Premier-League-Vereine stehen nach Verzicht ohne Hauptsponsor da: Bundesliga muss genau hinschauen
Das angebliche Bundesliga-Vorbild Premier League hat ein Problem
Stand: 15.08.2026, 14:11 Uhr
Etwas unbemerkt wurde in England der Verzicht auf Wettanbieter als Trikotsponsoren umgesetzt. Die Folgen sind auch aus Bundesliga-Sicht interessant.
London – Kein Verein in der Premier League wird noch einen Wettanbieter als Hauptsponsor auf dem Trikot tragen. Das gilt ab dieser Saison. An sich ist das keine neue Entwicklung in der Milliarden-Liga, doch einige Vereine scheinen sich doch nicht vernünftig auf den gemeinsam getroffenen Verzicht vorbereitet zu haben. Dabei wurde das Vorgehen schon im April 2023 beschlossen.

Die Vereine wussten somit frühzeitig, was auf sie zukommt. Drei Spielzeiten lang konnten sie neue Partner suchen und bestehende Verträge auslaufen lassen. Reibungslos ist das nicht überall gelungen. In der vergangenen Saison trugen noch elf von 20 Vereinen einen Wettanbieter auf der Brust. Mit Sunderland und Nottingham Forest stehen sogar noch zwei Vereine komplett ohne Sponsor auf der Trikot-Vorderseite da, die dort zuletzt einen Wettanbieter hatten.
Drei Premier-League-Vereine ohne Trikotsponsor – Wettanbieter-Verzicht weiterhin sehr lasch
Auch der Chelsea FC hat noch keinen Brustsponsor vorzuweisen, doch auf deren Trikot war zuletzt kein Wettanbieter zu sehen. Obwohl sich bei Sunderland mittlerweile eine Lösung abzeichnet, ist der Wettanbieter-Verzicht so kurz vor dem Start der Premier League immer noch ein Thema. Zumal über die Wirksamkeit des Verzichts diskutiert werden kann.
Denn das Vorgehen beschränkt sich rein auf das frontale Trikotsponsoring. Bandenwerbung oder gar ein Auftritt als Ärmelsponsor sind für die Wettanbieter weiterhin möglich. Ob damit das erklärte Ziel, die permanente Präsenz von Wettanbietern einzuschränken, aufgeht, ist zumindest fraglich. Junge Menschen sollen nicht daran gewöhnt werden, dass Glücksspielanbieter ein fester Teil des Fußballs sind. Mit der aktuellen Umsetzung bleiben sie das aber.
Ungeachtet dessen, stellt sich weiterhin die Frage, warum gerade drei Premier-League-Vereine weiterhin ohne Hauptsponsor daherkommen. So wird die englische Liga doch gerade von deutschen Investorenfreunden und Expansionsbefürwortern als Vorbild angepriesen. Doch wo bleiben die Sponsoren, wenn die Premier League doch so attraktiv ist? Für die Bundesliga könnten die aktuellen Vorgänge in England eine Warnung für die Zukunft sein.
Bundesliga-Vereine, ob Abstiegskandidat oder internationales Aushängeschild, brauchen eine langfristige Strategie und unterschiedliche Einnahmequellen. Ein möglicherweise durch Investorengelder ausgestattetes finanzkräftiges Umfeld ist keine Garantie für eine kollektiv bessere Zukunft. Und auch wenn kaum ein Bundesligist am Tropf eines Wettanbieters hängt, zeigt die Premier League derzeit eindrücklich, was passiert, wenn man über Jahre auf eine einzige besonders zahlungskräftige Branche setzt. (sch)