Ceuta-Chaos und drei Landtagswahlen: Warum die AfD gerade auf die Bilder aus Spanien wartet
Ceuta-Ereignisse als Wahlkampf-Munition: Wie die AfD die Bilder aus Spanien für sich nutzt
Stand: 04.08.2026, 13:51 Uhr
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Die Bilder aus der spanischen Exklave Ceuta entfachen einen Streit über Solidarität und Grenzschutz. Die AfD reibt sich die Hände.
Ceuta – Die Vorgänge in der spanischen Exklave Ceuta kommen der AfD wie gerufen. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist die Angst vor dem Fremden ohnehin in ihrer DNS fest eingebrannt; zum zweiten stehen im September gleich drei Wahlen an: die Landtagswahl Sachsen-Anhalt, die Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern und die Wahl zum Abgeordnetenhaus Berlin. Dass die AfD versucht, aus den Bildern von Ceuta politisches Kapital zu schlagen, darf also nicht verwundern.

Ceuta sei „verwüstet“ worden, schrieb Parteichefin Alice Weidel im Onlinedienst X und forderte sogleich eine möglichst harte Abschottung. Schnellstmöglich müsse dafür gesorgt werden, dass jene, die illegal in Ceuta „eingefallen“ seien, direkt abgeschoben würden, so Weidel. Und Berlins AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker meldete sich auf Facebook zu Wort: Wenn Spanien illegalen Migranten signalisiere, sie könnten jetzt in Europa bleiben und dort alle Rechte bekommen, „dann ist doch klar, dass das nach draußen funkt“ – noch mehr würden kommen, und Deutschland sei ihr „Zielland Nummer eins“.
AfD nutzt die Ceuta-Bilder – Weidel spricht von „Chaos“
Politisch muss die AfD allerdings gar nicht so viel investieren: Beim Treffen des AfD-Bundesvorstands am 3. August war Ceuta dem Spiegel zufolge gar nicht erst Thema. Parteichefin Alice Weidel reichte es, Videos von vor Ort – auch Aufnahmen des rechten Kampagnen-Portals Nius – in sozialen Netzwerken zu teilen. „Vor Ort herrscht das Chaos“, schrieb sie dazu. Bereits zuvor hatte sie von „teils gewaltbereiten und ungebildeten Migranten“ gesprochen, die nun im deutschen Sozialsystem landen würden – ohne zu erwähnen, dass Menschen nicht einfach von Ceuta in die EU weiterreisen können.
Die Ereignisse von Ceuta dürften aber auf jeden Fall Ulrich Siegmund noch einmal darin bestärken, seine Pläne für Sachsen-Anhalt weiter hinauszuposaunen. Der AfD-Spitzenkandidat hatte unlängst für den Fall einer Alleinregierung ein recht eindeutiges Programm angekündigt: „Abschieben ab Minute 1!“ Dass die AfD dabei auf große rechtliche Hürden stoßen würde, ist Siegmund im Wahlkampf wahrscheinlich egal.
EU und Deutschland streiten über Ceuta – und die AfD lehnt sich zurück
Die Ereignisse in Ceuta haben die EU tief gespalten. In einem offenen Brief kritisierten 22 Staats- und Regierungschefs den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez scharf dafür, dass er die Situation überhaupt habe entstehen lassen. Sánchez wiederum warf den EU-Partnern vor, ihre Haltung sei von „Vorurteilen, Falschinformationen, Unwissenheit oder politischen Interessen“ geprägt.
Initiiert hatte den Brief gegen Sánchez die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Auch Friedrich Merz hat ihn unterschrieben. Das sorgt in Deutschland für viel Kritik. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Marcel Emmerich, nannte die Reaktion der Bundesregierung gegenüber der taz „weder souverän noch europäisch“ und erklärte: „Es ist beschämend, wie wenig die vielen Todesopfer, darunter Kinder, für die Bundesregierung eine Rolle spielen.“ Die Linken-Politikerin Clara Bünger sagte der taz, Merz stelle sich mit seiner Haltung an die Seite von Meloni und den Ultrarechten und liefere damit „Rückenwind“ für alle, die am „autoritären Umbau“ Europas arbeiteten.
Auch in der mitregierenden SPD wächst der Unmut über den Kurs der Bundesregierung. Vizekanzler Lars Klingbeil hatte sich bereits am Samstag hinter Sánchez gestellt: „Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinanderdividieren lassen.“ SPD-Bundestagsabgeordneter Serdar Yüksel forderte in der FR, Europa müsse „seiner humanitären Verantwortung gegenüber Menschen gerecht werden, die vor Krieg, Verfolgung und existenzieller Not fliehen“.
Ereignisse von Ceuta könnten AfD bei Landtagswahlen in die Karten spielen
Über den akuten Streit hinaus werfen die Bilder aus Ceuta grundsätzliche Fragen zur europäischen Grenzpolitik auf. Erinnert sei an den 2017 verstorbenen Soziologen Zygmunt Bauman, der in einem früheren FR-Interview erklärte, Migration sei „kein vorübergehendes Problem, sondern eine dauerhafte Strukturbedingung der globalisierten Welt“, für die es – anders als Populisten suggerierten – keine schnellen Lösungen gebe: „Im Gegensatz zu den Demagogen aller Richtungen gibt es keine kurzfristigen, keine schnellen Lösungen“.
Und dass eine harte Migrationspolitik rechter Parteien nicht automatisch schwächt, zeigt das Beispiel Deutschlands selbst: Einst meinte Merz, auf diese Art die AfD „halbieren“ zu können; tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Ereignisse von Ceuta könnten der AfD vor den anstehenden Wahlen also weiter in die Karten spielen. (Quellen: Spiegel, taz, FR) (cs)