China hält Deutschlands Industrie am Rohstoff-Hahn – jetzt wächst die Angst

Stand: 07.08.2026, 13:24 Uhr

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China kontrolliert die wichtigsten Rohstoffe der Welt. Jetzt fürchten sechs von zehn Unternehmen Produktionsstopps – und zahlen lieber mehr als auszufallen.

Seltene Erden, Gallium, Lithium: Diese Rohstoffe stecken in Chips, E-Autos und Windrädern – und größtenteils in chinesischer Hand. Genau das wird jetzt zum Risiko.

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Eine aktuelle Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter rund 900 Unternehmen zeigt: Sechs von zehn Firmen, die kritische Rohstoffe direkt oder indirekt beziehen, rechnen mit Produktionsstopps oder Verzögerungen, sollte Peking seine Exportbeschränkungen verschärfen. 

Seltene Erden in China

Deutschland ist bei seltenen Erden abhängig von China. (Archivbild) © Uncredited/CHINATOPIX/AP/dpa

Das eigentliche Risiko ist nicht der Preis – sondern der Stillstand

Die Zahlen aus der IW-Umfrage lesen sich wie eine Warnliste: 88 Prozent der betroffenen Unternehmen rechnen mit steigenden Beschaffungskosten, 71 Prozent mit Lieferengpässen, vier von zehn fürchten sogar den Verlust von Kunden. Am stärksten trifft es die Metall- und Elektroindustrie sowie den Fahrzeugbau. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt bezieht knapp jedes fünfte Unternehmen kritische Rohstoffe – in der Metall- und Elektrobranche ist es sogar mehr als jedes vierte.

Das eigentliche Problem liegt aber nicht in den Kosten, sondern im Tempo: Genehmigungen für neue Förder- oder Recyclingprojekte in Europa dauern Jahre. China dagegen kann seine Exportregeln innerhalb weniger Wochen ändern.

Firmen sind zahlungsbereit – die Politik hinkt hinterher

Der eigentliche Payoff der Umfrage: Unternehmen wollen raus aus der Abhängigkeit, und sie sind bereit, dafür zu zahlen. 41 Prozent würden Rohstoffe aus sicheren Quellen außerhalb Chinas selbst bei spürbaren Mehrkosten beziehen, weitere 42 Prozent zumindest bei geringfügigen Aufschlägen. Macht zusammen 83 Prozent, die für Versorgungssicherheit tiefer in die Tasche greifen würden.

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Frühere IW-Befragungen zeigen zudem: Neun von zehn Industrieunternehmen betreiben bereits Risikomanagement – vor allem über Materialeffizienz, langfristige Lieferverträge und breiter gestreute Lieferantennetzwerke.

„China nutzt seine Rohstoffmacht strategisch. Vor allem die Metall-, Elektro- und Autoindustrie ist verwundbar: Lieferausfälle können schnell in Produktionsprobleme umschlagen oder die Existenz ganzer Betriebe gefährden", sagt IW-Ökonomin Adriana Neligan. Die EU versucht mit dem Critical Raw Materials Act gegenzusteuern – eigene Förderung, Verarbeitung und Recycling kritischer Rohstoffe sollen gestärkt werden. Bislang bleibt das Tempo aber weit hinter der Dringlichkeit zurück.