Der AfD-Triumph ist ein Fiasko für Kanzler Merz
Gerold Riedmann
Der AfD-Triumph ist ein Fiasko für Kanzler Merz
Was in Sachsen-Anhalt begonnen hat, endet nicht in Sachsen-Anhalt
Kommentar
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Gerold Riedmann
Es ist ein denkbar klares Votum: Unerwartet viele Menschen sind in Sachsen-Anhalt zur Urne gegangen, sie verschaffen der AfD eine Verdopplung des bisherigen Ergebnisses und strafen die CDU in nicht gekannter Weise ab. Unabhängig davon, ob die strauchelnde Sahra-Wagenknecht-Partei BSW oder wechselwillige CDU-Abgeordnete der AfD in den kommenden Stunden und Tagen doch noch zur Alleinregierung verhelfen: Dies ist ein fulminantes Ergebnis. So hat ein deutsches Bundesland noch nie gewählt.
Dieser denkwürdige Sonntag markiert den völligen Absturz der CDU. Ihre brutale Schwäche hat die Radikalisierung der Konservativen ermöglicht. Dabei ist das Versagen der Christsozialen kein Spezifikum von Sachsen-Anhalt, sondern strahlt von Berlin, direkt aus dem Kanzleramt von Friedrich Merz, in die Länder. Ein klareres Votum als dieses gegen die Weiter-wie-bisher-Politik ist undenkbar.
Die Wählerinnen und Wähler sind mündig. Sie wussten, was sie tun, auf wen sie sich einlassen. Die AfD ist heute ein Sammelbecken vor allem aus Protestwählern, Arbeitern, russlandfreundlichen Milieus – längst nicht mehr nur im Osten. Ihnen machte es Spitzenkandidat Ulrich Siegmund recht, er spülte rechtsradikale Positionen weich. In Sachsen-Anhalt trägt das umfangreichste Kapitel des Siegmund-Wahlprogramms den Titel "Einwanderung und Remigration", doch die Bilder des Spitzenkandidaten sehen anders aus.
Sogar zur Stimmabgabe kam er, den sie "Uli" rufen, auf seiner Schwalbe. Schon im Wahlkampf saß der dauerlächelnde 35-Jährige oft auf diesem kornblumenblauen Simson-Motorroller aus DDR‑Zeiten. Den freundlichen Rechtsextremen von nebenan geht es um eine Vereinnahmung des Heimatgefühls und neben Nostalgie wohl auch um die Symbolisierung von Freiheit. Dass das Moped in einem sozialistischen volkseigenen Betrieb (VEB) gefertigt wurde, dass die ursprüngliche jüdische Eigentümerfamilie von den Nazis enteignet wurde? Nein, die rechtsextreme Vergangenheit hat in der AfD noch nie eine Rolle gespielt, während sie an der rechtsextremen Zukunft baut.
Totale Verharmlosung
Während der klare Wahlgewinner die totale Verharmlosung verkörpert, ist sein Kampagnenteam eng mit der rechtsextremen "Identitären Bewegung" verwoben. In jeder Hinsicht fallen Parallelen zur jüngeren Geschichte der FPÖ auf.
Die schlechten Wirtschaftsnachrichten aus Deutschland zeigen tagtäglich, wo der Schuh in der Bevölkerung eigentlich drücken würde. Für böses Erwachen wird lediglich sorgen, dass die AfD inhaltlich die Gründe der Unzufriedenheit im Land mit ihrer Politik nicht zu ändern vermögen wird. Partei-Co-Chefin Alice Weidel, Ökonomin, hat in ihrem Wien-Interview den Euro-Austritt, das Ende des Schengen-Raumes und damit die völlige Isolation der deutschen Wirtschaft bekräftigt. Wladimir Putin gefällt das.
Noch nie, seit Deutschland von den rechtsextremen Nationalsozialisten befreit wurde, waren Rechtsextreme so nah daran, eine Regierung zu übernehmen. Der vom deutschen Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextremistisch" eingestufte Landesverband der AfD als Trittbrettfahrer der Unzufriedenheit, des steigenden Egoismus, des fehlenden Gemeinschaftsgefühls.
Was in Sachsen-Anhalt seinen Höhepunkt erreicht hat, wird nicht in Sachsen-Anhalt enden. (Gerold Riedmann, 6.9.2026)
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