Deal oder Vernichtung: Trumps Drohung vor der Weltgemeinschaft

UN-Vollversammlung

Deal oder Vernichtung: Trumps Drohung vor der Weltgemeinschaft

Krieg, miese Umfragewerte, eine drohende Wahlschlappe: Für Donald Trump läuft gerade kaum etwas rund. Wer ihm vor den Vereinten Nationen zuhört, fragt sich allerdings, ob er das mitbekommen hat

Benno Schwinghammer

Ein großer Saal mit dem Emblem der Vereinten Nationen (eine Weltkarte, umgeben von Lorbeerzweigen) an einer goldfarbenen Wand. Rechts im Bild zeigt ein Bildschirm eine Person am Rednerpult.
Donald Trump nützte die große Uno-Bühne wieder einmal für Drohungen.

Es ist kurz nach halb elf Uhr vormittags in New York, als Donald Trump vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen Worte ausspricht, die zeigen, wie weit sich der US-Präsident von den moralischen Normen der Weltgemeinschaft entfernt hat. "Ich stehe vor einer folgenschweren Entscheidung", kündigt er mit der Stimme eines Mannes an, der eine besonders gute Geschichte im Köcher hat.

Es könne einen Friedens-Deal mit dem Iran geben, mit dem Trumps USA seit fast sieben Monaten in einen desaströsen Krieg verstrickt sind. Hinten im voll besetzten Kuppelsaal am East River sitzt derweil einziger iranischer Diplomat niederen Ranges auf dem Platz von Präsident Massud Peseschkian – ein bewusstes Zeichen der Geringschätzung für den US-Präsidenten. Der Diplomat blickt stoisch zum Rednerpult, als Trump sagt: "Oder vernichte ich die Islamische Republik – und zwar rasch?"

Viele werden diese Worte als Säbelrasseln mit Atomwaffen verstehen, als Muskelspiel mit einem Völkermord, als einen Tiefpunkt in der Geschichte des größten diplomatischen Treffens der Welt. Für den zutiefst unbeliebten US-Präsidenten ist es dagegen nur eine weitere Entgleisung, mit der er die Grenzen des Sagbaren verschiebt. Eine ähnliche Drohung hatte er schon einmal auf seiner Plattform "Truth Social" ausgesprochen. Noch nie aber vor der Weltorganisation, die die USA einst zur Wahrung des Weltfriedens mitgegründet hatten.

Rede an die Welt

Für Donald Trump ist die Rede bei der Generaldebatte der Vereinten Nationen einer der Höhepunkte seines Jahres. In seiner Heimatstadt New York kann er von Angesicht zu Angesicht zur Welt sprechen – und die Welt hört zu. Einige UN-Diplomaten sind sich sicher, dass allein dieses Privileg der Grund ist, warum Trump die UN-Mitgliedschaft der USA nicht längst aufgekündigt hat.

Am Dienstag um 10:26 Uhr ist es so weit. Kaum hat der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva seine Rede beendet, wird es unruhig in der Vollversammlung. Die sonst so förmlichen Diplomaten halten ihre Handys in die Höhe, Vertreter aus Angola und Turkmenistan, Mauritius und Argentinien filmen den Einmarsch des US-Präsidenten in den prunkvollen Saal, der als Parlament der Welt gilt. Der Applaus ist höflich, aber keineswegs überschwänglich.

Mehr als 30 Minuten lang spult Trump all seine Klassiker ab: Amerika sei wirtschaftlich stärker, militärisch aggressiver, begehrter und gefürchteter als jemals zuvor. Er selbst

habe die "außergewöhnlichste Nation der Geschichte" zu altem Ruhm zurückgeführt. Seine Botschaft an die Vertreter aus aller Welt: Nehmt Euch ein Beispiel an uns. An mir.

Trump macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Seine Delegation um Außenminister Marco Rubio, der auch seine Frau Melania angehört, klatscht eifrig. Der Großteil der Menschen im Saal scheint den Auftritt aber nicht wie die Rede des mächtigsten Mannes der Welt zu behandeln, sondern eher wie ein Schauspiel, das irgendwo zwischen unterhaltsam und furchteinflößend changiert.

Eine Supermacht, die "gar nicht so super" ist

Eine Stunde zuvor, der US-Präsident ist noch gar nicht im Saal, prangert UN-Generalsekretär António Guterres die Alleingänge von Trump und anderen an. Namen nennt er nicht. Doch jeder im Saal weiß, wen der scheidende UN-Chef meint, als er sagt, der Einfluss der Supermächte habe Grenzen. Ihre Macht sei eben "gar nicht so super". Am Ende bekommt der 77-Jährige stehende Ovationen.

In der Tat hat Trumps Bilanz mit der eigenen Lobhudelei fast nichts zu tun. Der Iran-Krieg wird immer mehr zum Desaster, Teheran hält die Straße von Hormus für Öltanker und andere Schiffe geschlossen, was auch in den USA Spritpreise und Inflation hochtreibt. Eine schwere Niederlage bei den Zwischenwahlen im November halten viele für ausgemacht. Trump wirkt machtlos, ideenlos, hilflos – und redet lieber über geplante Prunkbauten.

All diese Probleme könnte Trump hier ansprechen, einen Ausweg aus dem Krieg skizzieren. Stattdessen geriert er sich erneut als internationaler Friedensengel: "Während andere über Frieden sprachen, habe ich Frieden geschaffen." Auf der Zuschauertribüne schnaubt eine Frau hörbar.

Vor Trump sitzen Spitzenpolitiker, deren Welt er in ihren Grundfesten erschüttert hat: die venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez, deren Vorgänger Nicolás Maduro er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion festnehmen ließ, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Für Deutschland sitzt Außenminister Johann Wadephul auf den blassgrünen Stühlen des Saals. Besonders interessiert wirkt er nicht, als er auf seinem Handy herumtippt.

Ein neues Wort

Für Spektakel sorgt Trump bei den UN verlässlich. Im vergangenen Jahr warf er der Organisation Sabotage vor, weil eine Rolltreppe stehen geblieben war und der Teleprompter nicht funktionierte. In diesem Jahr hat Trump einen Vorschlag zur Künstlichen Intelligenz mitgebracht.

Er lehne ein "globalistisches Konzept zur Kontrolle" von KI ab, sagt Trump – obwohl Experten vor immensen Gefahren der Technologie warnen, sollte sie unreguliert bleiben. Vor allem aber passe der Name nicht: Künstliche Intelligenz sei gar nicht künstlich, das

klinge nach etwas Unechtem. Die US-Regierung werde deshalb künftig den Begriff "Superintelligenz" verwenden. "Mit anderen Worten: Willkommen in der neuen Welt der Superintelligenz – SI", erklärt Trump.

Den Rest der Rede arbeitet sich Trump an seinen politischen Widersachern ab, an der Klimakrise, der Migration und an den aus seiner Sicht viel zu linken Idealen der Vereinten Nationen. Er lobt ein Abkommen zu Grönland, jener Insel, die er nun zwar nicht wie geplant annektieren kann, doch zumindest zwei neue Militärbasen ins Eis baut.

Sorgen vor einer schallenden Niederlage bei den Zwischenwahlen wischt Trump derweil beiseite. Er stehe ohnehin nicht selbst zur Wahl. Und zur Hoffnung einiger, aber dem Graus vieler, fügt er hinzu: "Ich werde noch zweieinhalb Jahre lang hier sein." Durch den Saal geht ein Murmeln. (Benno Schwinghammer aus New York, 22.9.2026)

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