CDU-Beben nach Wahl-Debakel: Das Wort „Zäsur“ fällt – jetzt beginnt die nervöse Suche nach den Schuldigen
CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt: Wahl wird zur Zäsur – Druck auf Kanzler Merz wächst enorm
Stand: 07.09.2026, 07:50 Uhr
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Nach der herben Klatsche bei der Sachsen-Anhalt-Wahl stehen dem Kanzler schwere Wochen bevor. Die nächsten Wahlen könnten die Lage noch verschärfen.
Magdeburg/Berlin – Das nennt man wohl ein Desaster: Die CDU hat ihr Ergebnis von 2021 mehr als halbiert und erreicht nur wenig mehr als 17 Prozent der Stimmen. Damit ist aber auch klar: Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat sogar Potenzial, die Bundespolitik zu erschüttern. Nicht auszuschließen ist, dass die Klatsche für die Kanzlerpartei auch Friedrich Merz in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte.

Dazu reicht allein ein Blick auf die Daten einer Nachwahlumfrage von Infratest dimap für die ARD. Dort gaben 59 Prozent der Befragten an, die Abstimmung als Denkzettel für die Bundesregierung zu sehen. Noch schlimmer für die CDU: Die Zustimmung für den Kanzler lag in dieser Erhebung bei mickrigen neun Prozent.
Wahl in Sachsen-Anhalt: Wie gefährlich wird der AfD-Kantersieg für Merz?
So geht es nach der Sachsen-Anhalt-Wahl um mehr als nur die künftige Regierung in Magdeburg. Die Frage ist auch, wie sehr das politische Erdbeben in dem kleinen ostdeutschen Bundesland mit seinen rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten das Kanzleramt in Bedrängnis bringen wird.
Die siegreiche Konkurrenz lacht sich jedenfalls ins Fäustchen. AfD-Chefin Alice Weidel sagte schon einmal voraus, dass in der CDU nun über einen Kanzlertausch von NRW-Chef Hendrik Wüst mit Merz diskutiert werde. Und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bezeichnete Merz wegen seiner Unpopularität in Sachsen-Anhalt als besten Wahlkämpfer seiner Partei. Beide knüpfen damit an eine Debatte an, die wegen der schlechten Umfragewerte des Kanzlers ohnehin schon lange geführt wird.
Kanzler Merz verfolgt das CDU‑Drama bei der Wahl in Sachsen-Anhalt in der Parteizentrale
Und der Kanzler selbst? Der verfolgt das Drama am Abend sechs Stunden lang mit einigen Vertretern aus der Parteiführung und dem Bundeskabinett in der CDU-Zentrale in Berlin. Als er um 22:16 Uhr die Parteizentrale verließ, war das vorläufige amtliche Endergebnis noch gar nicht da. Doch schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass seine Partei noch tiefer abgestürzt ist, als von den größten Pessimisten erwartet.
Kommentieren wollte Merz die Pleite in Sachsen-Anhalt jedenfalls nicht. Das taten dafür andere. „In jedem Fall ist es ein sehr schweres Ergebnis für uns und macht auch was mit uns als Christdemokraten“, lautete der erste Satz von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann, die erst seit ein paar Wochen im Amt ist. Genauso wie Philipp Amthor, der Staatsminister im Kanzleramt, lehnte am Abend jede Debatte über Merz ab. Es sei jetzt wichtig, „dass wir stabil sind und stabil bleiben“, sagte auch Thorsten Frei. Bundestag und Kanzler seien schließlich auf vier Jahre gewählt. Und dann wählte der Unionsfraktionschef noch ein bezeichnendes Wort für das, was an diesem Abend geschehen war: „Zäsur“.
Wahl in Sachsen-Anhalt: Das Wort „Zäsur“ fällt bei der CDU am häufigsten
Das Wort „Zäsur“ fiel am Wahlabend wohl am häufigsten. Wie es in Sachsen-Anhalt nun weitergeht, ist noch offen. Sicher ist dagegen, dass die Suche nach den Schuldigen für das Wahldebakel auch nach Berlin führen wird. Konkret: ins Kanzleramt. Es ist davon auszugehen, dass Merz aus seiner eigenen Partei dafür mitverantwortlich gemacht wird.
So hat sich Spitzenkandidat Schulze in den vergangenen Wochen immer wieder beschwert, dass sein Wahlkampf negativ von der Bundespolitik überlagert würde. Eine eigentlich kurz vor der Wahl geplante Sitzung des CDU-Bundespräsidiums in Magdeburg wurde daher wieder abgesagt und der Kanzler bei seinen beiden Besuchen im Wahlkampf regelrecht versteckt.
Tatsächlich weist auch die Analyse von Infratest dimap auf ein gravierendes Problem für die Kanzlerpartei hin: Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung machten die Menschen in Sachsen-Anhalt hauptsächlich an der CDU fest: 86 Prozent warfen der Merz-Partei vor, sie habe ihre Wahlkampfversprechen nicht eingehalten. Zwei weitere Zahlen: 86 Prozent der Befragten meinten, Schwarz-Rot habe zu wenig für die Senkung von Steuern und Abgaben getan. Und 70 Prozent warfen Merz und der CDU vor, die Interessen der Arbeitnehmer zu vernachlässigen.
Auch die Wahlen in zwei Wochen haben es für Merz und die CDU in sich
In zwei Wochen stehen die nächsten beiden Landtagswahlen ins Haus: Die Ergebnisse der Berlin-Wahl und der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern werden zeigen, wie gefährlich der Herbst für Merz wirklich werden könnte. In Berlin droht der CDU der Verlust des Amtes des Regierenden Bürgermeisters. Und in Mecklenburg-Vorpommern? Dort könnte sie sogar unter die Zehn-Prozent-Marke fallen und auf Platz 4 abstürzen. Spätestens dann dürfte die Debatte über einen Kanzlertausch wieder voll ausbrechen. Der Ausgang erscheint derzeit offen. (Quellen: dpa, Reuters, Infratest dimap)