Demografie und Familienplanung: Auch wegen der Wohnungsnot gibt es zu wenig Kinder
Der Kinderwunsch in Deutschland nimmt ab. Globale Krisen, Wohnungsnot und Arbeitsmarkt sind Hindernisse für die Familiengründung.
Foto: Wolfgang Thieme/picture-alliance/Zentralbild/dpa
Es sind schlechte Nachrichten für die Millennials und die Gen Z: Der Kinderwunsch der jungen Leute in Deutschland geht zurück. Damit wird die Bevölkerung in Deutschland auch in fernerer Zukunft weiter schrumpfen und den Rentenkassen Probleme bereiten. Schuld an der Entwicklung sind Zukunftssorgen angesichts globaler Krisen wie Klimawandel und Kriege, aber auch ganz banal vor Ort der Wohnungsmangel und Probleme auf dem Arbeitsmarkt.
Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Basis von Daten des familiendemografischen Panels FReDA, die am Mittwoch vorgestellt wurde. Dabei werden regelmäßig in Deutschland 30.000 Personen befragt.
Die Geburtenrate in Deutschland ist vom Jahr 2021 bis zu 2025 von rechnerisch 1,58 auf 1,32 Kinder gefallen. Dies entspricht dem Trend in der EU, wo die durchschnittliche Geburtenrate auf 1,34 Kinder im Jahre 2024 absackte. Niedrige Geburtenraten von 1,3 oder 1,4 Kindern pro Frau führen laut der BiB-Untersuchung dazu, „dass die nächste Generation etwa ein Drittel kleiner wird“, sofern keine Zuwanderung erfolgt.
Der Kinderwunsch ist in der Regel stärker, als dann tatsächlich Geburten darauf folgen. In der neuesten Erhebung von 2024/25 lag der rechnerische durchschnittliche Kinderwunsch der Frauen bei 1,69 Kindern und der der Männer bei 1,64. Diese Ziffer ist seit den Jahren 2022/23 zurückgegangen. Damals wünschten sich die Befragten umgerechnet rund 1,8 Kinder.
Der Kinderwunsch liegt damit niedriger als die Vorstellungen von einer idealen Elternschaft: Konstant über die Jahre sahen die jungen Leute im Alter zwischen 18 und 39 Jahren eine Familie mit zwei Kindern als ideale Konstellation an, ergaben die Befragungen.
„Viele Menschen bekommen weniger Kinder, als es ihrem eigentlichen Familienideal entspricht“, sagte Martin Bujard, Co-Autor der Studie. Eine Erklärung für diese Entwicklung liege in den vielfältigen globalen Krisenerfahrungen und in Mängeln der Daseinsvorsorge, heißt es in der Studie. Besonders viele der Befragten sorgten sich wegen der militärischen Konflikte. Dann folgten in leichten Abstufungen eine geschwächte Demokratie, der Klimawandel und Wirtschaftskrisen.
Erstmals wurde im FReDA-Panel aber auch nach den Sorgen angesichts der konkreten Lebensbedingungen vor Ort gefragt. Danach waren mehr als 70 Prozent der jungen Befragten, darunter Kinderlose und Eltern, nicht zufrieden mit dem Wohnungsangebot in ihrer Region. Mehr als 40 Prozent waren unzufrieden mit den Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vor Ort.
Die Absicht, demnächst ein Kind zu bekommen, erhöhe sich um fünf Prozent, wenn Wohnungs- und Arbeitsangebote zufriedenstellend seien, sagte Co-Autorin Carmen Friedrich. Der Kinderwunsch sinke um zehn Prozent, wenn man sich sehr große Sorgen um globale Krisen mache.
Eine frühere Untersuchung des United Nations Population Fund (UNFPA) hatte im vergangenen Jahr ergeben, dass in Deutschland 18 Prozent der Befragten angaben, fehlender Wohnraum und hohe Wohnkosten hinderten sie daran, so viele Kinder zu bekommen, wie sie sich ursprünglich wünschten. 25 Prozent gaben finanzielle Gründe als Hindernis an. Nur 12 Prozent nannten fehlende Kinderbetreuung als Hindernis für mehr Kinder.
Die Ergebnisse der BiB-Studie legten nahe, dass die Familienpolitik allein nicht ausreiche, um die Lücke zwischen Kinderwunsch und tatsächlicher Kinderzahl zu verringern, so Bujard. „Entscheidend ist auch, ob junge Menschen mit Zuversicht auf ihre persönliche und gesellschaftliche Zukunft blicken.“ Nach der Einführung des Elterngeldes, dem Ausbau der Kinderbetreuung und verstärkter Zuwanderung war die Geburtenrate in Deutschland von 2011 bis 2016 auf 1,60 gestiegen, ging dann aber seit 2017 wieder zurück.
In einigen anderen EU-Ländern liegen die Geburtenraten allerdings noch mal deutlich niedriger als hierzulande. Sie betragen in Italien 1,18 und in Spanien 1,10, in Estland nur 1,18 und in Litauen nur 1,11, so die Zahlen von 2024.
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