"Fiasko" auf der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln: Muss die Bahn ihre Sanierungspläne ändern?

Zuletzt gab es bei den Generalsanierungen auch außerhalb von NRW Probleme. So verzögerte sich die Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin. Vor wenigen Tagen musste die Bahn außerdem verkünden, dass sie auch die Strecke Nürnberg-Regensburg in Bayern erst mit Verspätung wieder in Betrieb nehmen kann.

Bahn-Sanierung: Ressourcenmangel sorgt für Schwierigkeiten

Am Geld liege es nicht, betont Böttger. Mit den Generalsanierungen stehe der Bahn nun ungefähr doppelt so viel Geld zur Verfügung wie zuvor. Aber es gebe einen Ressourcenmangel an allen Ecken. Industrie, Baufirmen, Planungsbüros und auch Projektsteuerer hätten sich über die Jahre an die zur Verfügung stehenden Mittel angepasst, jetzt könne man zum Beispiel die benötigten Mitarbeiter nicht über Nacht ausbilden.

Die GDL weiß nach vielen Gesprächen mit Vertretern der Bauwirtschaft: Die Unternehmen benötigten frühzeitige Klarheit, welche Projekte wann, in welchem Umfang und unter welchen finanziellen Bedingungen umgesetzt werden sollen. Nur auf dieser Grundlage könnten sie Personal-, Maschinen- und Materialkapazitäten aufbauen.

"Wer von der Bauwirtschaft kurzfristig maximale Leistung verlangt, ihr aber keine langfristige Auftrags- und Finanzierungssicherheit bietet, darf sich über Kapazitätsengpässe und steigende Kosten nicht wundern." Mario Reiß, GDL-Bundesvorsitzender

Auch Bundesverkehrsminister Schnieder sieht Defizite

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat Defizite bei den Generalsanierungen eingeräumt. "Wir haben nicht alle Ziele erreicht, die wir vorher vereinbart haben", sagte der CDU-Politiker in einem Podcast von "Politico". Auch Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte bereits mögliche Änderungen am Sanierungskonzept ins Gespräch gebracht. Wie genau die aussehen könnten, ist allerdings noch unklar.

Wie ließen sich die Bahn-Sanierungen besser umsetzen?

Der GDL-Vorsitzende Reiß hatte sich schon in der Vergangenheit kritisch über die Generalsanierungen geäußert. Eine Rückkehr zum "früheren System kleinteiliger Dauerbaustellen und immer neuer kurzfristiger Sperrungen" sei jedoch keine Alternative, stellt der Gewerkschaftschef auf WDR-Anfrage klar.

Aber wenn eine Strecke über Monate vollständig gesperrt werde, müssten die verfügbaren Bauzeiten auch konsequent genutzt werden. Eine Vollsperrung über mehrere Monate sei nur dann zu rechtfertigen, "wenn sämtliche relevanten Anlagen belastbar untersucht, die notwendigen Arbeiten vollständig erfasst und die Bauabläufe einschließlich aller Schnittstellen verlässlich durchgeplant wurden".

WDR-Bahnexperte: Grundidee der Generalsanierungen nach wie vor sinnvoll

Auf der Strecke Köln-Wuppertal-Hagen habe man etwa die Stellwerke nicht erneuert und auch nicht überall die Oberleitung - und eben auch nicht alle Brücken saniert. "So macht dieses Konzept natürlich nur bedingt Sinn", findet Hoth. Und der WDR-Reporter betont: Vor allem die Kommunikation bei der Bahn müsste an dieser Stelle verbessert werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Krischer (Grüne)
  • WDR-Gespräch mit Prof. Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • WDR-Anfrage bei der Lokführergewerkschaft GDL
  • Einschätzungen von WDR-Bahnexperte Niklas Hoth
  • Bundesverkehrsminister Schnieder im Politico-Podcast "Berlin Playbook"
  • Material der Nachrichtenagentur dpa

Sendung: wdr.de, Warum es bei der Bahn-Sanierung Probleme gibt, 13.07.2026, 17 Uhr.