„Das hätte ich nie geglaubt“: Saarbrücker Ristorante Milano steht vor dem Aus – das sind die Gründe

  1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

„Das hätte ich nie geglaubt“ Saarbrücker Ristorante Milano steht vor dem Aus – das sind die Gründe

Saarbrücken · Eigentlich sollte das Ristorante Milano in Saarbrücken längst wieder geöffnet sein. Doch die Tür bleibt zu, am Telefon läuft eine überholte Ansage – und im Lokal ist es dunkel. Was ist mit dem traditionsreichen Restaurant passiert?

03.10.2026 , 07:00 Uhr

 Die Lichter im Ristorante Milano sind aus, die Stühle zusammengestellt, vorm Eingang liegen verrostete Rohre: Die ehemals beliebte Adresse für italienisches Essen ist seit Wochen geschlossen. Jetzt äußert sich der Restaurantchef.

Die Lichter im Ristorante Milano sind aus, die Stühle zusammengestellt, vorm Eingang liegen verrostete Rohre: Die ehemals beliebte Adresse für italienisches Essen ist seit Wochen geschlossen. Jetzt äußert sich der Restaurantchef.

Foto: Antonia Trinkaus

Am 26. August sollte das Ristorante Milano in Saarbrücken wieder öffnen. Wochen später ist es noch immer geschlossen. Wer anruft, hört auch jetzt noch die vertraute Stimme des Restaurantchefs: Betriebsferien und Reparaturarbeiten – bis zum 25. August. Vor Ort ist es dunkel. Die Tische sind eingedeckt, Servietten sowie Essig und Öl stehen bereit. An der Tür hängt seit vielen, vielen Tagen ein Schild: „Heute wegen Krankheit geschlossen.“ Und aus dem Lokal dringt ein übler Geruch. Was ist im Ristorante Milano in Saarbrücken los?

Vom ausgebuchten Lokal zum leeren Gastraum

An einem Nachmittag vor wenigen Tagen sitzt Anwar Iqbal am Tisch seines leeren Restaurants. Statt nach flambierten Filets oder Pastagerichten, die Iqbal oft vor den Augen seiner Gäste zubereitet hat, stinkt es nach vergammeltem Essen. Der samstägliche Großeinkauf am ersten Augustwochenende war gemacht, die Kühlschränke waren allesamt aufgefüllt, das Buch voller Reservierungen. Früher galt das Milano zwischen Luisenbrücke und Wilhelm-Heinrich-Brücke als einer der Top-Italiener der Stadt, war immer ausgebucht. Erst im Jahr 2025 hat Iqbal das Restaurant von seinem Vorgänger, der mittlerweile über 80 Jahre alt ist, aber bis zuletzt mit im Laden stand, übernommen. Aus Bewertungen in den sozialen Medien ist zu lesen, dass schon zuvor zunehmend weniger Gäste kamen.

„Ich habe es so gelebt hier“, heute steht Milano-Chef Anwar Iqbal vor dem Aus und sucht dringend einen neuen Nachfolger.

„Ich habe es so gelebt hier“, heute steht Milano-Chef Anwar Iqbal vor dem Aus und sucht dringend einen neuen Nachfolger.

Foto: Antonia Trinkaus

„Ich vermisse meine Stammgäste jeden Tag“

Seit dem Frühjahr hat es immer wieder Schwierigkeiten gegeben. Iqbal ist kurzfristig ausgefallen; sein Team war ebenfalls erkrankt oder im Urlaub. Die Krise hat der Restaurantchef trotzdem nicht kommen sehen. Reparaturarbeiten, die beispielsweise an den alten Rohren dringend notwendig wurden, waren erledigt. Doch dann ging „plötzlich“ gar nichts mehr, sein Arzt schreibt Iqbal mit sofortiger Wirkung krank, an Servieren, Zapfen oder Flambieren war nicht mehr zu denken. „Alles“ hat er vorher gemacht, notfalls den Laden allein geschmissen. „Ich kann alles, aber jetzt nichts mehr“, so der Restaurantchef, der schon vor 20 Jahren als Oberkellner im Milano Gäste bedient hat.

„Das hätte ich nie geglaubt“, sagt der 62-Jährige mit Tränen in den Augen. „Ich habe es so gelebt hier. Ich vermisse meine Stammgäste jeden Tag.“ Nicht ohne Stolz zählt er auf, wem er beim Mittagstisch regelmäßig seine Spezialitäten wie Schnitzel Parmigiana servieren durfte: Ehemalige und heutige Köpfe des Umwelt-, Innen- und Finanzministeriums, die Chefetage der Sparkasse und von Saartoto – Iqbal kennt sie und ihre Stammbestellungen alle.

Die roten Hängelampen erinnern an die 1970er-Jahre. Im Ristorante Milano scheint nicht erst seit der Schließung vor einigen Wochen die Zeit stehen geblieben.

Die roten Hängelampen erinnern an die 1970er-Jahre. Im Ristorante Milano scheint nicht erst seit der Schließung vor einigen Wochen die Zeit stehen geblieben.

Foto: Antonia Trinkaus

Insolvenzantrag nach dem Ende des Restaurantbetriebs

Seit Wochen erreichten ihn besorgte Anrufe. „Iqbal, wie kann ich helfen?“, wollen seine Stammgäste wissen. Seine Antwort: „Bei der Gesundheit kann niemand helfen.“ Die Vorräte musste er gemeinsam mit dem Hausbesitzer wegwerfen, die Kühlschränke sind abgeschaltet, die Tische bleiben unbesetzt, die Kasse ist ohnehin schon lange leer. Seine insgesamt acht Mitarbeiter konnte er nicht mehr bezahlen. In diesen Tagen musste er einen Insolvenzantrag stellen. Damit steht für ihn fest: Selbst wenn sich etwas an seinem schlechten Gesundheitszustand ändern sollte, geht es für ihn als Restaurantchef nicht mehr weiter.

Ein Nachfolger für das Milano gesucht

Zusammen mit dem Hausbesitzer, Max Minas, sucht er jetzt einen Nachfolger. Geheimrezepte, Name, Konzept: „Ich will alles weitergeben.“ Denn, wie er immer wieder betont, gibt es für den gebürtigen Pakistaner nur ein Ziel: „Ich will meine Gäste wieder zufrieden machen. Dann geht’s mir auch wieder gut.“ Und wer weiß, vielleicht kann er dann stundenweise wieder an seinem Lieblingsort Gäste bedienen. Bis es so weit ist, fehlt neben seiner Genesung aber noch der passende Nachfolger für das Restaurant mit langer Tradition am Saarbrücker Saarufer. (jos)