schwangerschaft – und klagt
Man kann getrost sagen, dass es zur Sache geht in der ersten Staffel der ARD-Thrillerserie „Schattenseite“ (lief im Oktober 2025). Gleich in der ersten Folge hat eine Lehrerin Sex mit einem minderjährigen Schüler. Die Szenerie ist dunkel gehalten, vieles nur zu erahnen. Der Zuschauer sieht, wie die Frau oral befriedigt wird. In einer weiteren Folge hat das Paar Sex in einem Auto. Wieder wird mehr angedeutet, als gezeigt: nackte Schultern, ein nackter Fuß, eine beschlagene Scheibe.

Bleibt die Frage, ob eine schwangere Frau diese Sexszenen hätte spielen können. Szenen, in denen vom Körper der Frau nur wenig zu sehen ist. Nein, meinte Dreampool Entertainment laut einem Bericht des „Spiegel“. Die Produktionsfirma soll der Schauspielerin Caro Cult, die für die Rolle der Lehrerin vorgesehen war, wenige Tage vor Drehbeginn 2024 den Vertrag gekündigt haben. Cult hatte Dreampool kurz zuvor darüber informiert, dass sie schwanger sei. Eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma soll Cult daraufhin gesagt haben, sie strahle für die Rolle „nicht mehr den notwendigen Sex-Appeal“ aus. Ihre Rolle wurde neu besetzt, mit der Schauspielkollegin Franziska von Harsdorf.
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Produktionsfirma begründet Rauswurf mit Versicherungsfragen
Die Firma bestreitet die Äußerung nicht und entschuldigte sich bei Cult. Der Grund für die Kündigung des Vertrags sei aber nicht der angeblich mangelnde „Sex-Appeal“ gewesen. Vielmehr sei es um mit der Schwangerschaft einhergehende „organisatorische Probleme“, um Fragen des Mutterschutzes und um Versicherungsfragen gegangen, argumentiert Dreampool. Außerdem habe man Änderungen am Drehplan und den Einsatz eines Körperdoubles geprüft, diese Überlegungen aber wieder verwerfen müssen, heißt es weiter.

Szene aus der Serie „Schattenseite“ mit Samirah Breuer in der Rolle der Nola.© ARD Degeto Film/HR/funk/Dreamtool Entertainment GmbH/Elliott Kreyenberg | ARD Degeto Film/HR/funk/Dreamtool Entertainment GmbH/Elliott Kreyenberg
Caro Cult wollte das so nicht hinnehmen und klagte. Das Arbeitsgericht Berlin beschäftigte sich mit dem Fall. Am Ende einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich. Dreamtool zahlte Caro Cult die Hälfte der ursprünglich vereinbarten Gage als Schadensersatz. Ist die Sache damit abgeschlossen? Nicht für Cult – und offenbar auch nicht für viele ihrer Kolleginnen in der Branche, von denen sie viel Zuspruch erhielt. Ursula Karven schrieb, sie habe ähnliche Erfahrungen gemacht; Lea van Acken kommentierte: „Dein Kampf ist für uns alle.“
Dem „Spiegel“ sagte Cult, sie könne keiner Schauspielerin mehr raten, ihre Schwangerschaft früh offenzulegen. „Oft ist es wahrscheinlich schlauer, einfach am Set aufzutauchen und die Schwangerschaft so lange wie möglich zu verschweigen. Bis dahin ist es meistens zu teuer, dich gegen eine andere Schauspielerin auszutauschen, und die Verantwortlichen sind gezwungen, die Drehbedingungen anzupassen.“ Auf Instagram legte Cult nach: „Es kann doch nicht sein, dass wir Mütter alle so tun, als würden wir keine Kinder bekommen – aus Angst, dass uns unsere Jobs weggenommen werden!“
tok