CDU-Desaster in zwei Bundesländern: Merz spricht von „Zerreibung“ seiner Partei

Stand: 21.09.2026, 07:44 Uhr

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Zwei Wahlen, zwei klare Verschiebungen: In Berlin wird die Linke stärkste Kraft, in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD mit 37,7 Prozent vorn. Die CDU verliert in beiden Ländern massiv.

Berlin – Das Superwahljahr 2026 endet mit zwei unterschiedlichen Wahlausgängen: In Berlin wird die Linke stärkste Kraft, in Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD vorn. Für die CDU bringt der Wahlsonntag in beiden Ländern deutliche Verluste.

Die SPD konnte in Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig deutlich aufholen und wird trotz des starken AfD-Ergebnisses zweitstärkste Kraft.

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Dieser Artikel von Johanna Urbancik entstand in Kooperation mit Euronews

In Berlin kommt die Linke laut aktueller Infratest-dimap-Hochrechnung auf 25,1 Prozent. Die CDU erreicht 19,8 Prozent, die Grünen 14,9 Prozent und die AfD 15,6 Prozent, während die SPD nur noch auf 12 Prozent und das BSW auf 5 Prozent kommt. Damit verliert die bisherige schwarz-rote Koalition in der Hauptstadt ihre Mehrheit.

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zum Wahlergebnis.

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zum Wahlergebnis. © picture alliance/dpa | Michael Kappeler

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD laut aktueller Hochrechnung bei 37,7 Prozent, die SPD bei 35,5 Prozent. Die CDU kommt mit ihrem historisch schlechtesten Ergebnis auf 5,2 Prozent, die Linke auf 6,9 Prozent, die Grünen auf 5,5 und das BSW auf 5,0 Prozent.

Deutliche Verluste für die CDU in beiden Ländern

Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in einem Pressestatement im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, dass man das Ergebnis der CDU in Mecklenburg-Vorpommern „nicht schönreden“ könne. „Es ist ein Desaster“, so der CDU-Chef, dessen Partei dort nach seinen Worten in der Zuspitzung zwischen SPD und AfD „zerrieben worden“ sei.

In Berlin hingegen habe CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers seine Partei in einer schwierigen Ausgangslage zu einem „ordentlichen Ergebnis“ geführt. Anschließend sprach der Kanzler über die Lage in Deutschland und erklärte, das Land sei zu kompliziert geworden, während die Wirtschaft vor einem tiefen Umbruch stehe.

Der Ton in der Gesellschaft werde rauer, das Vertrauen in die Institutionen sinke, weshalb Merz weitere Reformen fordert, auch wenn diese Belastungen mit sich brächten und nicht überall auf Zustimmung stoßen würden.

Zum Schluss warnte er vor dem „autoritären Gift“, das mit der „Faszination des Autoritären“ immer tiefer in die Gesellschaft eindringe, und betonte, er wolle als CDU-Chef und Bundeskanzler Verantwortung übernehmen, damit Deutschland wieder ein „Land des Aufbruchs“ werde.

AfD reklamiert Regierungsauftrag in Mecklenburg-Vorpommern

Nach den Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern beansprucht AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm den Regierungsauftrag für seine Partei, die nun „natürlich auch das Gespräch suchen mit allen anderen Parteien“ wolle, „um etwas zu bewegen“. „Es geht hier um die Bürger unseres Landes. Wir wollen die Politik verbessern“, sagte Holm im Interview in der ARD und unterstrich den Anspruch seiner Partei, eine gestaltende Rolle zu übernehmen.

Auf die Frage nach einer möglichen Zusammenarbeit mit anderen Parteien erklärte Holm, die AfD in Mecklenburg-Vorpommern werde nicht vom Verfassungsschutz beobachtet und sehe sich damit in einer anderen Lage als Landesverbände in anderen Bundesländern.

Seine Partei habe ein „konservatives Programm“ für Bildung, Wirtschaft und Sicherheit, mit dem sie nach eigenen Angaben auf Stabilität und Ordnung setze. Die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig könnte trotz des Vorsprungs der AfD im Amt bleiben, da mögliche Koalitionsoptionen sie weiter an der Regierung halten könnten.

Mit ihrem Slogan „Frau gegen Blau“ hatte Schwesig im Wahlkampf stark auf ihre Person gesetzt und den direkten Gegensatz zur AfD betont. Schwesig sprach im ZDF von der „schwersten Landtagswahl“ für ihre Partei, bei der die SPD der AfD „mit Inhalt, mit Personen, mit Klarheit und mit einem gemeinsamen Kampf“ etwas entgegengesetzt habe, wie sie im ARD-Interview betonte.

Schwesigs umstrittene Vergangenheit und Kurswechsel bei Russland

Zu Schwesigs politischer Vergangenheit gehört jedoch auch ihre frühere Unterstützung für Nord Stream 2, die ihr bis heute Kritik einbringt. Unter ihrer Landesregierung wurde 2021 die Stiftung Klima- und Umweltschutz MV gegründet, die den Bau der Pipeline unterstützte und zur Umgehung von Sanktionen beitrug.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine bezeichnete Schwesig ihre damalige Haltung als Fehler und vollzog einen außenpolitischen Kurswechsel. Bei einem Besuch in Kiew sagte sie 2024, dass „die Ukraine diesen Krieg gewinnen“ müsse und sprach sich deutlich für weitere Waffenlieferungen an das angegriffene Land aus.

Dieser Schwenk in der Russland- und Ukraine-Politik ist seither ein zentraler Bestandteil ihrer politischen Rechtfertigung, mit der sie versucht, frühere Entscheidungen zu erklären und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Sozialpolitik und Mietenkrise als Erfolgsrezept der Berliner Linken

Die Berliner Linke hat im Wahlkampf stark auf soziale Themen und bezahlbare Mieten gesetzt und sich als Schutzmacht für Mieter in der Hauptstadt präsentiert. Dabei blickte Spitzenkandidatin Elif Eralp auch nach New York und verwies auf internationale Vorbilder.

Nach dem Wahlsieg des linken Demokraten Zohran Mamdani sagte sie der Deutschen-Presse-Agentur (dpa): „Wenn ein Linker in New York gewinnen kann, dann genauso gut in Berlin.“ Die Linke wurde nun erstmals stärkste Kraft in Berlin, was einen historischen Einschnitt für die Hauptstadt bedeutet.

Alle gegen Trump: New Yorks neuer Bürgermeister schmiedet Plan

New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani. © © IMAGO / Anadolu Agency / Archivbild

Eralp wäre damit die erste Regierende Bürgermeisterin Berlins mit Migrationshintergrund, deren Eltern 1980 aus der Türkei nach Deutschland flohen, während sie selbst in München geboren wurde und später nach Berlin zog. Ihre Biografie nutzt sie im Wahlkampf, um gesellschaftliche Vielfalt und soziale Aufstiegschancen zu betonen.

Eralp stellte vor allem die Mietkrise ins Zentrum ihres Wahlkampfs und kündigte umfassende Eingriffe in den Wohnungsmarkt an. Sie versprach mehr Regulierung, einen Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und einen weiteren Schritt zur Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände, um Spekulation einzudämmen.

Kritiker warnen vor abschreckenden Effekten für Investoren, während Unterstützer einen starken Staat im Kampf gegen steigende Mieten fordern.

Historische Wurzeln der Linken und neue Konfliktlinien

Die Linke ist Rechtsnachfolgerin der früheren DDR-Staatspartei SED („Sozialistische Einheitspartei Deutschlands“), deren Erbe sie bis heute politisch und moralisch begleitet. Die SED nannte sich nach dem Mauerfall zunächst in PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) um, wobei Vermögen und Teile des Personals übernommen wurden.

Später erfolgte die Umbenennung in „Die Linke“, die sich als gesamtdeutsche sozialistische Partei etablierte, zugleich aber mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit ringt. Der Wahlerfolg bringt die Linke nun in eine schwierige Lage bei der Regierungsbildung, da sie zwar rechnerisch stark ist, politisch aber auf Partner angewiesen bleibt.

SPD und Grüne stellen der Linken klare Bedingungen

SPD und Grüne haben eine Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen, knüpfen sie jedoch an klare Bedingungen beim Umgang mit Antisemitismus und innerparteilichen Konflikten. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte bereits vor der Wahl bei einer Diskussion der Jüdischen Gemeinde: „Wenn es antisemitische Vorfälle gibt, dann ist es vorbei, ganz einfach.“

Elif Eralp

Elif Eralp. © picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Hintergrund ist unter anderem ein Auftritt des Rappers Dahabflex bei einer Wahlkampfveranstaltung der Linken in Neukölln, bei dem Parolen wie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee) und „Yalla Yalla Intifada“ gerufen wurden.

Eralp distanzierte sich anschließend von den Äußerungen und forderte Aufklärung und Konsequenzen, um den entstandenen Schaden zu begrenzen und das Vertrauen potenzieller Koalitionspartner zurückzugewinnen.

Werner Graf: Grüne pochen auf Schutz jüdischen Lebens

Auch die Grünen formulieren eine klare Bedingung für mögliche Koalitionsverhandlungen und verlangen unmissverständliche Positionierungen. Spitzenkandidat Werner Graf sagte, seine Partei werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, der sich nicht klar gegen Antisemitismus richte und jüdisches Leben schütze.

Eralp selbst betonte, die große Mehrheit der Linken stehe für den Schutz jüdischen Lebens und sehe Antisemitismus als gesamtgesellschaftliches Problem, das auch innerhalb der Linken existiere, während sie zugleich jüdisches, palästinensisches und muslimisches Leben in Berlin schützen wolle.