Das diverCITYLAB sagt nach 13 Jahren mit zehn "Spülgängen" Adieu

Theater

Das diverCITYLAB sagt nach 13 Jahren mit zehn "Spülgängen" Adieu

2013 gegründet, entstand das Theaterlabor in einer Zeit, in der "Diversity" ein utopischer Begriff war. Nun feiert es vom 10. bis 20. September seinen Abschluss

Luise Aymar

Eine Theatergruppe in auffälligen Kostümen und Make-up steht hinter einem langen, geschmückten Tisch. Die Darsteller haben ausdrucksstarke Posen und Gesichtsausdrücke, die verschiedene Emotionen darstellen. Der Tisch ist mit Stoffen, Geschirr, Essen und dekorativen Elementen bedeckt.
"TITANIC – Das Brot ist voll" bringt sämtliche Bühnenbilder aus 13 Jahren diverCITYLAB auf die Bühne und zeigt die Arbeit und Gedanken von drei Generationen Studierender der diverCITYLAB – AKADEMIE.

Gegründet von Regisseurin und Dramaturgin Aslı Kışlal, setzte sich das Theater-, Film- und Performancelabor diverCITYLAB für Diversität auf den Bühnen Wiens ein und war damit ein wichtiger Teil der kulturpolitischen Szene der Stadt. Das Ziel dabei: "die Privilegien und Exklusionsmechanismen in der österreichischen Kunstwelt offenzulegen und zu verändern". Außerdem etablierte es sich mit der Zeit als postmigrantische Schauspielschule (diverCITYLAB – AKADEMIE), als Kunstvermittlungsstelle und Produktionsfirma. Durch Aufführungen in renommierten Theaterhäusern in Österreich wie in Deutschland und den einen oder anderen eigens produzierten Film verschaffte man Menschen eine Bühne, die sonst vor geschlossen Castingtüren gestanden wären.

Nach all der Zeit verabschiedet sich das diverCITYLAB nun mit dem 10-tägigen "high performance festival" åbgspüt, verteilt auf vier unterschiedliche "Spülstätten". Dabei wird ein diverses Programm präsentiert, das die vergangene Arbeit des diverCITYLABS wiederspiegelt und die Gehirne der Stadt noch einmal auf links gedreht wäscht.

Eine Gruppe von acht Personen posiert auf einer Bühne in einem theatralischen Arrangement. Zwei Personen liegen am Boden, während die anderen in verschiedenen Posen über ihnen stehen. Der Hintergrund ist dunkel und industriell gestaltet.
In "Utopie im Erdgeschoss" treffen grundverschiedene Bewohner und Bewohnerinnen eines Gemeindebaus aufeinander und sorgen für irrwitzige Momente.

Zehn Spülgänge

Die Eröffnung des Festivals begann dafür mit einem Schongang des musikalischen Leiters des diverCITYLABS, Uwe Felchle, im Innenhof des Theaters am Werk. Mit einem entschleunigenden Klangevent für Mensch und Tier konnte sich das Publikum hier inmitten eines chaotischen Alltags ein wenig Ruhe gönnen. Mit dem zweiten Spülgang Utopie im Erdgeschoss wurde im oberen Saal des Theaters eine Live-Sitcom-Episode aufgeführt, die zeigt, was geschieht, wenn eine mehr oder weniger freiwillig gegründete Theatergruppe im Gemeindebau plötzlich mit Burgtheater-Finesse arbeiten soll. Die letzten beiden weiterführenden Episoden von Utopie im Erdgeschoss sind bis Samstag 12. September zu sehen.

Bis zum finalen Schleudergang des Festivals am im Schikaneder können Performances wie TITANIC – Das Brot ist voll im Theater am Werk oder SAG JA! Die österreichische Lösung für den Weltfrieden in der Semmelweis-Klinik besucht werden. Somit wird rückblickend sowie im Bewusstsein von Utopie Adieu gesagt. Letztere meint eine Welt, "in der diverCITYLAB nicht mehr existieren muss, weil seine Ziele erreicht wurden." (Luise Aymar, 11.9.2026)

Eine Gruppe von Menschen steht und sitzt vor einem modernen Gebäude mit Glasfassade. Im Vordergrund schweben große Seifenblasen. Einige Personen interagieren, während andere entspannt sitzen oder stehen. Rechts sind Tische und Stühle zu sehen. Die Szene wirkt lebendig und fröhlich.
Zwischen riesigen Seifenblasen und entspannenden Klängen sorgte die Eröffnung des "åbgspüt"-Festivals für eine lockere Stimmung im Theater am Werk

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