Nächstes Milliarden-Debakel am BER: Für diesen Regierungsluxus muss am Ende der Steuerzahler zahlen
Debakel auf Steuerzahlerkosten: Regierungsterminal am Flughafen BER achtmal teurer
Stand: 03.10.2026, 20:35 Uhr
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Erst ein 70-Millionen-Euro-Provisorium, jetzt eine Milliardenplanung. Am Flughafen BER wächst der Regierungskomplex – und die entscheidende Rechnung wird immer teurer.
Berlin – Der längst eröffnete Flughafen BER bringt eine neue Milliardenrechnung: Für den Regierungskomplex könnten statt 344 Millionen Euro bis zu 2,5 Milliarden fällig werden. Fast das Achtfache. Doch auch das ist keine Endabrechnung, sondern eine Prognose für ein Projekt, dessen Finalisierung bei weitem nicht abgeschlossen ist.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt) führt den Fall im Schwarzbuch 2026/27 als drastisches Beispiel für die Verschwendung von Steuermitteln. Dabei strich die Bundesregierung 2022 zunächst das repräsentative Terminal; zwei Jahre zuvor war ein 70-Millionen-Euro-Interimsterminal in Betrieb gegangen. Der Rotstift verschwand jedoch wieder – und aus dem strapazierten Bundeshaushalt wird in den kommenden Jahren viel Geld dafür aufgewendet.
Flughafen BER: Regierungsterminal wird zum Milliardenprojekt
Der Neubau des Berliner Hauptstadtflughafens hat bislang Schätzungen zufolge mehr als sieben Milliarden Euro gekostet: Trotz des Sparbeschlusses vor wenigen Jahren ist längst ein größerer Regierungskomplex geplant. Der wird offenbar deutlich teurer, als ursprünglich veranschlagt.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verweist auf mehr Flächenbedarf, größere Flugzeuge und höhere Sicherheitsanforderungen. Das Areal am BER soll von 30 auf knapp 60 Hektar wachsen; geplant sind Stabsgebäude, Hangars, Betriebsbauten, Rollwege und eine Unterflurbetankungsanlage. Fertig werden soll alles spätestens 2038.
Regierungsterminal: Mehr Abstellpositionen als Regierungsflieger
Für das Regierungsterminal sind 26 Abstellpositionen vorgesehen. Der Bund der Steuerzahler kritisiert, es gebe mehr Plätze als Regierungsflugzeuge. Das Verteidigungsministerium erklärt gegenüber Bild: „Zu den 18 Abstellpositionen kommen die Bedarfe des Auswärtigen Amtes mit drei Protokollpositionen sowie vier Gastpositionen hinzu.“
Eine weitere Position sei zudem als Enteisungsfläche vorgesehen. Die Ministerien und deren Berater kalkulieren Protokoll-, Gast- und Enteisungsbedarf; der Verband bezweifelt, dass jede Reservefläche nötig ist und sieht eine mangelnde Kostenkontrolle.
BER: Zum Flughafenumbau kommt die Erneuerung der Luftfahrzeuge
Der Preis für das neue Gebäude mitsamt Vorfeld ist nicht die ganze Rechnung: Berichten zufolge drängt das Verteidigungsministerium bis zur Eröffnung auf den Austausch etwa der Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge sowie aller drei Hubschrauber. Diese Beschaffungskosten lassen die Ausgaben weiter anwachsen.
Schon drei neue A350-Langstreckenmaschinen kosteten den Bund rund 1,2 Milliarden Euro. Wo es jedoch effizienter wird: Die geplante Verlegung von Köln-Wahn nach Schönefeld wird den Standort bündeln. Laut Ministerium war im ersten Halbjahr rund die Hälfte der Flüge ohne Passagiere unterwegs. Diese betriebliche Altlast sollte dann der Vergangenheit angehören.
Berlin: Milliardenprojekt, Standortnutzen, Verteilung
In Zeiten eines Staatshaushalts mit historischen Schulden gilt für derartige Kostenentwicklungen: Die neue Infrastruktur am Berliner Flughafen Schönefeld bindet Milliardengelder – die an anderer Stelle fehlen. Das betrifft Kitas, Kommunen oder auch den Verkehr, wenn wieder mal die Kosten steigen, wie beim Deutschlandticket.
Staatsflüge erfüllen protokollarische und sicherheitspolitische Aufgaben; ein Verzicht ist keine Option. Wirtschaftlichkeit verlangt jedoch, Bedarf, Alternativen und Risiken offenzulegen. Der Bund der Steuerzahler fordert: „Der Regierungsflugbetrieb muss sich am funktionalen Bedarf orientieren – nicht an immer neuen Ausbauwünschen.“
Schloss Bellevue: Ein weiterer teurer Staats(um)bau
Im Schwarzbuch steht auch Schloss Bellevue. Der Bund der Steuerzahler kritisiert die Generalsanierung des Amtssitzes: Vier Teilbaumaßnahmen summierten sich inklusive Risikopuffer auf 860 Millionen Euro. „Geld spielt keine Rolle“, rügt der Verein. Das Bundespräsidialamt äußerte sich laut den vorliegenden Angaben bislang nicht zur Kritik.

Regierungsterminal und Amtssitz erfüllen unterschiedliche Aufgaben; beide Male muss der Staat Nutzen gegen Kosten abwägen. Für den Flughafen BER sagt die BImA: „Die finalen Projektunterlagen werden bis 2028 weiter konkretisiert.“ Bis dahin bleiben bis zu 2,5 Milliarden Euro eine vorläufige Kalkulation – und weitere Kosten möglich. (Verwendete Quellen: Bund der Steuerzahler, Märkische Allgemeine, Berliner Morgenpost, RBB24, Bild.de, eigene Recherche)