FC Basel: Trainer Stephan Lichtsteiner per sofort entlassen

Das grosse Missverständnis ist vorbei: Der FC Basel entlässt den Jungtrainer Stephan Lichtsteiner

Nur sieben Monate war der Luzerner FCB-Coach. Seine kommunikativen Mängel waren zu offensichtlich, sein Rumpelstilzchen-Verhalten an der Seitenlinie zu irritierend.

09.09.2026, 20.15 Uhr

4 Leseminuten

Aktualisiert


Nicht länger FCB-Coach: der frühere Nationalspieler Stephan Lichtsteiner.

Nicht länger FCB-Coach: der frühere Nationalspieler Stephan Lichtsteiner.

Gian Ehrenzeller/ Keystone

Erwartbarer dürfte eine Trainerentlassung in der Super League kaum je gewesen sein. Am Mittwochabend gab der FC Basel bekannt, was sich in den letzten Wochen längst abgezeichnet hat: die sofortige Trennung vom Coach Stephan Lichtsteiner. Der 42-jährige Luzerner muss den Basler Fussballklub damit nach sieben Monaten bereits wieder verlassen, mit ihm geht auch der Assistenztrainer Mario Cantaluppi, der erst auf diese Saison hin von der U 21 des FC Winterthur zum FCB zurückgekehrt war.

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Nur zehn Punkte aus bisher sieben Super-League-Partien waren der Klubführung um David Degen zu wenig, die englische Woche mit nur einem Punkt und jüngst zwei Heimniederlagen gegen den FC Lugano (1:3) und Sitten (1:2) wurden Lichtsteiner letztlich zum Verhängnis. Nach dem ansprechenden Saisonauftakt hatte sich zuletzt allzu deutlich gezeigt, dass der FCB weit davon entfernt ist, ein Spitzenteam zu sein: Der Klub verlor drei seiner vier Heimspiele im St.-Jakob-Park, der souveräne Tabellenleader aus Lugano ist bereits acht Punkte enteilt.

Der FCB gab Lichtsteiner eine zweite Chance

Der FC Basel und Stephan Lichtsteiner – das wirkte von Anfang an wie ein grosses Missverständnis, zumal über Monate nicht einmal eine sanfte Lernkurve festzustellen war. Als der Klub den früheren Captain des Schweizer Nationalteams (108 Länderspiele) Ende Januar engagierte, irritierte nicht allein der Zeitpunkt des Trainerwechsels, sondern vor allem auch die fragwürdige Vertragsdauer: Bis 2029 band der FCB Lichtsteiner an sich, obwohl der zuvor noch nie ein Profiteam angeleitet hatte.

Sein Vorgänger Ludovic Magnin – auch er war nur sieben Monate FCB-Coach gewesen – hatte mit dem Team gerade einen emotionalen Klassiker gegen den FC Zürich gewonnen und Xherdan Shaqiri dem Coach den Rücken gestärkt. Doch die Klubführung entliess den Romand, weil sie keine Entwicklung des Teams erkennen konnte.

Genau damit begründete der FCB nun auch die Entlassung von Lichtsteiner, der mit dem FCB bloss 27 Partien absolviert hat und mit einem Punkteschnitt von 1,22 viel schlechter dasteht als sein Vorgänger Magnin (1,58). «Die Trennung fällt dem Klub trotz zuletzt unbefriedigenden sportlichen Auftritten nicht leicht», schrieb der FCB in seiner geschönten Medienmitteilung. Doch das Risiko eines sportlichen Rückschritts und einer negativen Tabellendynamik sei zu gross geworden.

Schon Lichtsteiners Einstand war gründlich danebengegangen. Die ersten drei Partien unter seiner Führung gingen allesamt verloren, womit der FC Basel nicht nur frühzeitig aus der Europa League und dem Schweizer Cup ausschied, sondern vom späteren Meister FC Thun auch in der Meisterschaft entscheidend zurückgebunden wurde.

Danach spielte der FCB eine schwache Rückrunde, klassierte sich im fünften Rang und verpasste damit die europäischen Wettbewerbe. Der Sportchef Daniel Stucki verliess den Klub zum Saisonende, aber am Coach Stephan Lichtsteiner hielt der FCB-Präsident David Degen fest. Der Klub wollte ihm eine zweite Chance geben, ihn eine ganze Vorbereitung mit dem Team machen lassen. Obwohl kaum ein Argument für Lichtsteiner sprach und es bereits Ende letzter Saison zu heftigen Auseinandersetzungen mit Staff-Mitgliedern gekommen war.

Vor seinem Engagement im FCB hatte Lichtsteiner den FC Wettswil-Bonstetten in der vierthöchsten Schweizer Liga trainiert. Gewiss, der frühere Rechtsverteidiger hatte mit Juventus Turin einst sieben Mal in der Serie A triumphiert und diverse andere Titel gewonnen. Und seine Energie und den unersättlichen Erfolgshunger hat er sich bewahrt. Doch man fragte sich schon, weshalb ausgerechnet ein in der Super League völlig unerfahrener Trainer wie er dazu geeignet sein sollte, den notorisch unruhigen FCB zum Erfolg zurückzuführen.

Dass Lichtsteiner der Aufgabe auf höchstem Niveau (noch) nicht gewachsen ist, zeigte sich rasch. Sein kommunikativ unbedarftes Auftreten war in den Medien ein Dauerthema, sein Gebaren an der Seitenlinie irritierte selbst intern. Doch Lichtsteiner erwies sich als beratungsresistent. Er tigerte unvermindert nervös in der Coachingzone herum, legte sich in jedem Spiel mit Schiedsrichtern und Gegnern an, sah mehrmals die gelbe Karte wegen ungebührlichen Verhaltens. Und an Medienkonferenzen schalt er immer wieder die Medien. Sie brächten seiner Arbeit zu wenig Respekt entgegen und trügen von aussen Unruhe in den Klub, sagte er, der notorische Unruhestifter. Da nützte selbst sein Anti-Stress-Würfel wenig.

In den letzten Wochen soll Lichtsteiner zudem auch die Kabine verloren haben. Was wenig überrascht angesichts der Tatsache, dass er mit Xherdan Shaqiri kürzlich die FCB-Legende schlechthin rasierte. Lichtsteiner meinte, in seinem Spielsystem auf den Captain verzichten zu können, und setzte ihn mehrmals auf die Bank. Wechselte ihn dann aber doch ein, wenn es den Baslern nicht wie gewünscht lief. Auch in der Shaqiri-Frage agierte Lichtsteiner ungeschickt – wie er bei seinem zu grossen Trainersprung überhaupt völlig unbegleitet wirkte.

Der stetige Unruheherd FCB

Die Umstände, unter denen Lichtsteiner den FCB als Coach hätte weiterentwickeln sollen, sind allerdings auch schwierig. 36 Kadermutationen hat der Klub allein in diesem Sommer vollzogen, unter der Führung des Präsidenten David Degen wirkt der FCB wie ein steter Unruheherd. Der Klub will junge Spieler entwickeln und gewinnbringend wieder verkaufen – was ihm des Öfteren auch gelingt. Doch eine längerfristige sportliche Strategie ist nicht erkennbar. So verwundert es denn auch wenig, dass Lichtsteiner im unsteten FC Basel unter Degen nicht reüssiert hat.

Bis der FCB einen neuen Cheftrainer verpflichtet hat, übernimmt einstweilen der Assistenztrainer Luigi Nocentini ad interim die Verantwortung für die erste Mannschaft. Am Sonntag trifft der FC Basel auswärts auf den FC Luzern.

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Erst nach der Einwechslung von Xherdan Shaqiri kommt der FC Basel in Fahrt und siegt nach frühem Rückstand verdient 2:1. Der FCB-Trainer Stephan Lichtsteiner will nach schwierigen Tagen und Wochen an seinem Kurs festhalten.

Der Meister aus dem Berner Oberland hat den Kopf derzeit anderswo und erhält in zwei Spielen gegen YB und Basel zehn Gegentore. Das wirft Fragen auf, wird aber zur willkommenen Einladung für die Stabilität suchende Konkurrenz.

Der frühere Captain des Schweizer Nationalteams war als Fussballer zuoberst. Seine zweite Karriere als Coach lanciert der 41-Jährige mit Wettswil-Bonstetten. Im Cup trifft der Klub auf den FC Zürich.