"Habe Angst, wie es weitergehen wird": Kölner Community nach CSD-Anschlag in Berlin geschockt

Die Stimmung in den Szenelokalen in der Kölner Innenstadt ist gedrückt. Köln als weltoffene Stadt, in der in Relation zur Einwohnerzahl gefühlt mehr queere Menschen leben als in anderen Großstädten in Deutschland, will sich dem Terror von Islamisten nicht beugen. Das bekräftigt auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester.

"Wir müssen Haltung zeigen", sagt Burmester dem WDR. "Damit Hass, Hetze und das Rückabwickeln von erstrittenen Rechten nicht akzeptiert wird und dass wir uns vor alle Menschen stellen, die bedroht sind."

CSD in Köln: "Wir leben das hier"

Niklas Kaiser ist Werksstudent beim WDR und ehrenamtlicher Pressesprecher bei ColognePride, dem Ausrichter des Kölner CSD. Kaiser war am Samstag in Berlin dabei, als der CSD wegen des Terroraktes abgebrochen werden musste. Er sagt, dass von der Haltung der Menschen in Köln eine wichtige Botschaft ausgehen kann.

"Wir sind eine freiheitsliebende Stadt", sagt Kaiser. "Wir sind eine Stadt, in der Zusammenhalt auch bei ganz unterschiedlichen Anlässen zelebriert wird." Das gelte für den CSD, den Karneval und viele andere Anlässe.

"Köln steht wie wenige andere Städte für diese Freiheit, die wir verteidigen wollen. Wir leben das hier." Niklas Kaiser, Pressesprecher ColognePride

Köln als beliebtes Ziel der LGBTQ-Gemeinschaft

Viele Besucher kommen auch deshalb nach Köln, weil queere Lebenskonzepte hier stärker etabliert sind als anderswo. Olivier Bouzar ging der Aufschrei nach dem Attentat in seiner französischen Heimat nicht weit genug.

"Wir haben Jahrzehnte lang für unsere Rechte gekämpft, damit wir uns wie alle anderen lieben oder Sex haben können", sagt Bouzar. "Der Kampf ist noch nicht vorbei."

Gastronomen haben Angst

In Köln gibt es viele Gaststätten und Cafés, die LGBTQ-freundlich sind. Die, die sie betreiben, sind in Sorge. "Ich habe Angst, wie es weitergehen wird", sagt Gastronomin Ingeborg Hoppe-Schneidrzik. Sie hat ein Lokal im Cäcilien-Viertel.

"Da hat man schon Ängste, wenn am Wochenende sehr viele bärtige Männer kommen und ein bisschen albern sind, weil da die Szene ist", sagt Hoppe-Schneidrzik. Und das sei nicht rassistisch gemeint, sagt sie.

Gastronom Rainer Diederichs sagt: "Ich habe Angst vor dem nächsten CSD in Köln - was da noch zur Sicherheit aufgeboten werden muss, damit er stattfindet."

Raum für Trauer und Austausch in Köln

Am Montagabend gibt es einen Austausch für queere Menschen und auch Kölns OB Burmester in einem Café bei der Kölner Aidshilfe. Seit dem Anschlag in Berlin hätten viele aus der Community angerufen, sagt Torben Beimann von der Aidshilfe Köln. "In den Anrufen geht es vor allem darum, mit der Situation nicht alleine sein zu wollen", so Beimann.

"Es geht darum, den Angriff auf unsere Lebensweise zu verurteilen und weiter sichtbar zu sein." Torben Beimann, Aidshilfe Köln

Deswegen biete man beim Treffen am Montagabend Raum für Trauer und Austausch.