Kurz vor Bundesliga-Start strebt die Eintracht nach Verbesserung

Defensive Fragezeichen bei Eintracht Frankfurt trotz Pokal-Spektakel

Stand: 23.08.2026, 13:16 Uhr

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Große Rückschlüsse lassen sich aus dem historischen Katersieg der Eintracht nicht ziehen, aber sehr wohl ein paar Fingerzeige: Im Angriff läuft’s, in der Defensive nicht.

Und jetzt? Wie ist der Stand der Dinge im Kosmos von Eintracht Frankfurt? Es sieht ja so aus: Erst fünf mehr oder weniger souveräne Siege in der Vorbereitung, dann diese fiese-miese 0:7-Abreibung in England samt vernichtender Kritik im Anschluss. Und nun dieser erinnerungswürdige Coup in der pittoresken Grotenburg-Kampfbahn zu Krefeld, eine 11:0‑Demonstration gegen den überforderten Oberligisten SC St. Tönis, zweistellig schon zur Halbzeit, 10:0.

fussball DFB Pokal 1.Runde, SC St.Tönis - Eintracht Frankfurt

In aller Eintracht: Die Frage aber bleibt: Wo stehen die Frankfurter vor dem Bundesligastart? © Jan Huebner

Heißt: Höchste Pausenführung in der langen Historie des Wettbewerbs, höchster DFB-Pokalsieg der noch längeren Eintracht-Geschichte. Die Rekorde purzeln. Läuft also. Oder? Mal bei Mario Götze nachhaken, der muss es ja wissen, hat fast alles erlebt, Hochs und Tiefs, war 2014 auf dem Olymp (WM-Titel-Torschütze) und später in der Niederung des Fußballs (Dauerdruck, Abstellgleis, Krankheit).

Eintracht Frankfurt sucht nach defensiver Stabilität

Doch selbst der einst tief gefallene, aber längst wieder aufgestandene Altmeister tappt auch mit 34 Lenzen noch im Dunkeln, denn: „Am Anfang weißt du nie, wo du stehst und wohin die Reise geht.“ Das Leistungsvermögen und die Konkurrenzfähigkeit lassen sich noch immer schwer einordnen. Klar ist nur: „Die Bundesliga ist ein anderes Kaliber.“

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Eine treffende Einschätzung, die schon am Samstag zum Start bei Union Berlin dem Praxistest unterzogen wird. „Da steht ein ganz anderes Spiel vor der Tür“, bemerkt Adi Hütter, der erst nach der ersten, durch Länderspiele bedingten Pause ein ganz vorsichtiges Start-Resümee ziehen will. „Wo wir genau stehen, werden wir nach den ersten vier Spieltagen sehen.“

Natürlich lässt diese furiose erste Hälfte in Krefeld keine Rückschlüsse auf die bevorstehende Saison zu, dafür war der Gegner viel zu dünnbrüstig und auch naiv. Die Tönis-Kicker rannten im Übermut in ihr Verderben, wollten mitspielen und waren dann hinten offen wie ein Scheunentor. Erst in der zweiten Halbzeit änderten sie die Herangehensweise, traten deutlich defensiver und kompakter auf.

Und weil die Frankfurter es ruhiger angehen ließen, schossen sie nur noch ein Tor. Chefcoach Hütter bewertete den Auftritt als sehr seriös: „Wir haben uns so präsentiert, wie sich ein Bundesligist präsentieren muss.“ Tönis-Trainer Bekim Kastrati lauschte den Ausführungen gebannt, nur um dem Kollegen dann mit dröhnendem Organ, das eigentlich den Einsatz eines Mikros überflüssig gemacht hätte, Honig um den Mund zu schmieren. „Das ist eine brutal starke Mannschaft mit unfassbarer Qualität.“

Der Ex-Profi, dies am Rande der Bande, ist ein echtes Original, fast schon kultig auch seine mitgeschnittene Heißmachansprache in der Kabine. „Grätscht mal den Uzun weg, rettet den Ball auf der Linie und haut vorne die Dinger rein.“ Hat alles nicht so ganz geklappt. Aber, nun gut, der Wille zählt.

Gelingt der SGE defensive Stabilität?

Gerade dieser Uzun war für den Fünftligisten nie zu stoppen. Zwei Tore machte der Kreativkopf selbst, drei bereitete er vor. Man of the Match. Und auch die anderen Offensiven wussten zu überzeugen. Bei aller Vorsicht: Doch eine Erkenntnis der Vorbereitungszeit könnte sein, dass das Angriffsspiel ganz gut funktioniert.

Da stimmen die Abläufe, die Lust am Zocken, die Kreativität. Ayoube Amaimouni, eingesprungen für den angeschlagenen Ritsu Doan, machte beispielsweise ein richtig gutes Spiel, kombinationsstark, dribbelgewandt, fleißig. Seine Laufleistung war überragend – bis zur Pause über sieben Kilometer, das ist ein Spitzenwert“, urteilte der Fußballlehrer.

Auch Jonathan Burkardt bewies einmal mehr seinen Torriecher und seine Frühform: Dreierpack im ersten Abschnitt. Gestoppt werden konnte er erst nach der Partie, nur durch einen Infekt, der seinen geplanten Besuch im „Aktuellen Sportstudio“ verhinderte. Der 26-Jährige musste schweren Herzens absagen. Dabei hätte er mal ein paar schöne Botschaften platzieren können, sicher auch in Richtung Bundestrainer Jürgen Klopp. Am besten ist aber sowieso, er lässt Tore sprechen. Vielleicht schon am Samstag in Berlin – wenn er bis dahin wieder topfit auf dem Damm ist.

Die Problemzone der Eintracht bleibt eindeutig die Abwehr. Selbst gegen harmlose Feierabendkicker wackelte die Hintermannschaft manches Mal. Gerade bei schnellen Gegenangriffen oder Pässen in die Tiefe wirkt die Deckung unorganisiert, da fehlt auch das nötige Tempo. Abhilfe soll geschaffen werden, ante portas: der Franzose Lilian Brassier (26) von Stade Rennes (siehe weiteren Bericht). Gegen stärkere Gegner könnte zudem die Dreierkette ein probates Mittel sein.

Und klar ist auch, dass die beiden Außenverteidiger ihre Tauglichkeit auf höchstem Niveau erst noch nachweisen müssen. Hinter Elias Baum (erstes Pflichtspieltor als Profi für seinen Heimatverein) und Keita Kosugi (drei Vorlagen) stehen gewissermaßen noch Fragezeichen. Können Sie es auch in der Bundesliga schaffen, mithalten und der Mannschaft eine Hilfe sein? Am besten hält man es auch da mit dem alten Hasen Mario Götze: „Am Anfang weißt du nie, wo du stehst.“ Passt, fast immer irgendwie.