Der Dorfklub TSG Hoffenheim und die beiden Naturburschen vom Dorf

Stand: 28.07.2026, 18:42 Uhr

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Saisontipp_Hoffenheim

Saisontipp_Hoffenheim © OP

Die TSG Hoffenheim hat den belgischen Toptalent Nathan De Cat vom RSC Anderlecht verpflichtet. Insgesamt investierte der Klub über 40 Millionen Euro in junge Spieler – und nimmt noch mehr ein

Hat alles im Griff: TSG-Trainer Christian Ilzer.TSG 1899 Hoffenheim - Werder Bremen

Fußball, Männer: Bundesliga, TSG 1899 Hoffenheim - Werder Bremen, 33. Spieltag, PreZero Arena. Trainer Christian Ilzer 1899 Hoffenheim) gestikuliert. (zu dpa: «Hoffenheims Königsklassen-Traum: «Jetzt wartet unser Finale»») © Uwe Anspach

Zugegeben: In der völlig ohne Künstliche Intelligenz erstellten Tipptabelle der vergangenen Saison ist die Einschätzung der TSG Hoffenheim ein Beispiel für völliges Versagen. Nicht etwa Versagen der Kraichgauer, sondern Versagen unserer Redaktion. Tipp: Relegation. Tatsächlicher Tabellenplatz: Fünfter, Qualifikation zur Europa League. Eine Fehleinschätzung, die allerdings auch damit zu tun hatte, dass der Herzensklub von Dietmar Hopp bei allem, was nicht auf dem Rasen passierte, ein ziemlich chaotisches Bild abgab. Gut für „Hoppenheim“, dass Sportchef Andi Schicker und Trainer Christian Ilzer ganz dicke miteinander sind, seit die beiden Österreicher Sturm Graz zum Meister gemacht haben. Da passte kein noch so dünnes Blatt zwischen. Die beiden navigierten den Kleinstadtverein aus Sinsheim, Ortsteil Hoffenheim, zielsicher nach vorn. Jetzt müssen sie allerdings Geld aus Transfers machen, damit die Uefa wegen mancher nur dank Hopp möglicher Finanzakrobatik nicht noch mehr nörgelt.

War richtig teuer und ist blutjung: Nathan De Cat, neu bei der TSG Hoffenheim.Fussball, Testspiel, TSG 1899 Hoffenheim - SpVgg Greuther Fürth

War richtig teuer und ist blutjung: Nathan De Cat, neu bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Oliver Zimmermann

Zu- und Abgänge

Zugänge: Nathan De Cat (RSC Anderlecht), Sean Dulic (TSV 1860 München), Mats Rots (Twente Enschede), Patrick Wimmer (VfL Wolfsburg), Konstantin Aleksa (Austria Wien), Cajetan Lenz (VfL Bochum), Alessandro Vogt (FC St. Gallen)

Abgänge: Luca Erlein (Bayer 04 Leverkusen), Muhammed Damar (VfL Wolfsburg), Yannick Eduardo (ADO Den Haag, zuvor an FC Dordrecht verliehen), Erencan Yardımcı (1. FC Kaiserslautern, Leihe, zuvor an Eintracht Braunschweig verliehen), Hennes Behrens (FC Augsburg, zuvor an 1. FC Heidenheim verliehen), Haris Tabaković (RB Salzburg), Attila Szalai (Pogon Stettin, nach Leihe fest verpflichtet), Kelven Frees (1. FC Kaiserslautern, Leihe), Bazoumana Touré (Newcastle United), Stanley Nsoki (1. FC Union Berlin, nach Leihe fest verpflichtet), Nahuel Noll (SC Paderborn 07, Leihe, zuvor an Hannover 96 verliehen), Paul Hennrich (1. FC Heidenheim), Luka Đurić (SC Paderborn 07), Grischa Prömel (VfB Stuttgart), Kevin Akpoguma, Ihlas Bebou (beide Vertragsende), Cole Campbell (Borussia Dortmund, Leihe beendet)

Wie stark ist der Kader?

Die Führungsspieler um Torwartoldie Oliver Baumann, Verteidiger Ozan Kabak, die bärenstarken Mittelfeldmänner Leon Avdullahu und Wouter Burger sowie Angreifer Andrej Kramaric sind geblieben. Die TSG hat zudem interessante junge Leute geholt und dafür zweistellige Millionensummen investiert. Allen voran 20 Millionen Euro für einen 18-Jährigen: der hochtalentierte Belgier Nathan De Cat kommt vom RSC Anderlecht. Mats Rots, gerade 20, für zwölf Millionen von Twente Enschede. Cajetan Lenz, auch 20, für zehn Millionen vom VfL Bochum. Bambasé Conté, 23, kehrt von seiner sehr erfolgreichen Leihe aus Elversberg zurück, zudem giert U17-Weltmeister Max Moerstedt, 20, endlich auf seine Chance. Also: Da ist ganz viel Potenzial drin. Das alles sind weitere Schritte zum Ziel von Sportchef Schicker: Der Profikader soll mittelfristig „aus zwei Dritteln jungen Spielern mit Entwicklungspotenzial, im besten Fall aus der eigenen Akademie“ bestehen.

Worauf steht der Trainer?

Vor allem darauf, groß zu denken. Und darauf, aus der Mitte des Spielerkreises rauszugehen, alles genau zu beobachten und die Mannschaft sich selbst managen zu lassen. Und außerdem steht Chris Ilzer auf neues „Equipment und interessante neue Tools für die Regeneration“. Optimierung, wo man auch hinschaut im hochmodernen Trainingszentrum im verträumten Zuzenhausen. „Wir schrauben im Detail“, berichtet der Chefcoach zufrieden. Ilzer ist, wie Kumpel Schicker, ein echter Naturbursche aus einem kleinen Bergdorf. Das passt ins Fußballkaff Hoffenheim. Was Europa angeht, spricht der sehr selbstbewusste Mann lieber von einer „Dreifachbelohnung“ als von einer „Dreifachbelastung“. Seine Spieler versteht er, heißzumachen und eilig ins Rennen zu bringen. Da hat die TSG im Ligavergleich überall Topwerte.

Wo hapert es noch?

Der Abgang des wieselflinken Außenstürmers Flügelstürmer Bazoumana Touré zu Newcastle United tut natürlich sportlich sehr weh. Finanziell ist es indes mit 50 Millionen Euro Ablöse der Vereins-Rekordtransfer geworden und zeugt von der Top-Arbeit von Schicker. Ebenso wie der Abgang von Fisnik Asllani (der durch den Schweizer Torjäger Alessandro Vogt ersetzt wird) für 30 Millionen zu RB Leipzig. Schmerzfrei gestaltete sich dagegen der Abschied des zuvor nach Gladbach ausgeliehenen Haris Tabakovic. Der ging nach Salzburg und brachte ebenso noch ein bisschen was aufs Konto (fünf Millionen Euro) wie Muhammed Damar, für den Wolfsburg knapp sechs Millionen hinblätterte. Der Finanzdruck ist da: Die TSG muss in der Europa League Uefa-Geldauflagen erfüllen.

Andreas Schicker

Der Macher in Hoffenheim: Andreas Schicker. © IMAGO/Jan Hübner

Wer sticht heraus?

Die beiden Macher Schicker und Ilzer ganz sicher. Und seit Jahren schon der nimmermüde Kramaric. Der Kroate, inzwischen 35, ist seit 2016 da und hat seinen Vertrag nochmals um zwei Jahre verlängert – zu verminderten Bezügen. Was fällt noch auf? Vor allem die Nachwuchsarbeit. Die TSG entwickelt massenhaft überdurchschnittlich gute Spieler und Trainer. 88 Spieler aus der Akademie der TSG Hoffenheim schafften den Sprung in eine erste Liga. Europaweit. Die U23 spielt dritte Liga, die U19 holte sich die deutsche Meisterschaft, die U17 schaffte es ins Finale. Und die Frauen sind auch sehr gut.

Was ist drin?

Die Europa League mit den langen Flugreisen dürfte viel Kraft und ein paar Plätze in der Bundesliga kosten.