Das ist die neue Wahlkampf-Strategie von Stefan Evers
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Es ist wahrlich eine Herausforderung: Nach dem Rücktritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner als Spitzenkandidat musste in der CDU-Parteizentrale alles neu gedacht werden. In einer Hauruckaktion hatte sich die Partei auf Finanzsenator Stefan Evers als Wegner-Ersatz verständigt. Daraufhin stellten sich zwei entscheidende Fragen: Was kann an der bisher geplanten Kampagne beibehalten werden? Und was muss neu werden? Seit Mittwoch weiß die Stadt nun Genaueres.
Der neue, von Evers installierte Generalsekretär Lukas Krieger präsentierte ein Großplakat. Auf der Front des Konrad-Adenauer-Hauses ist Evers in XXL-Format mit dem Spruch „Ich bin konservativ. Und das ist auch gut so“ zu sehen. Das Plakat vereint beides: das Neue und das Geplante.
Wahlkampf-Planer mussten mit Wegners Rücktritt umdenken
Neu ist natürlich der Kandidat: Alles in der Union ist nun auf Evers zugeschnitten. Der Finanzsenator muss möglichst vielen Berlinern bekannt werden. Wegner kannten alle, Evers nicht ganz so viele. Also hängte die CDU am vergangenen Sonntag, dem Starttag des Straßenwahlkampfs, massiv das Konterfei ihres Kandidaten auf. Die Union will und muss Evers als einen anderen Politiker als Wegner darstellen. Evers, der unter dem Landesvorsitzenden Wegner Generalsekretär war und dann Finanzsenator unter dem Regierenden Bürgermeister Wegner wurde, emanzipiert sich mit großen Schritten. Während Wegner vom konservativen Flügel in die politische Mitte rückte, spielt Evers die konservative Karte aus.
Was Evers unter konservativ versteht
Er vertrete einen modernen Konservatismus, heißt es in der Partei. In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geht Evers genauer darauf ein. Konservativ heiße heute nicht, sich gegen Wandel und Fortschritt zu stellen, so Evers. Es heiße vielmehr, im Wandel die Kontinuität zu suchen, das Bewahrenswerte zu erkennen und zu schützen. Und weiter schreibt der neue Spitzenkandidat: „Menschen gewinnen Zuversicht nicht dadurch, dass ihnen der Wandel erspart bleibt, sondern dadurch, dass sie in ihm Orientierung finden.“ Moderner Konservatismus stehe deshalb für Mut und Zuversicht. Er wolle Orientierung geben in Zeiten tiefgreifenden Wandels.
Evers ist nicht der hemdsärmelige Wahlkämpfer, der Wegner war
Den tiefgreifenden Wandel haben die Wahlkämpfer in der Union mit dem Wechsel auf Evers gerade hinter sich. Evers ist sicherlich nicht der hemdsärmelige Wahlkämpfer, der Wegner war. Evers ist nicht der gebürtige Berliner, der Wegner war. Evers ist vom Typus her auch eher der Akten fressende, mit viel Sachkenntnis ausgestattete Berlin-Politiker. Bisher war die Rollenverteilung einfach: Wegner fürs Volk, Evers für den Kopf. Nun kann man einen Kandidaten nicht von heute auf morgen ändern. Deswegen versuchen die Wahlkämpfer mit der Strategieänderung, Evers gerecht zu werden. Auf den Wahlplakaten finden sich Worte wie „verlässlich“. Evers, der seriöse Politiker, auf den man sich auch in Zukunft in Berlin bei all den Herausforderungen verlassen kann. Oder übersetzt mit Adenauer: Keine Experimente.
News zur Berlin-Wahl 2026
Experimente verortet die CDU naturgemäß beim politischen Gegner. Die Linke, die in den Umfragen im Moment immer wieder auf Platz 1 geführt wird und die voll auf das Thema Enteignungen setzt, sei auch am Wahltag wahrscheinlich die stärkste Kraft im linken Lager. Deswegen müsse man einen polarisierenden Wahlkampf führen, heißt es im Wahlkampfteam der Union. Evers selbst wurde da schon konkret.
Attacke auf Linke und Grüne
Linke und Grüne hatten angekündigt, das von CDU und SPD geschaffene, neue Berliner Polizeigesetz, das den Beamten mehr Befugnisse gibt, richterlich überprüfen lassen zu wollen. Der Anschlag auf den Christopher-Street-Day führte dazu, dass Linke und Grüne ihre Absicht auf später verlegten. Und obwohl eine angekündigte Pressekonferenz zu dem Thema abgesagt wurde, polterte Evers gegen das Vorhaben, stellte sich ausdrücklich auf die Seite der Polizistinnen und Polizisten und griff Grüne und Linke an.
CDU mit dem Spitzenkandidaten Evers erholte sich in den Umfragen
Hier wird deutlich, wo die Union an ihren Wahlkampfplanungen trotz des neuen Kandidaten festhält: Die Christdemokraten setzen alles auf die Karte „Richtungswahlkampf“. Nur mit einer starken Union sei ein linkes Bündnis in Berlin zu verhindern. Die letzten Umfragedaten, in denen die Union sich von der Wegner-Delle erholt hat, geben den Wahlkämpfern Auftrieb.