Chinas E-Autos drängen in die Golfstaaten

Ein Mann hantiert an einem Elektroauto

Wandel in den Öl-Staaten (Symbolbild): Chinesische Hersteller wie BYD und Geely drängen mit wettbewerbsfähigen Preisen und moderner Ladetechnik auf den wachsenden Markt am Golf.

(Bild: Roman Fenton/Shutterstock.com)

BYD, Geely, Li Auto und weitere Hersteller bauen ihre Präsenz im Golf-Kooperationsrat aus. Der Markt ist noch klein, das Potenzial laut Beobachtern groß.

Chinesische Autohersteller gewinnen in den sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC) zunehmend an Boden. Wie die Asia Times berichtet, zählen dazu BYD, Geely, Chery, Changan, MG und Li Auto. Die Region, die lange von japanischen, amerikanischen, südkoreanischen und europäischen Marken geprägt war, öffnet sich damit einem Wettbewerber, der im Westen weitgehend ausgebremst wird.

Zu beachten ist: Nicht jedes verkaufte Modell fährt rein elektrisch. Das Angebot umfasst Batterie-Elektrofahrzeuge, Plug-in-Hybride sowie Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer, bei denen ein Benzingenerator an Bord Strom erzeugt. Der wachsende Anteil chinesischer Marken am gesamten Automarkt der Golfregion ist daher nicht mit einem Anteil am reinen E-Auto-Markt gleichzusetzen.

Kleiner Markt, wachsendes Potenzial

Der Elektromarkt am Golf ist im Vergleich zu China, Europa und den USA noch klein. Im Global Electric Mobility Readiness Index 2026 des Beratungsunternehmens Arthur D. Little belegen die Vereinigten Arabischen Emirate Rang 22 von 31 Ländern, den höchsten Platz in der Region. Elektrofahrzeuge, einschließlich Plug-in-Hybriden, machten dort 2025 rund 9 Prozent der Neuzulassungen aus. Das Land verfügt über etwa 2.800 Ladepunkte, darunter rund 1.250 Gleichstrom-Lader. In abgelegenen, dünn besiedelten Gebieten ist das Angebot deutlich geringer.

Branchenschätzungen zufolge entfielen 2025 etwa 42 Prozent des E-Auto-Marktes im GCC auf die Emirate. Saudi-Arabien könnte demnach zu den am schnellsten wachsenden Märkten zählen. Die Asia Times weist darauf hin, dass diese Zahlen mit Vorsicht zu betrachten seien, da mehrere GCC-Staaten keine umfassenden, unabhängigen Verkaufsdaten erheben.

Preis, Technik und lokale Partner

Die chinesischen Hersteller setzen auf günstige Preise, moderne Technik und Kooperationen mit etablierten Händlern vor Ort. BYDs saudischer Vertriebspartner Al-Futtaim kündigte im September 2026 neue Showrooms in Riad und Al-Qassim an, womit das Netz im Königreich auf zehn Standorte wächst. Die Strategie setzt laut Bericht ebenso auf Kundendienst und Ersatzteile wie auf den Verkauf. Der Fokus auf Hybride trägt dem Umstand Rechnung, dass Fahrer lange Strecken zurücklegen und Ladestationen im Landesinneren selten sind.

Li Auto schloss im April 2026 Vertriebsvereinbarungen mit Al Fahim Motors in den Emiraten und Mohamed Yousuf Naghi Motors in Saudi-Arabien. Geely setzt auf Verbrenner, Elektromodelle und Premiummarken, Chery und Changan konkurrieren über den Preis. Die staatlich unterstützte saudische Ladeinfrastrukturgesellschaft EVIQ arbeitet mit BYDs lokalem Händler beim Ausbau von Schnellladeangeboten zusammen.

Geely stellte im September 2026 ein Ultraschnellladesystem vor, das einen kompatiblen Akku unter bestimmten Bedingungen in etwa 4,5 Minuten von 10 auf 70 Prozent laden soll. Ultraschnelles Laden erfordere kompatible Fahrzeuge, Spezialakkus, große Strommengen und ein aufwendiges Wärmemanagement, das durch die extreme Hitze der Region zusätzlich erschwert wird.

Saudi-Arabien will mehr als Importe

Saudi-Arabien verfolgt mit der "Vision 2030" das Ziel, seine Wirtschaft zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Öleinnahmen zu verringern. Das Königreich fördert eigene Fahrzeugfertigung sowie Investitionen in Batterien, Ladenetze und Lieferketten.

Chinesische Hersteller finden dort also Chancen und Konkurrenz zugleich: Die Regierung erwartet von ausländischen Firmen Beiträge zu Beschäftigung, Technologietransfer und Industrieentwicklung. Lange Distanzen, Sommerhitze und die Vorliebe für große Fahrzeuge stellen Akkus, Kühlung und Wartung auf die Probe.

Etablierte Marken, Risiken und offene Fragen

Chinas wachsendes Angebot bedroht etablierte Anbieter wie Toyota, Hyundai, Kia, Tesla, BMW und Mercedes-Benz. Käufer am Golf legten jedoch Wert auf Zuverlässigkeit, Wiederverkaufswert, Wartungskosten, Garantien und Ersatzteilversorgung. Japanische Hersteller hätten sich über Jahrzehnte Vertrauen erarbeitet. Parallelimporte außerhalb autorisierter Kanäle können zudem Probleme bei Software-Updates, Garantiefällen und regionalen Spezifikationen verursachen.

Eine starke Abhängigkeit von importierten Batterien, proprietärer Software und ausländischen Lieferketten könne neue Verwundbarkeiten schaffen, heißt es weiter. Handelsbeschränkungen und Störungen im Schiffsverkehr könnten Kosten erhöhen und Lieferungen verzögern. Die Golfstaaten müssten zwischen dem bloßen Import günstiger Fahrzeuge und tieferen Industriepartnerschaften abwägen. Auch die Klimabilanz hängt laut Bericht von der Stromerzeugung ab: Wo diese überwiegend fossil erfolgt, fällt der Emissionsvorteil geringer aus.