Claude Opus 5: Fast Fable-5-Leistung für den halben Token-Preis
Das US-Unternehmen aus Kalifornien hat Opus 5 am 24. Juli 2026 auf allen eigenen Plattformen freigeschaltet, von claude.ai über Claude Code bis Claude Cowork, dazu auf Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry. Wer bereits für ein Abonnement bei Anthropic zahlt, muss für Opus 5 nichts umstellen:
Auf Claude Max läuft Opus 5 als neues Standardmodell, auf Claude Pro als stärkste wählbare Option. Die Rechenleistung dafür bezieht Anthropic derweil aus mindestens fünf Quellen, 2027 kommen bis zu 2 Gigawatt per AMD Instinct MI450 Series hinzu, deren Spitzenmodell Instinct MI455X mit CDNA 5 und 432 GiB HBM4 antritt.
Claude Opus 5 zieht bei Coding-Benchmarks an Fable 5 vorbei
Auf Frontier-Bench v0.1 erreicht Claude Opus 5 beim agentischen Terminal-Coding 43,3 Prozent und verweist damit Fable 5 (33,7 Prozent), GPT-5.6 Sol (34,4 Prozent) sowie den Vorgänger Opus 4.8 (21,1 Prozent) auf die Plätze.
Auf dem Wissensarbeit-Benchmark GDPval-AA v2 führt Opus 5 mit einem Elo-Wert von 1861 vor Fable 5 (1747) und GPT-5.6 Sol (1736). Noch deutlicher fällt der Sprung bei ARC-AGI 3 aus, einem Benchmark für neuartiges Problemlösen ohne im Vorfeld auswendig gelernte Muster:
Der Wert steigt von 1,5 Prozent bei Opus 4.8 auf 30,2 Prozent, während GPT-5.6 Sol bei 7,8 Prozent verharrt. Ein Ergebnis für Fable 5 liegt in dieser Disziplin nicht vor. Ob sich dieser Abstand in der Praxis ähnlich deutlich zeigt oder nur ein Artefakt des spezifischen Testaufbaus bleibt, muss sich aber erst noch erweisen.
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Anthropic legt die Methodik offen: Die Frontier-Bench-Werte stammen aus einem internen Durchlauf auf dem mini-SWE-agent-Harness mit GKE-Backend, gemittelt über fünf Versuche je Aufgabe. Bei Ablehnungen durch die Sicherheitsklassifizierer sprang Opus 4.8 als Fallback ein, für Opus 5 wie für Fable 5. Die Spitzenwerte sind damit keine reinen Einzelmodell-Ergebnisse.
Nicht überall liegt Opus 5 vorn. Beim agentischen Coding auf DeepSWE v1.1 führt GPT-5.6 Sol mit 72,7 Prozent vor Fable 5 (69,7 Prozent) und Opus 5 (68,8 Prozent). Bei Gesundheits- und Rechtsaufgaben behalten Fable 5 beziehungsweise Mythos 5 die Nase vorn. Im Linux-Betriebssystemkernel läuft eine maschinelle Patch-Prüfung momentan aber primär über Gemini, Claude wird dort testweise mitgeführt.
Tests: Platz 1 im Intelligence Index, aber mehr Halluzinationen
Artificial Analysis führt Claude Opus 5 mit 61 Punkten als derzeit intelligentestes KI-Modell, knapp vor Fable 5 (60), GPT-5.6 Sol (59), Kimi K3 (57) und Opus 4.8 (56). Im Coding Agent Index teilt sich Opus 5 zusammen mit Claude Code den ersten Platz mit GPT-5.6 Sol und Codex, jeweils 67 Punkte. Bei Terminal-Bench v2.1 stehen hingegen 89 Prozent zu Buche.
Der Haken steckt beim Faktenwissen. Auf AA-Omniscience verbessert sich Opus 5 zwar um sieben Punkte gegenüber Opus 4.8, bleibt aber hinter Fable 5. Weil das Modell häufiger antwortet, statt Unsicherheit einzuräumen, klettert die Halluzinationsrate um 14 Punkte auf 50 Prozent.
Quelle: Anthropic
Claude Opus 5 in Benchmarks im Vergleich
Wer Claude Opus 5 für Recherche einsetzt, kommt um eine Gegenprüfung nicht herum. Dem sollten sich Anwender bewusst sein, auch wenn das selbstverständlich auch für sämtliche anderen Sprachmodelle gilt.
Epoch AI zeichnet ein ähnlich knappes Bild: Der Epoch Capability Index liegt bei 159 und damit minimal unter Fable 5 (161). Beschränkt man die Auswertung auf Software-Engineering, zieht Opus 5 mit 161 gleich. GPT-5.6 Sol führt in beiden Kategorien. Ein Alleinstellungsmerkmal hat derzeit kein Anbieter.
Effort-Stufen: Warum “max” nicht die beste Wahl sein muss
Über fünf Effort-Stufen von “low” bis “max” regelt Claude Opus 5 den Aufwand pro Anfrage, wobei ausgerechnet die höchste Stufe in zwei Benchmarks hinter die zweithöchste zurückfällt. Betroffen sind der Frontier-Bench v0.1 sowie der “agentische” AA Coding Agent Index.
FrontierCode-Entwickler Cheng-Yuan Lee hält das Verhalten für erwartbar: Der Benchmark bewertet auch, ob ein Modell sich auf die nötigsten Änderungen beschränkt. Auf höheren Stufen neigt Opus 5 dazu, umliegenden Code gleich mitzusanieren.
Quelle: Anthropic
Claude Opus 5 in Benchmarks im Vergleich
In einem Beispiel änderte das Modell auf der niedrigsten Stufe genau ein Zeichen, auf “xhigh” refaktorisierte es zusätzlich 34 Zeilen. Ungefragte Eingriffe wertet der Benchmark als Fehler.
Anthropic empfiehlt im Prompting Guide, “low” und “medium” großzügig einzusetzen; für Coding und agentische Aufgaben bleibt “xhigh” die Ausgangsstufe.
Zeit kostet die Spitzenleistung ohnehin: Auf “max” braucht Opus 5 laut Artificial Analysis über 36 Minuten pro Aufgabe und im Mittel 103 Durchläufe, rund 50 Prozent mehr als Opus 4.8 mit 24 Minuten und 55 Durchläufen.
Preise: 5 und 25 US-Dollar pro Million Token
Claude Opus 5 kostet 5 US-Dollar pro Million Input-Token und 25 US-Dollar pro Million Output-Token und damit exakt die Hälfte von Fable 5 mit 10 und 50 US-Dollar. Gegenüber Opus 4.8 bleibt der Tarif unverändert, das Kontextfenster von einer Million Token ebenfalls.
Cache-Schreibvorgänge schlagen mit 6,25 US-Dollar je Million Token zu Buche (fünf Minuten Lebensdauer), Cache-Treffer mit 0,50 US-Dollar, die Batch-API halbiert die Grundpreise auf 2,50 und 12,50 US-Dollar. Der optionale Fast Mode arbeitet rund 2,5-mal so schnell und verlangt dafür den doppelten Basispreis.
Die reine Tokenrechnung greift zu kurz, weil Modelle unterschiedlich viele Token verbrauchen. Anthropics Opus 4.7 war pro Aufgabe 30 bis 40 Prozent teurer als Opus 4.6, obwohl beide denselben Grundpreis hatten.
Artificial Analysis beziffert die Kosten pro Aufgabe im Intelligence Index auf durchschnittlich 2,03 US-Dollar, unter Fable 5 mit Fallback (2,75 US-Dollar), aber über Opus 4.8 (1,80 US-Dollar) und Sonnet 5 (1,53 US-Dollar).
Im Büro-Benchmark AA-Briefcase sinken die Kosten je Aufgabe um 20 Prozent auf 17,79 US-Dollar gegenüber 22,30 US-Dollar bei Fable 5; die Stufe “high” kommt dort auf 10,41 US-Dollar und schlägt Fable 5 trotzdem im Elo-Ranking.
Was Claude Opus 5 in Deutschland kostet
Claude Pro liegt hierzulande bei rund 21 Euro pro Monat inklusive Umsatzsteuer, Max 5x und Max 20x bei etwa 90 beziehungsweise 180 Euro. Verantwortliche Stelle für Nutzer in der EU ist die Anthropic Europe Limited mit Sitz in Dublin, Enterprise-Kunden können eine EU-Datenresidenz in Frankfurt am Main buchen.
Für den allgemeinen Zugang gelten bei Opus 5 wie bei früheren Opus-Modellen keine Vorgaben zur Datenaufbewahrung; bei Fable 5 und Mythos 5 ist das anders geregelt.
Sicherheitsfilter greifen 85 Prozent seltener als bei Fable 5
Die Cyber-Klassifizierer von Claude Opus 5 sollen laut Anthropic rund 85 Prozent seltener eingreifen als jene von Fable 5, deren häufige Abbrüche zuletzt für reichlich Kritik gesorgt hatten. Erlaubt bleibt die Suche nach Schwachstellen im Quellcode, blockiert werden binärbasiertes Vulnerability Scanning, Penetration Testing und die Erzeugung von Exploits.
Markierte Anfragen landen in claude.ai, Claude Code und Claude Cowork standardmäßig bei Opus 4.8, über die API lässt sich derselbe Fallback aktivieren. Wer im Rahmen des Cyber Verification Program registriert ist, erhält eine Fassung mit weniger Beschränkungen.
Beim Auffinden von Sicherheitslücken kommt Opus 5 in Anthropics OSS-Fuzz-Auswertung nahe an Mythos 5 heran, beim Entwickeln passender Exploits liegt es deutlich zurück. Auf Cyber-Aufgaben trainiert wurde das Modell bewusst nicht, die Fortschritte ergeben sich aus der allgemein gestiegenen Leistungsfähigkeit.
Im automatisierten Verhaltensaudit erreicht Opus 5 einen Wert von 2,3 bei unerwünschtem Verhalten und damit den niedrigsten der jüngeren Modellgeneration; die Details finden sich in der System Card. Wie belastbar solche Audits sind, hat Anthropic zuletzt selbst an einem Testaufbau mit Google Gemini demonstriert.
Praxis: Das Modell baut sich seine Werkzeuge selbst
Bei einer Frontier-Bench-Aufgabe schrieb Claude Opus 5 eine eigene Computer-Vision-Pipeline, um die Geometrie eines Maschinenteils aus Rohpixeln zu extrahieren, nachdem ihm der direkte Blick auf die Zeichnung verwehrt worden war.
Anschließend rekonstruierte es das vollständige Bauteil als 3D-Modell in FreeCAD, und zwar reproduzierbar. Kein konkurrierendes Modell löste die Aufgabe im selben Aufbau nach fünf Versuchen.
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Zwei weitere Beispiele nennt Anthropic: Bei einem realen Fehler in einem verbreiteten Open-Source-Paketmanager fand Opus 5 die Grundursache und schloss einen Grenzfall, den der Community-Patch übersehen hatte.
Ein Ingenieur einer Handelsfirma baute mit dem Modell in einer einzigen Sitzung einen Market-Data-Feed für eine neue Börse, samt selbst gebautem Test-Harness, weil kein Live-Feed zur Prüfung bereitstand.
Aus dem Kreis der Frühzugangskunden meldet Zapier-Chef Wade Foster einen ersten Platz auf der hauseigenen AutomationBench-Rangliste ohne höheren Token-Verbrauch. Lovable-Mitgründer Fabian Hedin nennt 22 Prozent Zuwachs gegenüber Opus 4.7 bei den schwersten agentischen Coding-Aufgaben und vor allem geringere Streuung zwischen den Durchläufen.
Belastbar sind solche Angaben nur bedingt, denn eine Methodik hat keiner der Partner veröffentlicht. Was mit der Vorgängergeneration in kurzer Zeit möglich war, zeigte im Juni ein an einem Wochenende gebautes Browser-MMORPG mit über 30.000 Spielern.
Zwei Beta-Funktionen für Entwickler
Neben dem Modell hat Anthropic zwei Beta-Funktionen freigegeben: Werkzeugwechsel mitten in der Konversation, ohne den Prompt-Cache zu entwerten, sowie automatische Fallbacks auf der API. Der erste Punkt spart bei langen Agenten-Läufen bares Geld, weil ein verworfener Cache jeden Folge-Request wieder zum vollen Input-Preis abrechnet.
Der zweite verhindert harte Abbrüche, indem markierte Anfragen an ein anderes Modell weitergereicht werden, statt eine Fehlermeldung zu produzieren.
Opus 5 ist Anthropics viertes Modell der 5er-Reihe binnen knapp zwei Monaten, nach Mythos 5, Fable 5 und Sonnet 5. Der Takt verrät, worum inzwischen gerungen wird: um die Kosten pro erledigter Aufgabe, weniger um den Fähigkeitsrekord.
Preisdruck kommt dabei von zwei Seiten, von OpenAIs GPT-5.6 Sol und von chinesischen Modellen wie Kimi K3, das im Intelligence Index bereits auf 57 Punkte kommt. Alle Angaben stammen aus Anthropics Ankündigung sowie den Auswertungen von Artificial Analysis und Epoch AI.
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Quelle: Anthropic