DAX vor dem großen Verfall: Wie nachhaltig ist die Erholung?

Der DAX geht mit Rückenwind in den letzten Handelstag der Woche. Sinkende Ölpreise und nachlassende US-Renditen haben die Sorgen über die überraschend hawkishe Fed zunächst in den Hintergrund gedrängt und die Erholung an den Aktienmärkten befeuert. Doch vor dem Wochenende stehen mit der Bank of Japan und dem großen Verfall weitere Impulsgeber auf der Agenda. Entscheidend dürfte sein, ob der DAX die nächsten charttechnischen Hürden überwinden und die Erholung ausbauen kann.
Erholung trotz hawkisher Fed
Am Donnerstag setzte der DAX seine Erholung fort und schloss 0,8 Prozent höher bei 25.733 Punkten. Auch die Wall Street zeigte sich nach der Fed-Zinserhöhung überraschend robust. Der S&P 500 legte 1,1 Prozent zu, während der Nasdaq sogar um 1,7 Prozent stieg.
Rückenwind kam vor allem vom Öl- und Anleihemarkt. Der Ölpreis fiel auf 103 Dollar zurück, nachdem die Notierungen am Mittwoch aufgrund geopolitischer Risiken und möglicher Angebotsausfälle noch auf 109 Dollar gestiegen waren. Gleichzeitig fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 5 Prozent. Damit ließen gleich zwei Belastungsfaktoren nach, die den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zugesetzt hatten.
Bemerkenswert ist die Erholung vor allem deshalb, weil die Fed den Märkten eigentlich wenig Grund zur Euphorie geliefert hatte. Die US-Notenbank erhöhte den Leitzins am Mittwoch um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh schlug anschließend einen deutlich restriktiveren Ton an als erwartet. Auch die neuen Zinsprognosen signalisieren, dass eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr folgen dürfte.
Die Reaktion zeigt jedoch, dass Anleger derzeit stärker auf Ölpreise und langfristige Renditen schauen. Solange beide nachgeben, scheint die Aussicht auf eine weitere Straffung der Geldpolitik verkraftbar. Drehen Öl und Renditen dagegen erneut nach oben, könnte der Druck auf die Aktienmärkte schnell zurückkehren.
BoJ und großer Verfall
Am Freitag richtet sich der Blick zunächst nach Japan. Die Bank of Japan hat ihre Geldpolitik weiter gestrafft und den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben. Die Entscheidung fiel allerdings mit 7 zu 2 Stimmen weniger eindeutig aus als erhofft und dämpfte damit die Erwartungen an weitere Zinsschritte. Der Yen geriet daraufhin gegenüber dem Dollar deutlich unter Druck, was zugleich für Entspannung bei Yen-finanzierten Carry Trades sorgte.
Zusätzliche Spannung verspricht der große Verfall, der sogenannte Hexensabbat. An der Eurex laufen Futures und Optionen auf den DAX sowie zahlreiche Aktienoptionen aus. Rund um die Abrechnung können größere Umschichtungen für erhöhte Schwankungen sorgen. Konjunkturseitig stehen zudem die deutschen Erzeugerpreise und am Nachmittag die US-Industrieproduktion auf der Agenda.
DAX-Erholung stößt auf Widerstand
Charttechnisch hat sich das Bild mit der kräftigen Erholung aufgehellt. Bereits zur Eröffnung übersprang der DAX den Widerstand bei 25.580 Punkten und stieg anschließend bis auf ein Tageshoch von 25.800 Punkten. Dabei überwand er auch die Widerstandszone bei 25.731 bis 25.761 Punkten. Die dort verlaufende 50-Tage-Linie bei 25.761 Punkten konnte er per Schlusskurs allerdings nicht zurückerobern. Auch die Hürde bei 25.800 Punkten hielt zunächst stand.
Bullisches Szenario: Der DAX dürfte zunächst tiefer in den Handel starten. Wichtig ist daher, dass er die Unterstützung bei 25.580 Punkten verteidigt. Auf der Oberseite könnte zunächst die breite Widerstandszone zwischen 25.730 und 25.760 Punkten die Erholung bremsen. In diesem Bereich verläuft bei 25.758 Punkten auch die 50-Tage-Linie. Gelingt anschließend der Sprung über das Tageshoch bei 25.800 Punkten, dürfte sich die Erholung fortsetzen. Darüber liegen die nächsten Anlaufmarken bei 25.920 und 26.025 Punkten.
Bärisches Szenario: Nach dem kräftigen Anstieg hat der DAX kurzfristig bereits einiges an Pulver verschossen. Seit dem Tief vom 15. September bei 25.172 Punkten hat er in der Spitze 628 Punkte aufgeholt. Ein Rücksetzer wäre daher keine Überraschung. Eine erste Unterstützung liegt bei 25.672 Punkten. Darunter könnte das Ausbruchsniveau bei 25.580 Punkten erneut in den Fokus rücken. Ein Rückfall darunter würde das Bild wieder eintrüben und das Gap bei 25.537 Punkten ins Visier rücken.
DAX-Widerstände: 25.729, 25.758 (SMA50), 25.800 (TH), 25.920, 26.025
DAX-Unterstützungen: 25.672, 25.596 (TT), 25.580, 25.537 (Gap), 25.490, 25.382

Dax-Chart auf TradingView-Basis
Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Handelsempfehlung dar.

Über den RedakteurStefan Jäger
Finanzjournalist und Trader
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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