Debatte über Schulpause: Eltern in Spanien kämpfen mit zwölf Wochen Ferien
Debatte über Schulpause Eltern in Spanien kämpfen mit zwölf Wochen Ferien
17.08.2026 · 07:49 Uhr
Menschen sonnen sich und schwimmen am Strand von Arenal auf Mallorca. (Archiv)
Foto: Clara Margais/dpa/Clara Margais
Madrid · In Spanien müssen Eltern bis zu zwölf schulfreie Wochen ihrer Kinder organisieren. Ferienlager und Reisen kann nicht jede Familie bezahlen. Damit wird die Sommerpause zur sozialen Frage
„Was mache ich mit den Kindern?“ So brachte der spanische Radiosender SER dieser Tage die Frage auf den Punkt, die sich im August in unzähligen spanischen Haushalten stellt. Denn während die Kinder im Sommer zweieinhalb Monate schulfrei haben, arbeiten ihre Eltern weiter.
Wer Großeltern hat, bringt die Kinder zu ihnen. Wer es sich leisten kann, bucht ein Ferienlager oder eine Sommerschule. Und wer weder das eine noch das andere hat, beginnt zu rechnen und Urlaubstage zwischen Vater und Mutter aufzuteilen.
Spanien plant Ferien weitgehend einheitlich
Die Ferienfrage stellt sich im südeuropäischen Spanien anders als in Mitteleuropa. Während zum Beispiel in Deutschland wieder einmal darüber gestritten wird, warum Bayern und Baden-Württemberg spät und andere Bundesländer früh in die Sommerferien gehen, kennt Spanien diesen Streit kaum.
Die 17 spanischen Regionen (vergleichbar mit Bundesländern oder Kantonen) legen ihre Schulkalender zwar selbst fest, doch bei den großen Ferien liegen sie dicht beieinander. Meist endet der Unterricht in der zweiten Junihälfte, Anfang oder Mitte September geht es wieder los. Dazwischen liegen zehn, elf, manchmal fast zwölf schulfreie Wochen.
„Die Familien müssen ein regelrechtes Tetris spielen, um die schulfreien Tage abzudecken“, erklärt der Familienverband Alianza por la Crianza (Bündnis für die Erziehung). „Das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Tetris ist ein Computerspiel-Klassiker, bei dem unterschiedlich geformte Bausteine so verschoben werden müssen, dass sie lückenlos zusammenpassen.
Lange Pausen führen zu Lernverlusten
Ob eine derart lange Sommerpause noch in die Zeit passt, wird in Spanien seit Jahren diskutiert. In diesem Sommer geht es dabei vor allem um die Folgen. Eine davon ist nach Meinung von Bildungsforschern der Lernverlust während der langen Ferien. Vor allem Fähigkeiten, die über Wochen wenig gebraucht werden, könnten nachlassen. Besonders deutlich zeige sich das in der Mathematik.
Doch der Lernverlust trifft nicht alle Kinder gleichermaßen. Wer im Sommer reist, liest, ein Ferienlager oder einen Sprachkurs besucht, bekommt auch außerhalb der Schule viele Anregungen. In Familien mit wenig Geld fehlen solche Möglichkeiten häufiger. Die lange Sommerpause werde damit auch zur sozialen Frage, heißt es.
Wie groß die Unterschiede sind, zeigen aktuelle Zahlen aus der spanischen Mittelmeerregion Katalonien: Sechs von zehn Kindern und Jugendlichen nehmen dort während des Sommers an keinen organisierten Freizeitaktivitäten teil. Jede dritte Familie kann sich nicht einmal eine Woche Urlaub im Jahr leisten. Sobald die Schule schließt, hängt also vieles davon ab, was die Eltern bezahlen können.
Auch Österreich diskutiert kürzere Ferien
Auch in Österreich ist eine Debatte über die Länge der Sommerferien aufgekommen. Die Wiener Pflichtschulelternvertretung fordert, die neunwöchige Pause auf sechs Wochen zu verkürzen. Ihr Vorsitzender Georg Brockmeyer hält wenig vom historischen Argument, die langen Ferien seien einst auch wegen der Mithilfe der Kinder in der Landwirtschaft nötig gewesen: „Zum Heuen muss heute wohl niemand mehr“, sagte er dem Österreichischen Rundfunk (ORF).
Einfach die Ferien zu kürzen, ist allerdings für Spanien auch keine überzeugende Lösung. Pädagogen weisen darauf hin, dass Kinder nach einem langen Schuljahr Erholung brauchen.
Die spanische Bildungsexpertin Alejandra Melús hält auch wenig davon, Kinder in den Ferien mit Arbeitsblättern und Nachhilfe zu beschäftigen. In einem Beitrag für Spaniens größte Tageszeitung El País plädiert sie für spielerisches Lernen und vor allem für Erholung.
Lesen könne etwa dadurch gefördert werden, dass Kinder selbst interessante Comics oder Bücher auswählen dürfen. Auch mit Brettspielen könne man Lernen und soziale Fähigkeiten einüben. Ihr Fazit: Der Lernverlust in den langen Sommerferien sei real, sollte aber mit Motivation, Spiel und Begleitung statt mit monotonem Pauken aufgefangen werden.
Hitze erschwert einen früheren Schulbeginn
Spanien hat außerdem einen starken Einwand gegen kürzere Sommerferien, gegen den sich schwer argumentieren lässt: das Thermometer.
In Sevilla, Córdoba oder Madrid sind Temperaturen von 40 Grad im Juni und auch noch Anfang September längst keine Seltenheit. Viele ältere Schulgebäude sind auf solche Hitze nicht ausreichend vorbereitet und haben oftmals auch keine Klimaanlagen. Wer das Schuljahr weiter in den Sommer hinein verlängern oder schon Ende August wieder beginnen lassen will, müsste also vielerorts zunächst die Klassenzimmer hitzetauglich machen.
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