Christian Stocker: Kanzler gerät wegen Aussage zu Care-Arbeit unter Druck
Wäsche waschen, Kinder betreuen, Haushalt machen – das ist Arbeit, auch wenn dafür am Ende des Jahres keine Lohnsteuerbescheinigung ins Postfach flattert. Christian Stocker (ÖVP) wollte davon bei einer Veranstaltung nichts wissen. »Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit«, sagte der 66-jährige Politiker am Donnerstag in Salzburg – und erntete prompt Protestrufe. Zunächst berichteten österreichische Medien wie der ORF und die Zeitung »Der Standard« .
Eine Besucherin fragte Stocker zur Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Arbeit, die besonders Mütter oft vor große Herausforderungen und Belastungen stelle. Die Frau im Publikum betonte dem ORF zufolge, Frauen arbeiteten »ohne Sonntagszuschlag, ohne Wochenende, ohne bezahlten Urlaub«.
»Familie ist Verantwortung füreinander, Familie ist Ja zueinander zu sagen, und Familie ist, etwas zu tun, ohne etwas dafür zu bekommen«, zitiert der ORF den Kanzler. Keine Arbeit also – Care(-Arbeit) als selbstverständlicher Dienst der Liebe. »Ich habe meine Kinder nicht als Rechenbeispiel erzogen«, so Stocker weiter. Er hat zwei erwachsene Kinder und ist mit einer Psychologin verheiratet.
Später versuchte Stocker laut »Standard«, seine Aussage zu relativieren: Frauen würden Großartiges leisten, er sei aber gegen eine »Materialisierung von Kindern«.
Auf Social Media häuft sich die Kritik. Österreichs Vizekanzler Andreas Babler bekräftigte, Kinderbetreuung sei Arbeit. »Das dürfen wir weder kleinreden noch unsichtbar machen«, schrieb er weiter.
Die kam dann auch: Stocker teilte heute mit, er wolle sich bei allen, »die sich durch meine Aussage verletzt, beleidigt oder nicht wertgeschätzt fühlen«, entschuldigen. Sein Satz habe zu Recht für Diskussionen gesorgt, denn er sei falsch. Er wisse, dass die Familie Arbeit sei – seine Frau und er hätten gemeinsam die Kinder großgezogen. Stocker sagte weiter: »Ich weiß, wie sehr sich diese Arbeit lohnt. Familie ist nun mal kein Business Case. Nicht mehr und nicht weniger habe ich gesagt und gemeint.«