Dampf gegen Millionen-Invasion auf Fläche von 17 Fußballfeldern – wie Anwohner helfen können
Stand: 26.10.2026, 06:00 Uhr
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Im Wasserschutzgebiet setzt Gelnhausen auf heißen Wasserdampf statt Chemie. Gegen die Drüsenameise sollen Stadt und Anwohner nun gemeinsam vorgehen.
Gelnhausen/Meerholz – Falls Insekten zu einem Unwohlgefühl führen, sei hier eine kurze Warnung ausgesprochen: Es geht um Ameisen. Um sehr viele Ameisen. Im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz bringt die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) seit Monaten ganze Nachbarschaften zur Verzweiflung. Die aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Insektenart erobert Gärten, krabbelt durch Kellerlichtschächte und macht selbst vor Küchenschränken keinen Halt.
Das Ausmaß der Plage ist gigantisch: Laut Kartierung der Stadt erstreckt sich der Befall im Meerholzer Oberdorf mittlerweile über ein Gebiet von rund 12 Hektar. Das entspricht exakt 120.000 Quadratmetern – oder eben der Fläche von rund 17 Fußballfeldern.
Anders als heimische Ameisen bildet die Große Drüsenameise sogenannte „Superkolonien“ mit Millionen Tieren und Hunderten Königinnen. Die verschiedenen Nester bekämpfen sich nicht, sondern arbeiten zusammen und unterhöhlen Gehwege, Terrassen und Pflastersteine.
Heißer Wasserdampf statt Chemie im Wasserschutzgebiet
Weil sich das betroffene Areal in Meerholz in einem Wasserschutzgebiet befindet, darf die Stadt nicht einfach zur chemischen Keule greifen. Bürgermeister Christian Litzinger (CDU) und sein Team setzen daher auf eine umweltfreundliche, aber wirkungsvolle Methode: Heißwasser- und Dampfsysteme. Mit speziellen Lanzen wird rund 135 Grad heißer Wasserdampf tief in den Boden injiziert, um die unterirdischen Nester und Königinnen direkt an der Wurzel zu treffen. Erfahrungen aus anderen Kommunen in der Region – unter anderem auch aus Offenbach und Rodgau – dienen Gelnhausen hierbei als Orientierung.
Was Anwohner tun können: Hausmittel und Praxistipps
Experten des Instituts für Schädlingskunde und des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) betonen: Die Bekämpfung gelingt nur, wenn Stadt und Anwohner an einem Strang ziehen.
1. Erste Hilfe im Haus (Eindringen verhindern)
- Geruchsbarrieren aufbauen: Ameisen orientieren sich an Duftspuren. Zitrone, Essig, Zimt, Nelkenöl oder Majoran stören die Orientierung der Kundschafter-Ameisen nachhaltig.
- Zugänge versiegeln: Ritzen in Wand- und Fugenbereichen sowie Fensterspalten umgehend mit Silikon oder Acryl verschließen.
- Keine Anreize bieten: Lebensmittel, Tiernahrung und Müll strikt verschlossen halten. Süße Abfälle direkt nach draußen bringen.
2. Praxistipps für den Garten
- Boden abdecken und beschatten: Drüsenameisen lieben sonnige, trockene und unbewachsene Stellen. Dichte Bepflanzung und schattiger Bewuchs drängen die Tiere auf natürliche Weise zurück.
- Kochendes Wasser: Bei einzelnen Ameisennestern im Beet oder auf Gehwegen hilft das Übergießen mit kochendem Wasser. Dies muss jedoch mehrfach wiederholt werden, um tiefer liegende Kammern zu erreichen.
- Pflanzenkauf kontrollieren: Die Tierchen werden häufig über Pflanzenerde eingeschleppt. Beim Kauf in Gärtnereien den Wurzelballen neuer Topfpflanzen genau ansehen
3. Was tun bei starkem Befall mit der Großen Drüsenameise?
Bei der Großen Drüsenameise reichen einfache Hausmittel oft nicht mehr aus, um eine ganze Kolonie zu tilgen.
- Gelköder verwenden: Schädlingsbekämpfer raten bei eingedrungenen Drüsenameisen im Innenbereich zu speziellen Insektizid-Gelködern. Die Arbeiterinnen tragen das Gel in das Nest, wodurch auch die Königinnen geschwächt werden.
- Der Winter als Chance: In der kalten Jahreszeit sind die Tiere inaktiv und können sich nicht regenerieren. Wer Nester im Spätherbst und Winter konsequent mechanisch oder thermisch bekämpft, schwächt die Kolonie fürs nächste Frühjahr nachhaltig.
Der Kampf gegen die Invasoren aus dem Süden wird Gelnhausen noch bis ins nächste Jahr beschäftigen – klar ist schon jetzt: Nur wenn Stadt und Anwohner Hand in Hand arbeiten, bekommt man die Krabbelplage dauerhaft in den Griff.