"Der Inbegriff eines Klassikers": Steven Spielberg und Martin Scorsese verehren dieses Meisterwerk

Bei seinem Erscheinen 1941 traf Orson Welles‘ „Citizen Kane“ auf ein eher gemischtes Echo. Jahrzehnte später erklomm das Mystery-Drama sämtliche Bestenlisten und avancierte zum unsterblichen Klassiker.

Als Film-Ikonen werden die Regisseure Steven Spielberg und Martin Scorsese im Hinblick auf ihre langlebigen, wenn auch sehr unterschiedlichen Karrieren verehrt. Neben ihrer unermüdlichen Schöpfungskraft eint beide Filmemacher eine große Liebe für Hollywoods goldene Ära und insbesondere für einen daraus hervorgegangenen Film: Orson Welles‘ „Citizen Kane“.

In nicht-linearer Manier rollt das 1941 erschienene Drama das Leben des fiktiven Medienmoguls Charles Foster Kane auf von seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen bis zu seinem einsamen Tod im hochbetagten Alter. Gemeinsam mit Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz entwickelte Orson Welles das Skript und die Hauptfigur, die sich erkennbar am real existierenden Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst orientierte – was „Citizen Kane“ schließlich zum Verhängnis werden sollte.

Der Beginn eines Medien-Imperiums: Charles Foster Kane (Orson Welles) und sein bester Freund Jedediah (Joseph Cotten) RKO Pictures
Der Beginn eines Medien-Imperiums: Charles Foster Kane (Orson Welles) und sein bester Freund Jedediah (Joseph Cotten)

Von der Box Office-Enttäuschung…

Denn „Citizen Kane“ ist keineswegs eine Heldengeschichte, sondern die tiefgreifende Charakterstudie eines fehlbaren Mannes. Gezeigt wird, wie Charles Foster Kane – gespielt von Orson Welles – mit hehren journalistischen Idealen ins Zeitungsgeschäft einsteigt, nur um diese mit zunehmendem Erfolg zu verraten und seine Medien zur Manipulation der Öffentlichkeit einzusetzen.

Kanes Größenwahn reicht schließlich so weit, dass er für das Amt des Gouverneurs von New York kandidiert, bis er über seine außereheliche Affäre stolpert. Dies alles zeigt Welles‘ Film in bis dato nicht gekannter Schärfentiefe, während die Story in Rückblenden und aus der Perspektive unterschiedlicher Weggefährten Kanes erzählt wird.

Trotz des Einsatzes teils revolutionärer Stilmittel, fiel die damalige Resonanz auf „Citizen Kane“ gemischt aus: Einige Kritiker*innen lobten den Film für seine außergewöhnliche Machart, andere fanden ihn amateurhaft und etwas kitschig. Aber die Medien, die zu William Randolph Hearsts Zeitungskonzern gehörten, ignorierten den Film vollends – auf Anweisung von oben.

Hearsts Einfluss ging so weit, dass sich einige Kinoketten scheuten, den Film überhaupt zu zeigen. Zwar konnte „Citizen Kane“ seine Produktionskosten wieder einspielen, blieb aber dennoch unterhalb der Box Office-Erwartungen.

…zum Klassiker-Status

Die Neubewertung von „Citizen Kane“ fing nach Ende des Zweiten Weltkriegs an, als der Film erstmals in Europa gezeigt wurde und einige französische Kritiker*innen begeisterte. Schon bald erklomm „Citizen Kane“ die Stufen internationaler Bestenlisten.

In Abstimmungen des renommierten britischen Filmmagazins Sight & Sound über die „Besten Filme aller Zeiten“ landete „Citizen Kane“ 1962 erstmals auf dem ersten Platz. Dort sollte er bis 2012 (!) verbleiben, als ihn Alfred Hitchcocks „Vertigo“ vom Thron schubste.

"Das hat mein Leben verändert"

Wie groß seine Bewunderung für den Film ist, zeigte Steven Spielberg 1982 als er den Schlitten – eine wichtige Requisite aus „Citizen Kane“ – bei einer Versteigerung für 60.500 US-Dollar erwarb (inflationsbereinigt entspräche diese Summe heute rund 209.000 US-Dollar). Wie die New York Times damals zitierte, sah Spielberg in dem Schlitten „ein symbolisches Sinnbild für Qualität in der Filmindustrie“ und „Citizen Kane“ als „Inbegriff eines Klassikers“.

Ebensolche Begeisterung bringt auch Martin Scorsese auf, der in einem Interview mit der Time verriet, welchen immensen Einfluss „Citizen Kane“ auf sein Schaffen hatte: „Das hat mein Leben verändert. Er hat alle Regeln gebrochen. Welles hat einmal gesagt, dass Ignoranz zu den besten Eigenschaften gehört, die man ins Filmemachen einbringen kann. Wenn man dir sagt, dass du etwas nicht tun kannst – warum eigentlich nicht?“

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