„Falsche Hoffnungen“: CDU-Mann schießt nach Lawrow-Treffen scharf gegen eigenen Außenminister

CDU-Mann tobt wegen Lawrow-Treffen: „Nichts erreicht außer falschen Hoffnungen und Verwirrung“

Stand: 27.09.2026, 21:48 Uhr

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CDU-Politiker Kiesewetter kritisiert das Treffen von Außenminister Wadephul mit Putin-Minister Lawrow. Auch ein Telefonat hätte genügt.

Berlin – Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter hat das Treffen zwischen Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) und Russlands Außenminister Sergej Lawrow scharf kritisiert. Das Gespräch habe weder der Ukraine noch der deutschen Sicherheit genutzt – im Gegenteil. „Die deutsche Außenpolitik hat damit leider nichts erreicht außer falschen Hoffnungen und Verwirrung“, sagte Kiesewetter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Montagsausgabe).

Sergej Lawrow (l.), Außenminister von Russland, verabschiedet sich vom deutschen Außenminister Johann Wadephul (CDU, r.) nach einem Treffen zur Lage im Ukraine-Krieg.

Sergej Lawrow (l.), Außenminister von Russland, verabschiedet sich vom deutschen Außenminister Johann Wadephul (CDU, r.) nach einem Treffen zur Lage im Ukraine-Krieg. © Michael Kappeler/dpa

Die Kritik aus den eigenen Reihen trifft Wadephul nach einem historischen Moment: Es war das erste bilaterale Treffen auf Außenministerebene zwischen Deutschland und Russland seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs vor mehr als viereinhalb Jahren. Zuletzt hatte sich die damalige Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Januar 2022 in Moskau mit Lawrow getroffen.

CDU-Politiker Kiesewetter: Lawrow hat Russland „wie immer lächerlich gemacht“

Kiesewetter zweifelt daran, dass das persönliche Gespräch notwendig war. „Ich sehe das Treffen sehr kritisch. Im Nachhinein wäre ein Telefonat klüger gewesen. Denn das Ergebnis bleibt das Gleiche“, sagte er der FAZ. Den Glauben, dass sich mit Russland verhandeln lasse, habe Lawrow „wie immer lächerlich gemacht“.

Besonders störend findet Kiesewetter den Eindruck, den das Treffen bei den Ländern zwischen Deutschland und Russland hinterlassen habe: Sie erlebten den „alten Albtraum“ einer Kommunikation zwischen Berlin und Moskau über ihre Köpfe und den der Ukraine hinweg. Das Treffen hinterlasse den Eindruck eines deutschen Sonderwegs.

Wadephul verteidigt das Gespräch: „Mit Gegnern muss man verhandeln“

Wadephul selbst sieht das anders. „Mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln“, sagte er in den ARD-„Tagesthemen“ nach dem gut 20-minütigen Austausch am Rande der UN-Generaldebatte in New York. Das Gespräch sei sinnvoll gewesen, auch wenn es kein positives Ergebnis gebracht habe. An alle Kritiker, die Deutschland zu Gesprächen mit Russland aufgefordert hätten, richtete er eine klare Botschaft: „Aber allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln, Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: Das tun wir.“

Wadephul hatte das Gespräch auch gesucht, weil er verhindern will, dass Europa den Amerikanern den kompletten Austausch mit Russland überlässt. Zahlreiche Amtskollegen hätten ihn gebeten, offen für Gespräche zu sein, sagte er dem ZDF. Aus deutschen Delegationskreisen hieß es, Wadephul habe Russland zur Deeskalation aufgefordert und betont, dass Vorfälle wie der versuchte Drohnenanschlag am Leipziger Flughafen Anfang August Deutschlands Entschlossenheit zur Unterstützung der Ukraine nicht erschüttern würden.

Lawrow zeigte sich wenig beeindruckt. Er habe bei dem Gespräch nichts gehört, was nicht ohnehin den täglichen öffentlichen Äußerungen Berlins entspreche, sagte er auf eine Frage der Deutschen Presse-Agentur. Seine Schlussfolgerung fiel trocken aus: „Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können ‚Lesen Sie meine Erklärung‘.“ Wadephul sprach derweil von einem „intensiven Gespräch“ und betonte, dass Russland derzeit „bedauerlicherweise“ keine Bereitschaft zeige, in eine konstruktive Verhandlungsposition zu gehen.

Lob von SPD und Grünen für Wadephuls Initiative – doch kein Glaube an Putins Verhandlungsbereitschaft

Während Kiesewetter die Begegnung als Fehler wertet, fällt die Reaktion anderer Parteien milder aus. SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner lobte das Treffen. Das Signal sei: „Die Europäer sind noch da.“ Es sei klar, dass es nach einem ersten Gespräch kein direktes Entgegenkommen gebe – trotzdem sei es wichtig, die Diplomatie nicht allein den USA zu überlassen. Sein Parteikollege Adis Ahmetović sieht in dem Treffen einen „wichtigen ersten Schritt“ hin zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine und forderte weitere Vorstöße in dieser Richtung.

Auch von den Grünen kamen anerkennende Worte. „Ich bin unserem Außenminister dankbar dafür, dass er dieses Gespräch gesucht hat“, sagte Grünen-Chefin Franziska Brantner der Rheinischen Post. Lawrows Reaktion zeige aber, dass Putin kein Interesse an Friedensverhandlungen mit der Ukraine habe.

Über das Gespräch informierte Wadephul anschließend auch den ukrainischen Außenminister Andrij Sybiha. Dieser bedankte sich auf X dafür, dass Wadephul der russischen Seite die „feste gemeinsame Position“ übermittelt habe: Moskau müsse seinen Krieg beenden. Deutschland gilt als wichtigster Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt – eine Rolle, die seit dem Rückzug der USA unter Präsident Donald Trump noch an Gewicht gewonnen hat

Ob es bald wieder zu direkten Kontakten zwischen Berlin und Moskau kommt, ist offen. Trump hat Putin zum G20-Gipfel im Dezember in Miami eingeladen. Ob Putin tatsächlich anreist, ist jedoch unklar – zuletzt nahm er 2019 physisch an einem G20-Gipfel teil. (Quellen: FAZ, AFP, dpa, ARD, ZDF, Rheinische Post) (nak)