Chef von Traditionsunternehmen Straub-Verpackungen: „Wir sollten mit dem ständigen Lamentieren aufhören“

Stand: 16.09.2026, 08:30 Uhr

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Steffen Würth leitet seit über 30 Jahren das Traditionsunternehmen Straub-Verpackungen. Die Herausforderungen der Branche sind ihm nicht fremd, schwarzmalen will er aber nicht.

Bräunlingen – Die massiven Herausforderungen der Papier- und Verpackungsbranche haben sich in den vergangenen Wochen sehr deutlich gezeigt. Zuletzt musste mit der Tullau Pappen GmbH ein weiteres traditionsreiches Unternehmen Insolvenz anmelden. Auch das 1823 gegründete Familienunternehmen Straub-Verpackungen GmbH mit Sitz in Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis, Baden-Württemberg) kann sich dem Trend nicht entziehen, trotzt ihm in gewisser Weise aber dennoch. „Dem Unternehmen geht es gesamt gesehen, glaube ich, noch gut“, erklärt Steffen Würth, der das Unternehmen seit 31 Jahren leitet, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.

Steffen Würth, Geschäftsführer der Straub-Verpackungen GmbH.

Steffen Würth führt das Traditionsunternehmen Straub-Verpackungen in Bräunlingen seit über 30 Jahren. © Straub-Verpackungen GmbH

Die traditionsreiche Unternehmensgruppe Straub-Verpackungen ist auf die Herstellung von Packmitteln aus Wellpappe spezialisiert. „Man stelle sich Weihnachten oder die Logistikbranche ohne Wellpappe vor“, nennt Würth als Beispiel für die Wichtigkeit der Branche. „Wir haben also eine große Bedeutung – trotzdem ist die Branche notleidend.“ Das geht auch an dem Unternehmen nicht vorbei, das laut dem Geschäftsführer aktuell die schlechtesten Zahlen seit rund 30 Jahren schreibt. Würth, der seit elf Jahren auch Vorsitzender des deutschen Wellpappenverbands ist, beschäftigt ein anderer Aspekt aber mehr.

Straub-Chef Steffen Würth: „Wir sollten mit dem ständigen Lamentieren aufhören, dass alles schlecht sei“

Im Gespräch mit unserer Redaktion führt Würth aus, dass die Wellpappen-Verpackungsbranche früher mehr Anziehungs- als Fliehkräfte gehabt habe. Unternehmen seien eher zusammengekommen, statt auseinanderzufallen. „Früher wurden Familienunternehmen, wenn Familien aufgaben, meist von größeren Konzernen übernommen und bestanden weiter“, erklärt er. Ein Beispiel ist, wenn auch aus einer anderen Branche, die Übernahme des Ventilatoren-Weltmarktführers EBM Papst durch den US-Konzern Madison Air. Heute würden Kapazitäten durch Insolvenzen aber teilweise oder sogar ganz vom Markt verschwinden, so Würth weiter.

NameStraub-Verpackungen GmbH
Gründung1823
SitzBräunlingen, Baden-Württemberg
LeitungSteffen Würth, Volker Würth
BrancheVerpackungsindustrie
Mitarbeiter650 (2025)
Umsatz147 Millionen Euro (2024)

Darauf angesprochen, was sich ändern müsse, damit die Branche wieder positiv in die Zukunft blicken könne, erklärt Würth: „Ein Stimmungswandel – und der beginnt bei uns. Wir sollten mit dem ständigen Lamentieren aufhören, dass alles schlecht ist.“ Aktuell sei es nicht gut und Deutschland hänge hinterher. „Man hat einiges versäumt, aber ich bin nicht so pessimistisch, dass es nie wieder besser wird“, führt der Straub-Chef aus. „Wir müssen bei uns anfangen, aber die Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern: deutlich geringere Lohnnebenkosten und spürbare Entlastungen.“

Wir müssen bei uns anfangen, aber die Politik muss die Rahmenbedingungen verbessern.

Straub-Verpackungen: Größte Einzelinvestition der Firmengeschichte am Stammsitz

Dass Straub-Verpackungen für Deutschland als Standort nicht schwarz sieht, zeigt sich auch in der größten Einzelinvestition in der über 200-jährigen Firmengeschichte. Am Stammsitz in Bräunlingen entsteht für rund 50 Millionen Euro eine hochmoderne Produktions- und Lagerhalle. „Wir sind zwar in Baden-Württemberg, aber nicht wie Stuttgart 21 oder der BER in Berlin“, sagt Würth zum Fortschritt des Projektes. „Für ein so großes, komplexes Bauprojekt liegen wir gut im Zeitplan.“ Die Entscheidung für den Bau wurde während der Corona-Pandemie getroffen. Er soll als Plattform für die nächste Familiengeneration dienen.

Die achte Familiengeneration steht bei Straub-Verpackungen bereits in den Startlöchern oder ist schon im Unternehmen tätig. „Was die Zukunft angeht, ist eigentlich nie etwas klar. Aber wir versuchen, das so lange es geht zu bewahren“, betont Würth. Damit trotzt Straub auch einem Trend, der laut der Stiftung Familienunternehmen und Politik bislang nicht alarmierend ist, aber beständig zunimmt: dem Verkauf von Unternehmen wegen mangelnder Nachfolge. „Wir gehen davon aus, dass wir das auf absehbare Zeit selbstständig stemmen können.“ (Quellen: Gespräch mit Steffen Würth, eigene Recherche)