Dengue-Fall in Italien-Küstenstadt: Behörden sperren Park und starten Notfall-Desinfektion rund um Krankenhaus

Stand: 16.07.2026, 22:12 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Ein Dengue-Fall in der Toskana löst Notfall-Desinfektion und Parksperrung aus. Auch in Frankreich und Spanien mehren sich lokale Ansteckungen.

Livorno – In der toskanischen Hafenstadt Livorno ist ein Dengue-Fall aufgetreten, der die Gesundheitsbehörden zum sofortigen Handeln gezwungen hat. Ein rund 30 Jahre alter Mann aus Livorno wurde am 14. Juli in der Infektionsabteilung des örtlichen Krankenhauses aufgenommen, nachdem er von einer Reise durch Südostasien zurückgekehrt war, wie Corriere Fiorentino berichtet. Wie die zuständige Gesundheitsbehörde ASL mitteilte, befindet sich der Patient in stabilem Zustand und geht von ihm keine unmittelbare Ansteckungsgefahr für andere Menschen aus.

Ein männlicher Patient im Schlafzimmer, in eine Decke gehüllt, mit Erkältungssymptomen, Kopf- und Brustschmerzen, umgeben von Tüchern und Medikamenten.

Tropenkrankheiten wie das Dengue-Fieber werden durch Viren verursacht und von Stechmücken (vor allem der Asiatischen Tigermücke und der Gelbfiebermücke) übertragen. Durch den Klimawandel häufen sich die Fälle. © IMAGO/Zoonar.com/Elena Shishkina

Dennoch reagierten die Behörden mit einer Notfallmaßnahme, wie sie das italienische Gesundheitsrecht bei bestätigten Dengue-Fällen vorschreibt: eine dringliche Mückenbekämpfung im Umkreis von 200 Metern um den Ort, an dem sich der Patient aufgehalten hatte. Betroffen sind das Gelände rund um das Krankenhaus, der Park Pertini sowie die Umgebung der Via Lamarmora. Die Kommune Livorno beauftragte die Desinfektion für den 15. Juli und schloss den Park Pertini vorsorglich noch am selben Tag.

Dengue-Übertragung durch Tigermücke: Warum sich das Virus in Südeuropa immer öfter lokal ausbreitet

Hintergrund der Maßnahme ist die Übertragungsweise des Dengue-Virus: Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Die Krankheit wird ausschließlich über Stechmücken der Gattung Aedes übertragen – in Italien vorwiegend durch die asiatische Tigermücke. Sticht ein solches Insekt in den ersten Krankheitstagen eine infizierte Person, kann es das Virus bei einem späteren Stich auf einen anderen Menschen übertragen. Genau dieses Zeitfenster wollen die Behörden mit der schnellen Entmückung schließen, bevor sich ein lokaler Übertragungszyklus bilden kann.

Der Fall aus Livorno reiht sich in eine Entwicklung ein, die Gesundheitsbehörden in ganz Südeuropa seit Jahren beobachten. Die asiatische Tigermücke hat sich durch den Klimawandel und milde Winter mittlerweile in weiten Teilen Italiens, Frankreichs, Spaniens und Kroatiens etabliert. Damit steigt auch das Risiko sogenannter autochthoner, also lokal übertragener Dengue-Infektionen – Fälle, bei denen sich Betroffene nicht auf Fernreisen, sondern direkt vor Ort angesteckt haben.

Dengue in Deutschland: Nur importierte Fälle – während Südeuropa erste lokale Ansteckungen meldet

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtete, erkrankten in der Vergangenheit bereits mehrere Menschen in Südfrankreich und Andalusien am Denguefieber, obwohl sie zuvor keine Endemiegebiete in Südamerika, Afrika oder Südasien bereist hatten. Die Gesundheitsbehörden gingen damals von einer autochthonen Übertragung durch einheimische Tigermücken aus Denguefieber in Frankreich und Spanien.

Allein seit Anfang Juli 2025 wurden in Südfrankreich vier lokal erworbene Erkrankungen registriert, unter anderem in den Départements Loire, Bouches-du-Rhône und Var Dengue-Fieber in Europa. Italien selbst verzeichnete im vergangenen Jahr zudem einen Ausbruch in der Lombardei sowie Verdachtsfälle am Gardasee.

Auch in Deutschland treten Dengue-Fälle auf – bislang ebenfalls als importierte Infektionen auf, also bei Reiserückkehrern, die sich im Ausland – meist in Thailand oder anderen südostasiatischen beziehungsweise südamerikanischen Ländern – angesteckt haben. Eine lokale (autochthone) Übertragung durch Mücken vor Ort wurde laut RKI bislang noch nicht beobachtet.

Was ist Dengue-Fieber? RKI erklärt Symptome, Übertragung und Risiken der „Knochenbrecher-Krankheit“

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist Dengue-Fieber eine virale Infektionskrankheit, die durch Stechmücken der Gattung Aedes übertragen wird – vor allem durch die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Es handelt sich um eine der weltweit am schnellsten zunehmenden durch Insekten übertragenen Erkrankungen: Endemiegebiete finden sich in tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas, doch aufgrund des Klimawandels breitet sich die Tigermücke zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa aus.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel vier bis sieben Tage. Viele Infektionen verlaufen mild oder sogar symptomlos – laut Fachliteratur zeigen nur rund ein Viertel der Infizierten überhaupt Krankheitszeichen. Typische Symptome sind plötzlich einsetzendes hohes Fieber, starke Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen – weshalb die Krankheit im Volksmund auch „Knochenbrecher-Fieber“ genannt wird – Schmerzen hinter den Augen sowie ein Hautausschlag, der leicht mit einem Sonnenbrand verwechselt werden kann. Das Fieber klingt meist nach vier bis fünf Tagen von selbst wieder ab.

In seltenen Fällen – vor allem bei einer erneuten Infektion mit einem anderen der vier Dengue-Virustypen – kann die Erkrankung schwerer verlaufen und in ein hämorrhagisches Fieber oder ein Dengue-Schocksyndrom übergehen, was lebensbedrohlich sein kann. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht; behandelt werden lediglich die Symptome. Immer mehr Reisemediziner fordern derweil einen verstärkten Impfschutz. Quellen: corrierefiorentino.corriere.it, rki.de, aerzteblatt.de (bk)