Tausende betroffen: Perfide Masche hebelt Sicherheit aus und landet sogar im Kanzleramt

CDU-Account gehackt: E-Mail geht an etliche „sicherheitsrelevante“ Kontakte – auch an Friedrich Merz

Stand: 17.10.2026, 21:37 Uhr

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Cyberkriminelle nutzen ein gekapertes Parteikonto der CDU Heilbronn als digitales Einfallstor. Auch der Bundeskanzler ist betroffen

Cyberkriminelle nutzen ein gekapertes Parteikonto der CDU Heilbronn als digitales Einfallstor. Auch der Bundeskanzler ist betroffen. © Michael Kappeler/dpa

Eine gefälschte Einladung wirbelt die Bundespolitik auf: Hacker kapern ein Parteikonto und senden Phishing-Nachrichten an Tausende Kontakte – bis ins Kanzleramt von Merz.

Berlin – Eine E-Mail im Postfach, ein vertrauter Absender und das verlockende Versprechen auf ein Treffen mit hochkarätigen Gästen: Auf den ersten Blick wirkte die Nachricht wie eine der vielen Routine-Einladungen im politischen Berlin. Doch hinter dem Klick lauerte offenbar eine akute digitale Bedrohung.

Unbekannte Cyber-Kriminelle hatten sich unbemerkt Zugriff auf das offizielle E-Mail-Konto verschafft, das der Kreisverband der CDU in Heilbronn für seine Kommunikation nutzt. Von dort aus startete eine automatisierte Massenwelle, die binnen kürzester Zeit tausende Postfächer im ganzen Land erreichte.

Gefälschte VIP-Einladung aus der CDU in Heilbronn

„Nach ersten Erkenntnissen ging die Mail an circa 6500 Kontakte, von denen zahlreiche im sicherheitsrelevanten Bereich sind“, teilte ein Sprecher der Polizei Heilbronn mit. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz war unter den Empfängern. Der Hackerangriff nutzte die echte Parteiadresse als Tarnkappe für Phishing. In Berlin gab es bereits vor wenigen Wochen Wirbel um Hackerangriffe, betroffen waren auch Teile der kritischen Infrastruktur.

Das perfide Kalkül hinter der Aktion: Weil die Nachricht von einem verifizierten Server der CDU stammte, schlugen herkömmliche Sicherheitsfilter vielerorts nicht an. In der Mail war ein Link eingebettet, über den Kriminelle versuchten, sensible Zugangsdaten und Passwörter der Empfänger abzugreifen.

Wie der Hackerangriff bis in die Ministerien vordrang

Die Brisanz des Vorfalls liegt vor allem im hochrangigen Verteiler. Neben mehreren Ministerien und Abgeordnetenbüros landete der Köder auch direkt im Kanzleramt sowie in überregionalen Nachrichtenredaktionen. Die Ermittler prüfen nun, ob Zugangsdaten in fremde Hände geraten sind.

Beim Phishing versuchen Angreifer, durch fingierte Mitteilungen Passwörter, Identitäten oder Netzwerk-Berechtigungen zu erbeuten. Gelingt dieser Diebstahl, können Täter unbemerkt in interne IT-Strukturen eindringen, vertrauliche Dokumente mitlesen oder weitere Schadprogramme im System nachladen.

Sicherheitsalarm nach Cyber-Operationen in Europa

Der Vorfall reiht sich nahtlos in eine Serie von Berichten über Cyber-Operationen in Europa ein. In den vergangenen Monaten meldete die Bundespolitik wiederholt Angriffe: Erst kürzlich gerieten Messenger-Konten von Ministern ins Visier, während ein Hackerangriff auf SPD-Postfächer der Gruppe APT28 zugeordnet wurde.

Cyber-Angriff auf CDU

Hacker sind in das E-Mail-Konto der Heilbronner CDU eingebrochen und haben von dort Tausende Phishing-Nachrichten an Ministerien und politische Kontakte verschickt. © Philip Dulian/dpa

Auch vor der Europawahl (2024) isolierte die Bundespartei nach einem Eindringen vorsorglich eigene Systeme, wobei Kalenderdaten gestohlen wurden. Ähnliche Fälle trafen französische Ministerien und baltische Behörden. Die Täter nutzen gezielt kleinere Verbände als Hebel, um Sicherheitsbarrieren zu umgehen.

Europa im Fadenkreuz gezielter Cyber-Spionage

Sicherheitsbehörden wie das BSI warnen seit Monaten vor professionellen Kampagnen, die das politische Vertrauen zersetzen sollen. Regionale Parteistellen verfügen selten über die hochgerüsteten Abwehrsysteme der Ministerien, verwalten aber oft Verteilerlisten mit exklusiven Kontakten der Spitzenpolitik.

Die Polizei prüft nun die Herkunft der Attacke und warnt alle Empfänger vor dem Öffnen verdächtiger Links. Der Fall zeigt, wie verwundbar selbst höchste Schaltzentralen über scheinbar unbedeutende Nebeneingänge bleiben. (Quellen: Deutsche Presse-Agentur, eigene Recherche)