Ceuta: Schlafen am Strand, Warten auf Schutz

Am Strand Trampolín in Ceuta schlafen Jugendliche unter freiem Himmel, auf nacktem Boden. Einige haben sich aus Pappkartons und angeschwemmten Material eine Art Sonnenschutz gebaut. Ihre Kleidung waschen sie in der Brandung. Inzwischen sind zumindest einige Toiletten und Duschen notdürftig installiert worden.

Nicht nur am Strand spielen sich erschütternde Szenen ab, sondern überall in der Stadt. »Egal, wo wir Essen verteilen, überall sind Hunderte«, sagte Halima Ahmed von der NGO Luna Blanca, die einmal täglich eine warme Mahlzeit ausgibt, im spanischen Fernsehen.

Eine Woche ist vergangen, seit über 70.000 Menschen von Marokko aus die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta überquert haben. Sie hofften vergeblich, von dort aus weiter aufs europäische Festland zu gelangen. Die meisten von ihnen kehrten rasch in ihre Heimat zurück, mindestens 100 aber verloren ihr Leben.

Zwischen 3.000 und 6.000 Migranten sollen sich laut den Behörden noch immer in Ceuta aufhalten, darunter mindestens 1.200 Kinder und Jugendliche.

Was geschieht jetzt mit ihnen?

Die Plätze waren bereits überbelegt

Unbegleitete Minderjährige stehen laut der UN-Kinderrechtskonvention unter besonderem Schutz. Sie dürfen nur dann in ihre Herkunftsländer zurückgewiesen werden, wenn sie dort nachweislich angemessen betreut werden können, von ihrer Herkunftsfamilie oder einer Einrichtung. Andernfalls obliegt es Spanien, sich bis zur Volljährigkeit um sie zu kümmern.

Im gesamten Land gibt es derzeit 17.078 Betreuungsplätze für unbegleitete Minderjährige, in öffentlichen und privaten Einrichtungen und, zu einem kleineren Teil, auch in Gastfamilien. Die meisten Plätze stellen die bevölkerungsreichen Regionen Andalusien und Katalonien bereit. Das Schlusslicht bildet die autonome Stadt Ceuta: Die 29 verfügbaren Plätze des Aufnahmezentrums waren bereits mehrfach überbelegt, bevor vergangene Woche Zehntausende die spanische Exklave erreichten.

Juan Jesús Vivas, der Regionalpräsident von Ceuta, hat angesichts der »unhaltbaren« Lage um schnelle Hilfe der Zentralregierung gebeten. Diese hat 25 Millionen Euro zusätzlich für die Betreuung der minderjährigen Migranten in Ceuta bereitgestellt. Zwei Schulen sollen vorübergehend als Unterkünfte dienen.

Doch dauerhaft in Ceuta bleiben werden die unbegleiteten Minderjährigen nicht. Liegt die Belegung eines Aufnahmezentrums dreimal über dessen eigentlicher Kapazität, gilt das als Notlage – und die Jugendlichen müssen innerhalb von 15 Tagen in Regionen verlegt werden, in denen noch Platz für sie ist. So sieht es das kürzlich reformierte spanische Ausländerrecht vor. Ceuta liegt ein Vielfaches darüber.