Das sind die gefährlichsten Straßen Europas | Kleine Zeitung
Die Zahl der Verkehrstoten geht langfristig zurück – das Ziel der Kommission einer 50 prozentigen Reduktion bis 2030 rückt dennoch in weite Ferne.
Die gute Nachricht zuerst: Die Zahl der Verkehrstoten ist im Vorjahr um drei Prozent gesunken – auf 19.400 Fälle (2024: 19.932) in der gesamten EU. Unter den negativen Ausreißern ist Österreich mit einer Zunahme von 13 Prozent im Vergleich zu 2024. 397 Menschen kamen hierzulande 2025 bei Verkehrsunfällen ums Leben: Das ist langfristig die fünftniedrigste Opferzahl seit Beginn der Aufzeichnungen des Innenministeriums im Jahr 1950 (nur 2020, 2022 und eben 2024 war die Zahl etwas geringer).
Als Musterbeispiele für Fortschritte bei der Verkehrssicherheit hebt die EU-Kommission in ihrem Bericht Estland und Griechenland hervor, wo die Zahlen im Jahresvergleich um 38 bzw. 22 Prozent zurückgingen; die größten Anstiege verzeichneten Malta (75%) und Slowenien (37%).
Besonders sicher ist man auf den Straßen Schwedens unterwegs: Dort gab es 2025 „nur“ 20 Todesopfer pro einer Million Einwohner (Österreich: 43), Dänemark rangiert auf Platz 2 (23). Die gefährlichsten Straßen Europas finden sich demnach in Bulgarien (71), Rumänien (68) und Kroatien (67). Die EU-Kommission geht von der Annahme aus, dass pro Todesfall im Straßenverkehr fünf Menschen schwer verletzt werden, was in Summe rund 100.000 Personen im Jahr ergibt.
Rückgang um 17 Prozent
Der langfristige Trend zeigt, dass die Todesfälle in fast allen Mitgliedstaaten zurückgehen – im Schnitt der EU-27 betrug der Rückgang im Zehnjahreszeitraum zwischen 2014 und 2024 17 Prozent; in Österreich waren es 18 Prozent. Nur Malta (plus 20%), die Niederlande (plus 19%) und Spanien (plus 6%) scheren aus.
Die meisten schweren Unfälle in der Union betreffen Autofahrer (44%), es folgen Nutzer von motorisierten Zweirädern (Motorrad und Moped) mit 21 Prozent und Fußgänger mit 18 Prozent. Neun Prozent aller tödlichen Unfälle entfallen auf Radfahrer und ein Prozent auf E-Scooter, wobei diese Zahl zuletzt rasant gestiegen ist und 2024 bei 148 lag (aktuelle Daten für 2025 wurden hier noch nicht veröffentlicht). In Österreich kamen 2024 147 Personen im Auto ums Leben, 83 mit dem Motorrad, 32 auf dem Fahrrad und 48 Personen, die zu Fuß unterwegs waren.
Ländliche Straßen bleiben gefährlicher als jene in der Stadt: Die verfügbaren Daten von 2024 zeigen, dass 53 Prozent der Verkehrstoten dort zu verzeichnen sind, verglichen mit 38 Prozent in städtischen Gebieten und acht Prozent auf Autobahnen, wie aus dem Kommissionsbericht hervorgeht. In städtischen Gebieten machen ungeschützte Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer 70 Prozent der Verkehrstoten aus – und das in erster Linie dann, wenn ein Auto oder Lastwagen in den Unfall involviert ist.
Große Sorge bereitet der Brüsseler Behörde der „unverhältnismäßig“ hohe Anteil junger Menschen (18-24 Jahre) und Älterer (ab 65 Jahren) an den Verkehrstoten: Dies betrifft besonders Fußgänger und Radfahrer, stellt die EU-Kommission in dem Bericht fest. So sind 51 Prozent aller Todesopfer unter den Fußgängern ältere Menschen (in Österreich sogar 64 Prozent). Männer sind im Straßenverkehr übrigens weit gefährdeter als Frauen: Sie machen 77 Prozent der Todesopfer aus; besonders eklatant ist der Unterschied bei Auto- und Motorradfahrern.
Kommission für „Vision Zero“
Obwohl die langfristigen Fortschritte deutlich sind, ist die EU noch weit von ihrem 2018 festgelegten Ziel entfernt, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 um 50 Prozent zu senken und bis 2050 überhaupt keine Verkehrstoten mehr zu verzeichnen (Vision Zero). „Das derzeitige Tempo ist unzureichend“, lautet das Fazit der Kommission. „Auf der Grundlage der vorläufigen Daten sind nur Belgien, Bulgarien, Dänemark, Polen und Rumänien derzeit auf einem guten Weg, das Ziel einer Verringerung der Verkehrstoten zu erreichen.“ Die genannte Länder verzeichnen lang- wie kurzfristig einen überdurchschnittlichen Rückgang der Unfälle mit Todesfolge – und das trotz der deutlichen Zunahme von Fahrzeugen und gefahrenen Kilometern.