Das Depot als zweite Rente: Wie man im Alter klug entnimmt

Stand: 23.07.2026, 19:30 Uhr

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Smartphone mit abgebildeten Depot

Wie wird das Depot im Alter genutzt? © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Ansparphase verstanden, Vermögen aufgebaut. Was im Alter damit passiert, wissen die wenigsten. Die Entnahmephase ist das am seltensten erklärte Kapitel beim Investieren.

Jahrzehntelang investieren, monatlich sparen, den Zinseszins arbeiten lassen. Das ist die Geschichte, die immer erzählt wird. Was danach kommt, wird fast nie erzählt.

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Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Fortunalista entstanden. Fortunalista ist eine Plattform für Finanzbildung, die Frauen dabei unterstützt, ihre Finanzen selbstbestimmt zu gestalten. Mit einem klaren Verständnis für die Herausforderungen rund um Geld zeigt Fortunalista, wie Frauen mit dem Investment Code ihren Weg in die finanzielle Unabhängigkeit finden.

Wie wird das Depot im Alter genutzt? Wie viel kann entnommen werden? Was passiert, wenn zu viel entnommen wird? Und wie lange hält das Kapital?

„Die Entnahmephase ist das Kapitel, das fast niemand erklärt“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Dabei ist sie genauso wichtig wie der Aufbau. Wer sie nicht plant, riskiert, das Depot zu früh aufzubrauchen.“

Was die 4-Prozent-Regel ist

Die bekannteste Entnahmestrategie ist die sogenannte 4-Prozent-Regel. Sie besagt: Wer jährlich 4 Prozent des Depotwerts entnimmt, kann das Portfolio statistisch unbegrenzt weiterlaufen lassen.

Warum funktioniert das? Weil das Depot investiert bleibt und weiter Rendite erwirtschaftet. Was entnommen wird, wird durch die laufende Rendite ausgeglichen oder übertroffen.

Was das konkret bedeutet:

  • 100.000 Euro Depot: 4.000 Euro jährlich, also 333 Euro monatlich
  • 200.000 Euro Depot: 8.000 Euro jährlich, also 667 Euro monatlich
  • 300.000 Euro Depot: 12.000 Euro jährlich, also 1.000 Euro monatlich

Bei 1.200 Euro gesetzlicher Nettorente und 300.000 Euro Depot ergibt sich ein monatliches Gesamteinkommen von 2.200 Euro. Dauerhaft.

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Was die 4-Prozent-Regel voraussetzt

Die Regel basiert auf historischen Marktdaten und geht davon aus, dass das Depot in breit gestreute Aktien investiert bleibt. Wer im Rentenalter alles in Tagesgeld umschichtet, verliert die Rendite, die die Entnahme ausgleicht.

Was außerdem gilt: Die 4-Prozent-Regel ist eine Faustregel, keine Garantie. In Jahren mit starken Kursverlusten kann die tatsächliche Entnahme den Depotwert stärker reduzieren als in guten Jahren aufgebaut wird.

Was hilft: ein Puffer. Wer ein bis zwei Jahre Lebenshaltungskosten zusätzlich auf dem Tagesgeldkonto hält, muss in schlechten Börsenjahren nicht aus dem Depot entnehmen. Der Puffer überbrückt die Durststrecke.

Was verschiedene Entnahmestrategien bedeuten

Neben der 4-Prozent-Regel gibt es weitere Ansätze.

Feste monatliche Entnahme. Wer monatlich einen festen Betrag entnimmt, hat Planungssicherheit. Was dabei zu beachten ist: In schlechten Börsenjahren werden mehr Anteile verkauft als in guten. Das Depot schrumpft schneller als geplant.

Prozentuale Entnahme. Wer immer denselben Prozentsatz des aktuellen Depotwerts entnimmt, passt die Entnahme automatisch an den Marktwert an. In guten Jahren mehr, in schlechten Jahren weniger. Das schont das Kapital, erfordert aber Flexibilität bei den Ausgaben.

Hybridmodell. Kombination aus gesetzlicher Rente als fixer Basis und Depot als flexiblem Zusatzeinkommen. Die Rente deckt die Grundausgaben, das Depot die Extras. Was aus dem Depot entnommen wird, hängt von der aktuellen Situation ab.

Was die häufigsten Fehler in der Entnahmephase sind

Zu früh alles verkaufen. Wer mit Renteneintritt das gesamte Depot in Tagesgeld umschichtet, verliert die Rendite, die das Kapital langfristig erhält. Das Depot sollte auch im Rentenalter investiert bleiben.

Zu viel entnehmen. Wer mehr als 4 Prozent entnimmt, riskiert, das Kapital zu früh aufzubrauchen. Was sich im ersten Jahr nach dem Renteneintritt großzügig anfühlt, kann zwanzig Jahre später zu wenig hinterlassen.

Zu wenig entnehmen. Das klingt paradox, ist es aber nicht. Wer aus Angst vor dem Aufbrauchen kaum entnimmt, lebt schlechter als nötig. Das Depot ist für die eigene Lebensqualität gedacht, nicht für die Erben.

„Die Entnahmephase braucht einen Plan“, betont Margarethe Honisch. „Nicht weil es kompliziert ist. Sondern weil ein Plan verhindert, dass Angst oder Großzügigkeit das Depot zu früh aufbrauchen.“