„Das wäre ein Schlag für meine Familie“: Wen sich der Adlon-Erbe als Käufer für das legendäre Luxushotel wünscht

In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob das Hotel Adlon einen neuen Eigentümer bekommt. Felix Adlon, Ururenkel des Luxushotel-Gründers Lorenz Adlon, wünscht sich, dass der langjährige Betreiber Kempinski das legendäre Hotel kauft. „Das wäre schön. Und falls es jemand anderes ist, hoffe ich, dass auch diese Käufer die Historie des Hauses zu ehren wissen“, sagte der Filmproduzent und Autor dem Tagesspiegel.

„Von der Feier der Verlobung Prinzessin Viktoria Luises von Preußen zur Planung des Stauffenberg-Attentats oder Michael Jackson, der sein Baby aus dem Fenster hielt, ging Weltgeschichte durch dieses Hotel.“ Auch der Name soll laut Adlon bewahrt bleiben: „Es wäre ein Schlag für meine Familie und mich, aber auch für den Pariser Platz, wenn nun ein Investor ein ‘Hotel Huber’ daraus machen will“, sagte er.

Den Familiennamen Adlon hält er für einen Vorteil des Fünf-Sterne-Hauses – auch wenn die Familie längst nicht mehr Eigentümer ist: „Der Name hat einen Glanz und die romantische Idee dahinter ist einzigartig. Es gibt keine Familie Ritz, keine Familie Waldorf.“ Viele Menschen glaubten, das Hotel sei noch in Familienbesitz.

An diesem Donnerstag läuft eine wichtige Frist für einen eventuellen Verkauf des geschichtsträchtigen Berliner Luxushotels aus: Nur wenn 75 Prozent der Anleger bis zu diesem Tag zugestimmt haben, einen Fonds aufzulösen, von dem das Luxushotel Teil ist, ist ein Verkauf überhaupt möglich. Dieser „Fundus-Fonds 31“ wird von der Immobiliengesellschaft Jagdfeld gemanagt. Vor Kurzem war bekannt geworden, dass laut Jagdfeld nach 30 Jahren viele Anleger aussteigen wollen, sodass die Gruppe die Immobilie verkaufen will.

Der Fonds hat in 30 Jahren noch nie Freude bereitet. Schlechte Rendite.

Ein Anleger des Fonds, zu dem auch die Immobilie Adlon gehört

Auf Anfrage des Tagesspiegels wollte sich ein Sprecher der Immobiliengruppe am Mittwoch noch nicht äußern, ob die Mehrheit bereits zustande gekommen ist. Zuletzt hatte man dort von einer „sehr positiven Stimmung“ gesprochen. Nach Tagesspiegel-Informationen sollen manche Anleger nicht zufrieden gewesen sein mit der Rendite des Fonds. Zudem sei die aktuelle Ausschüttung mit circa 70 Prozent „sehr dünn“, sagte ein Anleger gegenüber dem Tagesspiegel. Er würde daher „auf alle Fälle verkaufen.“

Hotel gehört der Familie Adlon nicht mehr

Gründer-Erbe Felix Adlon sagte dem Tagesspiegel, er habe keinerlei Informationen über das Stimmungsbild unter den Anlegern: „Es ist sehr spannend für mich. Aber ich bin nur Zuschauer. Mir gehört das Hotel nicht und ich bin auch kein Anleger. Seitdem die Regierung Kohl entschieden hat, dass wir als Familie das Hotel nach der Enteignung durch die Sowjetunion nicht zurückerhalten, sind wir finanziell nicht mehr involviert.“

Dass die Jagdfeld-Gruppe das Hotel verkaufen will, habe ihn „schon ein bisschen kalt erwischt“. Vorab informiert gewesen sei er nicht.

Wichtig ist dem Adlon-Erben zudem, dass das Hotel als kurzzeitige Flucht vor dem Alltag erhalten bleibe. „Im Adlon soll Luxus nichts sein, wovor man ehrfürchtig steht, sondern in dem man sich zuhause fühlen kann.“ Viel hänge davon ab, welcher General Manager das Hotel führe: „In den vergangenen Jahren war das manchmal sehr schön und manchmal etwas steifer. Das merke ich schon an der Tür.“

Gründer Lorenz Adlon sei wichtig gewesen, dass die Mitarbeiter gern im Hotel arbeiteten. „Wenn es eine Erneuerung gab, etwa in der Wäscherei, musste das Adlon die sofort haben, um den Mitarbeitern den bestmöglichen Arbeitsplatz zu schaffen.“ Nur dann strahle das Haus.

Adlon-Nachfahre würde „sehr mutig und progressiv“ mit Hotel umgehen

Im Dezember 2022 lehnte das Verwaltungsgericht Berlin ab, ein Verfahren um die Rückübertragung des früheren Adlon-Vermögens an die Familie wiederaufzugreifen. „Wären wir mit unserer Klage nicht gescheitert, würden wir wahrscheinlich jetzt im Familienrat sitzen und versuchen, unser eigentliches Erbe zurückzukaufen. Ich würde es sofort machen. Vielleicht findet sich ja wer, das mit mir machen möchte“, sagte Adlon dem Tagesspiegel.

Würde er das Luxushotel besitzen, würde er „sehr mutig und progressiv“ damit umgehen, sagte Felix Adlon. „Ich kann mir eine rein vegetarisch-vegane Speisekarte im Adlon gut vorstellen, nicht nur Pilz-Risotto“, sagte er. „Ich habe noch kein Luxushotel gesehen, das in dieser Richtung herausragt.“

Im kommenden Jahr werden 120 Jahre Adlon und 30 Jahre seit der Wiedereröffnung des heutigen Hauses gefeiert. Dafür wollte auch Felix Adlon, der mit seiner Familie in Österreich lebt, nach Berlin kommen: „Nun müssen wir sehen, was passiert.“