Debatte um Ladenöffnungszeiten: Mehrheit will Händlern bei Sonntagsöffnung freie Wahl lassen
Debatte um Ladenöffnungszeiten Mehrheit will Händlern bei Sonntagsöffnung freie Wahl lassen
20.07.2026 · 17:46 Uhr
Eine Mehrheit will auch sonntags in der Stadt shoppen.
Foto: Bettina Engel-Albustin/Moers Marketing
Düsseldorf · Etwa 58 Prozent der Menschen wollen, dass Händler selbst darüber entscheiden können, ob sie sonntags öffnen. Die Gewerkschaft Verdi will im Zweifel bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.
Manche Ergebnisse von Befragungen lassen den Leser durchaus staunen. Wie jene des Internetportals Web.de, derzufolge sich eine Mehrheit der Menschen in Deutschland dafür ausspricht, Geschäften künftig mehr Spielraum bei der Sonntagsöffnung zu geben. Händler sollen selbst entscheiden können, ob sie ihre Geschäfte sonntags öffnen – dafür votierten 58 Prozent der Befragten, während nur jeder Dritte diesen Vorstoß als falsch bezeichnete.
Und das in einer Zeit, in der die Menschen zunehmend sparen statt zu konsumieren (also womöglich auch sonntags nicht bereit sind, zusätzlich Geld auszugeben) und in der viele den bequemen Online-Kauf vom Sofa unabhängig vom Wochentag dem Besuch in der Innenstadt vorziehen. Diese Haltung schreiben viele vor allem jungen Menschen zu, in deren Altersgruppe es der Umfrage zufolge aber die meisten Befürworter für eine Sonntagsöffnung gibt. Etwa 61 Prozent seien das unter den 18- bis 29-Jährigen gewesen, heißt es.
Einzelhandel wirft Verdi „Totalverweigerung“ vor
Solche Zahlen sind natürlich Wasser auf die Mühlen des Einzelhandels, Kostenpflichtiger Inhalt dessen Vertreter sich jüngst bereits für flexiblere Öffnungszeiten ausgesprochen hatten, nachdem die Bundesregierung angekündigt hatte, dass ab dem kommenden Jahr Beschäftigte in Bäckereien und Konditoreien an Sonn- und Feiertagen länger arbeiten dürfen sollen. Da war der Handel natürlich sofort dabei, für sich ähnliche neue Freiheiten zu beanspruchen. Der Branchenverband HDE glaubt nach den Worten seines Hauptgeschäftsführers Stefan Genth daran, mithilfe der Sonntagsöffnungen Innenstädte „attraktiv und lebendig zu halten“ und wirft der Gewerkschaft Verdi eine „Totalverweigerung“ bei der Lockerung der Sonntags-Öffnungszeiten vor.
Doch in der Frage könnte sich der Handel wieder einmal die Zähne an Verdi ausbeißen. Eine Aussage von Silke Zimmer verdeutlicht die Kampfbereitschaft der Gewerkschaft in dieser Angelegenheit: „Der Sonntag ist und bleibt eine soziale Errungenschaft, die wir als starke Vertretung der Beschäftigten, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht, verteidigen werden“, erklärte Zimmer, die Mitglied im Bundesvorstand von Verdi ist. Der HDE-Vorschlag bleibe der falsche, arbeitnehmerfeindliche Ansatz.
Wird Sonntagsöffnung Argument bei Tarifgesprächen?
„Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt.“ Statt den Beschäftigten im Handel ihren letzten freien Tag in der Woche zu nehmen, sollte sich der Handelsverband „endlich mit einem verhandlungsfähigen Angebot in der laufenden Tarifrunde seiner sozialen Verantwortung stellen“, so Zimmer.
Wird die Sonntagsöffnung am Ende vielleicht sogar zum Argument bei den Tarifgesprächen? Bis zu deren Fortsetzung wird es allerdings zumindest in Nordrhein-Westfalen noch ein bisschen dauern. Nachdem es in der vierten Verhandlungsrunde Ende Juni keinen Fortschritt gegeben hatte, werden die Gespräche für die Beschäftigten in NRW nämlich erst am 26. August fortgesetzt.
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