Commerzbank: Was Lars Klingbeil dem UniCredit-Chef Orcel gesagt hat
Die Bundesregierung als Commerzbank-Aktionär stellte sich lange gegen die feindliche Übernahme der Bank. Jetzt ist sie nicht mehr aufzuhalten. Finanzminister Lars Klingbeil traf nun direkt auf UniCredit-Chef Orcel – und machte eine klare Ansage.
14.09.2026, 18.47 Uhr
Die Interessen Deutschland im Blick: Finanzminister Lars Klingbeil
Foto: Moritz Frankenberg / dpa
Die Bundesregierung hat in einem Gespräch mit UniCredit-Chef Andrea Orcel (63) versucht, rote Linien für die feindliche Übernahme der Commerzbank zu ziehen. „Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international“, sagte Finanzminister Lars Klingbeil (48; SPD) am Montag.
Das Vieraugengespräch mit Orcel bezeichnete der SPD-Chef als konstruktiv. „Die weiteren Verhandlungen müssen verantwortungsbewusst geführt werden.“ Die Regierung habe die Interessen der über 40.000 Mitarbeiter der Commerzbank im Blick.
Bund hält noch gut 13 Prozent an der Commerzbank
Die Bundesregierung hatte sich lange gegen ein solches Treffen gestemmt, weil sie das Vorgehen der italienischen Großbank als aggressiv und feindlich empfand. Mittlerweile kontrollieren die Mailänder aber rund 50 Prozent der Commerzbank-Anteile, sodass eine Übernahme nicht mehr aufzuhalten ist. Der Bund hält nach den jüngsten Veränderungen 13,3 Prozent an der Commerzbank.
Das Treffen fand im Bundesfinanzministerium in Berlin statt. Klingbeil hatte sich im Vorfeld mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70), Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (54), Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (43), Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp (56), sowie mit dem Betriebsratsvorsitzenden Sascha Uebel abgestimmt, wie es im Ministerium hieß.
Das Treffen mit Orcel sollte die Position der Bundesregierung darlegen. Klingbeil wolle erreichen, dass Orcel die Interessen der Beschäftigten ausreichend berücksichtige. Außerdem müsse die fusionierte Bank in ihren Strukturen die Bedeutung des deutschen Marktes – dem dann größten in der UniCredit-Gruppe - widerspiegeln. Der Bund wolle zudem weiter zwei Vertreter im Aufsichtsrat haben.
Orcel sagte, er sei dankbar für die Gelegenheit, seine Prioritäten erläutern zu können und erstmals auch Klingbeils zu verstehen. „Wir hatten ein gutes und konstruktives erstes Gespräch, dem rasch weitere folgen werden.“ Nun sei es Aufgabe beider Seiten, wie ein Weg nach vorn gefunden werden könne.
„Wir hatten ein gutes und konstruktives erstes Gespräch, dem rasch weitere folgen werden.“
UniCredit-Chef Andrea Orcel
Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte zudem in Berlin, beide Banken seien mittlerweile in einer neuen Phase. Es werde jetzt konkret über eine Transaktion verhandelt, also ein Zusammengehen. „Das heißt, da geht es jetzt gerade nicht nur um eine feindliche Übernahme, sondern darum, den besten Weg für beide Banken zu finden.“ Sie müssten diese Verhandlungen führen.
Die staatliche Beteiligung an der Commerzbank ist ein Überbleibsel aus der Rettung während der globalen Finanzkrise vor fast 20 Jahren. Insidern zufolge will die Bundesregierung auf ein schriftliches Abkommen beider Banken pochen. Betriebsbedingte Kündigungen will der Bund verhindern. Die Regierung wertet die Bedeutung der Commerzbank für den Finanzstandort Frankfurt als zentral. Die Gewerkschaften fürchten einen Kahlschlag - ähnlich wie einst beim Vorgehen der UniCredit bei der Münchner HypoVereinsbank.
Zukunft des Commerzbank-Anteils des Bundes offen
Was aus der restlichen Beteiligung des Bundes wird, wurde zuletzt nicht richtig beantwortet. Ein Ausstieg kann erfolgen, sobald die Commerzbank „stabilisiert“ ist, wofür jetzt bereits einiges spricht.
Die Bundesregierung war im September 2024 bereits der Auffassung, dass die Commerzbank so stabilisiert sei, dass Schritt für Schritt der Ausstieg vollzogen werden könne. Damals war bei einem ersten Verkauf von Anteilen überraschend die UniCredit eingestiegen und hatte den Übernahmekampf eröffnet. Wie genau sich Orcel die Commerzbank sicherte, hat das manager magazin tief recherchiert .
rei/Reuters, AFP