Der FC Basel setzt auf viel internationale Erfahrung
Der FC Basel setzt auf einen hierzulande Unbekannten – doch Slavisa Jokanovic stieg zwei Mal in die Premier League auf
Der FCB hat sich reichlich Zeit gelassen bei der Trainersuche. Aber vielleicht ist das ganz gut so nach dem gescheiterten Experiment mit dem Trainernovizen Stephan Lichtsteiner.
25.09.2026, 20.00 Uhr
4 Leseminuten
Aktualisiert
Slavisa Jokanovic, hier 2018 als Trainer des FC Fulham, soll den FCB zum Erfolg zurückführen.
Peter Powell / EPA
Sie hat eine ganze Weile gedauert, die Suche des FC Basel nach seinem neuen Trainer. Aber vielleicht ist das ganz gut so. Denn als der Fussballklub letztmals einen Trainerwechsel bekanntgab, wirkte die Nachfolgeregelung reichlich überstürzt. Und ging gründlich schief.
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Zur Erinnerung: Im Januar hatte Ludovic Magnin mit dem FCB einige Partien nacheinander verloren, da teilte der Klub mit der Entlassung des Romands zugleich dessen Nachfolger mit: Stephan Lichtsteiner, Trainernovize auf höchster Stufe, erhielt einen Vertrag über dreieinhalb Jahre. Und wurde mit Vorschusslorbeeren eingedeckt, die zur Erfüllung der anspruchsvollen Aufgabe im unruhigen FCB-Umfeld kaum dienlich gewesen sein dürften: Mit den beiden Koryphäen Vincent Kompany und Josep Guardiola verglich der damalige Sportchef Daniel Stucki den früheren Schweizer Nationalspieler; Lichtsteiner sei ein Trainertalent.
Aber der 42-Jährige konnte die Hoffnungen, die der FCB-Präsident David Degen in ihn setzte, nicht annähernd erfüllen. Er trat kommunikativ unbedarft auf, wirkte immerzu nervös, entwickelte das Team kaum weiter. Und auch die positiven Resultate stellten sich nicht ein. Weshalb die Klubchefs das Experiment mit dem impulsiven Luzerner vor sechzehn Tagen bereits wieder beendeten. Nach nur einem halben Jahr.
Autorität, Seniorität, Erfahrung
Dieses Mal hat sich der FC Basel mehr Zeit gelassen, machte ein «Trainerscouting», wie der technische Direktor Andreas Herrmann es vergangene Woche im klubeigenen Podcast «Achzädreyenünzig» nannte. Zuerst also das Profil bestimmen. Und erst dann nach geeigneten Kandidaten suchen. Autorität, Seniorität, Erfahrung: Das benötige der Klub nun, so sagte es Herrmann. Womit er zugleich klarmachte, dass der FCB ziemlich genau das Gegenteil von Lichtsteiner suchte.
Nun ist klar, wer den Klub nach dem durchzogenen Saisonstart stabilisieren soll: Slavisa Jokanovic. Der serbisch-spanische Doppelbürger hat in Basel einen Vertrag bis Ende Saison unterschrieben; am Dienstag, wenn die FCB-Spieler aus dem verlängerten Wochenende während der Länderspielpause zurückkehren, leitet er das erste Training. Mit ihm stossen Jovan Damjanovic und Goran Vukovic als Assistenztrainer zum FCB, zudem ergänzt Aleksandar Jankovic das bestehende Athletikteam. Luigi Nocentini, der bisherige Assistenzcoach und Interimstrainer in den letzten zwei Wochen, wird den Klub verlassen.
Jokanovic, 58, ist im Schweizer Fussball weitgehend unbekannt. Aber der frühere Mittelfeldspieler, der für das damalige Jugoslawien 64 Länderspiele absolvierte, mit La Coruña im Jahr 2000 den spanischen Meistertitel gewann und später auch für Chelsea spielte, verfügt über vielfältige internationale Erfahrung.
Während seiner über zwanzig Jahre währenden Tätigkeit als Klubtrainer coachte er elf Vereine, etwa Partizan Belgrad, Dynamo Moskau und Maccabi Tel Aviv. Mit dem israelischen Klub setzte er sich 2015/16 im Play-off zur Champions League gegen den FC Basel durch. Zuletzt war Jokanovic bei al-Nasr in den Vereinigten Arabischen Emiraten engagiert, wo er unter anderen den früheren YB-Stürmer Chris Bedia anleitete.
Jokanovic habe in seiner Trainerkarriere mehrfach bewiesen, «dass er Mannschaften rasch stabilisieren und weiterentwickeln kann», so lässt sich Herrmann im Communiqué des Klubs zitieren. Und Valentin Stocker, der dem FCB mindestens bis zum Jahresende als sportlicher Leiter des Fanionteams erhalten bleibt, ergänzt: «Seine Erfahrung, seine Klarheit und die positiven Entwicklungen, die seine Teams innerhalb kurzer Zeit genommen haben, waren für uns die entscheidenden Faktoren, weshalb wir ihm unser Vertrauen schenken.»
Besonders imponiert haben dürfte den Klubverantwortlichen der nachhaltige Eindruck, den Jokanovic im englischen Fussball hinterlassen hat: Nachdem er 2014/15 bereits Watford aus der Championship in die Premier League geführt hatte, schaffte er das 2018 auch mit Fulham. Damit war er der erste Coach, der mit zwei verschiedenen Teams die Relegation in Englands höchste Liga schaffte. Und das nicht irgendwie, sondern mit attraktivem Ballbesitzfussball.
Er muss Shaqiri bei Laune halten
Jokanovics vordringlichste Aufgabe bis zum nächsten Pflichtspiel am 11. Oktober gegen den Aufsteiger Vaduz wird indes die Stabilisierung der Defensive sein. In den letzten fünf Partien liessen die Basler dreizehn Gegentreffer zu, womit sie die formschwächste Abwehr der Super League haben. Seit dem Saisonstart hat der FCB vier seiner fünf Heimspiele verloren, zuletzt in der Liga gar drei Mal in Folge – was ihm seit Einführung der Super League 2002/03 noch gar nie passiert ist und das Publikum im St.-Jakob-Park letzten Sonntag mit lauten Pfiffen quittierte.
Und dann ist da noch die FCB-Legende Xherdan Shaqiri, mit der Jokanovic einen besseren Umgang finden muss als sein Vorgänger. Lichtsteiner hatte in seinem Spielsystem keinen Platz für den Spielmacher gefunden, der in der Defensivarbeit den einen oder anderen Meter weniger läuft als seine Mitspieler.
Wozu Shaqiri aber noch immer in der Lage ist – wenn man ihm Freiheiten lässt –, zeigte der 34-Jährige im ersten Spiel nach Lichtsteiners Entlassung. Da traf er zwei Mal und steuerte einen Assist zum 4:2-Auswärtserfolg in Luzern bei, womit er gleich viele Skorerpunkte sammelte wie zuvor in sämtlichen 23 Spielen unter Lichtsteiner zusammen. Shaqiri bei Laune halten: Auch das müsste zu Jokanovics Prioritäten zählen.
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