Christian Dietzel (SPD) schneidet Autowracks auf – und kandidiert als Bürgermeister
Stand: 03.09.2026, 07:00 Uhr
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Der Limeshainer ist Erster Stellvertretender Gemeindebrandinspektor und übt regelmäßig mit seiner Mannschaft. Seit 2017 ist er bei der Feuerwehr aktiv – parallel spielt er seit 37 Jahren Saxophon.
Limeshain – Mittwochabend, kurz nach 19.30 Uhr, im Feuerwehrhaus in Limeshain. Eigentlich ist Übungsabend. Doch zunächst geht es um den schweren Unfall am Himbacher Kreuz, bei dem ein Mensch ums Leben kam. Die Kameraden lassen den Einsatz noch einmal Revue passieren, sprechen über das Erlebte und darüber, ob jemand Unterstützung braucht.
Wenig später teilt sich die Mannschaft. Eine Gruppe verschwindet in den Hallen des Feuerwehrhauses, die andere geht hinter das Gebäude. Dort warten ausrangierte Autos.
Was nun folgt, ist laut.
Regelmäßiges Üben ist entscheidend
Ein Aggregat läuft, Gerätschaften liegen bereit. Die Feuerwehrleute sichern eines der Wracks, schlagen eine Scheibe ein, schneiden sie auf. Säulen werden weggedrückt, später wird ein Dach abgehoben. Alles wird mehrfach geübt. Nicht einer macht vor und die anderen schauen zu – jeder muss selbst Hand anlegen.
„Damit die Kameraden auch wissen, wie sie ihr Werkzeug im Ernstfall richtig nutzen“, sagt Bürgermeisterkandidat Christian Dietzel. Regelmäßiges Üben sei entscheidend.
Es wird inzwischen dunkel hinter dem Feuerwehrhaus. Die Gruppe arbeitet konzentriert, beinahe routiniert. Dietzel beobachtet, erklärt, fragt nach. Immer wieder nimmt er jemanden kurz beiseite.
„So ist er“, sagt Sylvia Haggenmüller, seine Lebensgefährtin, die an diesem Abend ebenfalls dabei ist. „Er beobachtet erst einmal, wie die anderen an die Sache herangehen und wenn er sieht, dass man etwas besser machen kann, korrigiert er.“
Haggenmüller selbst ist keine Feuerwehrfrau. Bei Festen ist sie trotzdem dabei, wenn mal Hilfe gebraucht wird. Seit rund 13 Jahren gehört die Feuerwehr auch ein Stück weit zu ihrem Leben. Kennengelernt haben sich die beiden – natürlich – auf einem Feuerwehrball.
Eine Geschichte, über die Haggenmüller immer noch lachen muss. Dietzel grinst.
Vieles an diesem Abend passt zu dem Bild, das Haggenmüller von ihm zeichnet. Christian Dietzel sei ein ruhiger Vertreter, sagt sie. Zuverlässig, hilfsbereit und einer, der nur schwer Nein sagen könne.
„Es wird immer alles irgendwie möglich gemacht.“
Dass seine Ruhe nicht bedeutet, dass er in schwierigen Situationen zögert, hat sie selbst erlebt. Einmal waren die beiden zu einer Fahrradtour unterwegs. Auf der Autobahn kam es zu einem Unfall. Er habe sofort angefangen zu koordinieren, erzählt Haggenmüller. „Da dachte ich mir: Na nu, den Ton kenne ich von ihm ja gar nicht.“
Bevor Dietzel Feuerwehrmann in Limeshain wurde, war die Bundeswehr ein wichtiger Teil seines Lebens. Er durchlief dort eine Offiziersausbildung. Führung, Verantwortung und das Handeln in Ausnahmesituationen kennt er also nicht erst aus dem Feuerwehrdienst.
Zur Feuerwehr kam er bereits früher. Sein Vater war Feuerwehrmann, und auch Dietzel selbst machte bei der Bundeswehr Feuerwehrerfahrungen. 2011 nahm ihn ein Freund aus Ranstadt, der Berufsfeuerwehrmann am Frankfurter Flughafen ist, einmal mit. „Komm doch mal mit.“ So begann die Geschichte erneut.
Seit 2017 ist Dietzel bei der Feuerwehr in Limeshain aktiv. Heute ist er Erster Stellvertretender Gemeindebrandinspektor, außerdem Kreisausbilder für den Wetteraukreis und Zugführer im Katastrophenschutz.
Was ihn trotz der vielen späten Abende, Einsätze und des Zeitaufwands immer wieder dorthin zieht? Die Antwort kommt ohne langes Nachdenken. „Es ist die Gemeinschaft.“ Dann schiebt er noch einen Satz hinterher: „Ich kann mich auf die Leute verlassen.“
Erfahrung in vielerlei Bereichen
Vielleicht erklärt das auch, warum sich in Dietzels Alltag verschiedene Bereiche verbinden: die Führungserfahrung aus seiner Zeit bei der Bundeswehr, die Verantwortung bei der Feuerwehr und sein Engagement in seiner Freizeit. Vieles davon bringt er heute auch in seine Kandidatur für das Bürgermeisteramt ein.
Und die Feuerwehr ist längst nicht das Einzige in seinem Alltag. Seit 37 Jahren spielt er Saxophon. In seiner Freizeit fährt er Fahrrad oder ist in Portugal. Einfach raus, wie Haggenmüller sagt.
Wie er das alles unter einen Hut bekommt? Sie lacht. „Das Pensum ist unheimlich hoch. Aber Christian, der braucht das. Für den ist das keine Arbeit.“
Hinter dem Feuerwehrhaus ist es inzwischen fast vollständig dunkel. Die Übung geht weiter. Metall wird geschnitten, Glas zerbricht, Anweisungen werden gerufen. Dietzel steht mittendrin, beobachtet, erklärt, korrigiert. Aber auch ein Lächeln ist immer wieder zu sehen.
Am Ende ist vom Auto nicht mehr viel übrig. Von der Konzentration der Mannschaft allerdings auch nicht: Sie hat ihren Zweck erfüllt. Und Dietzel? Der wirkt, als wäre er in seinem Element: Verantwortung übernehmen und das möglichst ruhig und gemeinsam.