Darts in Basel: Die Swiss Darts Trophy ist Sportwettbewerb und Party zugleich

Darts ist mehr, als Pfeile auf eine Zielscheibe zu werfen – Darts bedeutet auch Party

Zum dritten Mal findet die Swiss Darts Trophy in Basel statt. Das Turnier lockt Tausende Besucherinnen und Besucher in die St.-Jakobs-Halle. Das Feiern scheint für viele Fans mindestens so wichtig zu sein wie der sportliche Wettbewerb. Ein Besuch.

Isabelle Pfister, Basel11.10.2026, 19.45 Uhr

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Die Swiss Darts Trophy in Basel hat sich schnell etabliert. Die Menschen kommen auch in die St.-Jakobs-Halle, um zu feiern.

Die Swiss Darts Trophy in Basel hat sich schnell etabliert. Die Menschen kommen auch in die St.-Jakobs-Halle, um zu feiern.

Claudio Thoma / KEYSTONE

«Oooooone hundred and eeeeightyyyy», ruft der Speaker ins Mikrofon. Pharaos, Super Marios und Verkehrspylonen springen jauchzend auf und halten Pappkartons hoch, auf denen «180» steht. Nur wenige Sekunden später setzen sich alle wieder auf die Festbänke, von der Bühne her ist das dumpfe Aufprallen der Pfeile auf der Zielscheibe zu hören. Durch die Verstärkung der Mikrofone klingt es wie ein Herzschlag.

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In Basel sind kostümierte Menschen keine Seltenheit. Der grösste Anlass ist die Fasnacht, für die Baslerinnen und Basler «die drey scheenschte Dääg» im Jahr, sie findet im Februar oder März statt und prägt die Stadt seit Jahrhunderten. Seit nun mehr als zehn Jahren strömen über das Auffahrtswochenende Fantasy-Fans aus der ganzen Schweiz in die Messehallen in Basel, die «Fantasy Basel» ist inzwischen das grösste Treffen der Schweizer Pop-Kultur- und Gaming-Szene, 2026 kamen über 100 000 Besucherinnen und Besucher.

Den dritten Event, bei dem in Basel Minions auf Ritter treffen, gibt es erst seit drei Jahren: die Swiss Darts Trophy. Im Innenraum der St.-Jakobs-Halle stehen Festbankgarnituren, das Bier fliesst, einige tragen leuchtende Hüte. «Bei Darts steht auch im Vordergrund, dass die Leute eine gute Zeit haben», sagt Christoph Bürge.

Die Swiss Darts Trophy war seine Idee, Bürges persönliche Kontakte zur St.-Jakobs-Halle der Grund, weshalb das Turnier in Basel stattfindet. «Die Schweiz hat doch keine Darts-Kultur», habe man ihm am Anfang gesagt. Doch die Swiss Darts Trophy hat sich schnell etabliert – im Kalender der European Darts Tour und in Basel.

Rockstars mit Pfeilen

Es ist Sonntagmittag, Punkt 12 Uhr, die Achtelfinals stehen auf dem Programm. Rund 2500 Menschen sind da, ein Grossteil von ihnen verkleidet, auf den Tischen stapeln sich die ersten leeren Bierbecher. Vor der Bühne befindet sich ein rund fünfzig Meter langer Gang, vor jedem Spiel stürmen die Fans an die Absperrung, denn hier haben sie die Chance, die Dartsspieler abzuklatschen oder sogar eine Unterschrift auf ihrem «180»-Pappkarton zu ergattern. Die Dartsspieler sind Rockstars.

Rund 20 000 Darts-Fans kommen zur Swiss Darts Trophy in die St.-Jakobs-Halle in Basel.

Rund 20 000 Darts-Fans kommen zur Swiss Darts Trophy in die St.-Jakobs-Halle in Basel.

Claudio Thoma / Keystone

Als Erstes kommt der Tscheche Karel Sedlacek auf die Bühne, «Evil Charlie» nennt er sich. Rauch schiesst aus mehreren Nebelmaschinen, «The Final Countdown» der Rockgruppe Europe dröhnt aus den Lautsprechern. «Dödödödöö dö dö dö dö dööö dödödödöö», singt das Publikum. Dann folgt ein Musikwechsel, ein harter Beat, und der Moderator kündigt Josh Rock «Rocky» an. Der Engländer lässt sich zum Song «Welcome to the Party» feiern. Ballermann-Vibes. Und ja, was soll man dazu noch sagen? Die Party hat definitiv angefangen.

«Die Darts-Fans trinken viel Bier, ja, aber sie rechnen teilweise während der Spiele mit», sagt der Veranstalter Bürge über das Publikum. Der Modus ist «501 Darts», das Ziel ist also, mit möglichst wenig Würfen von 501 auf 0 zu kommen. Jeder Spieler wirft abwechselnd drei Pfeile hintereinander. Das Match-Format ist «Best of 11 Legs», der Spieler, der sechsmal exakt auf null kommt, gewinnt.

Ein Erlebnis, das ohne Kameras nicht funktionieren würde

Das sportliche Niveau ist hoch an der Swiss Darts Trophy 2026, sieben Spieler der Top 10 der Weltrangliste sind im Teilnehmerfeld. Kein Schweizer hat es in die Achtelfinals geschafft. Bürge hofft, dass sich die Szene in der Schweiz weiter professionalisiere und in den nächsten Jahren auch ein Schweizer in die K.-o.-Phase in Basel komme. «Ein Schweizer, der am Sonntag noch dabei ist, wäre auch gut für den Nachwuchs», sagt er.

«One hundred and eighty» ist für die verkleideten Darts-Fans das Stichwort, sich von der Festbank zu erheben und ihre Plakate hochzuhalten.

«One hundred and eighty» ist für die verkleideten Darts-Fans das Stichwort, sich von der Festbank zu erheben und ihre Plakate hochzuhalten.

Claudio Thoma / Keystone

Wahrscheinlich würde der Schweizer vom Publikum auch tatkräftig unterstützt werden. Wobei dieses auch ohne Schweizer Beteiligung grundsätzlich alles feiert: die 180-Würfe, die Spieler und vor allem sich selber. Da stimmt eine «Wo ist Walter»-Gruppe in rot-weiss gestreiften Pullis «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner an, ein paar Minuten später singt eine Gruppe Schlümpfe «Mon Amour» von Hecht, kurz darauf ruft der Kommentator wieder «one hundred and eeeeightyy» ins Mikrofon.

Darts ist als Sportart in den letzten Jahren enorm gewachsen und im Mainstream angekommen. Die hohen TV-Einschaltquoten während Darts-Turnieren sorgen für erbitterte Kämpfe um die Übertragungsrechte. Das Phänomen Darts lebt auch in der Halle vor Ort von der Kameratechnologie, die Leute auf den Festbänken hätten sonst keine Chance, die Pfeile auf der Zielscheibe zu sehen.

Darts ist ein Erlebnis, das von der Gemeinschaft lebt. Das zeigt auch das letzte Achtelfinalduell am Sonntag. Der Engländer Luke Humphries, die Nummer 2 der Weltrangliste, gewinnt 6:0 gegen den Polen Krzysztof Ratajski und stellt einen neuen Turnierrekord auf. Die Halle explodiert, Bierbecher fliegen durch die Luft. Die Fans singen beim Verlassen der Halle, während rund zwei Dutzend Helferinnen und Helfer damit beginnen, den Boden, die Tische und die Bänke zu putzen. Vor der Halle warten schon die ersten Darts-Fans mit farbigen Irokesen-Perücken. Die Party ist noch nicht vorbei.

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