„Eine Schande für Deutschland, ein Verrat an Europa“: Schwere Kritik für Schröders Teilnahme an Putins Geburtstagsfeier
Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat nach Angaben des Kreml an der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau teilgenommen. Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren, teilte der Kreml bei Telegram mit.
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„Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es weiter. Schröder sei am Mittwoch bei Putin gewesen, als der Kremlchef seinen 74. Geburtstag feierte. Der Kreml veröffentlichte auch ein Foto, auf dem Schröder lächelnd mit Putin posiert.
Zeitgleich überzog Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach danach von mindestens 25 Toten und über 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.
Wirklich ganz spontan?
Ob die Version von Putins spontaner Geburtstagseinladung stimmt, lässt sich von außen nicht nachvollziehen. Tatsache ist jedoch, dass Besuche auch ehemaliger Staats- und Regierungschefs im Ausland üblicherweise an offizieller Stelle des Gastlandes angemeldet werden. Ein Grund ist, dass sie Personenschutz von der Bundespolizei erhalten, die Waffen mit sich trägt und damit einreisen muss.
Schröder übernimmt Spitzenstelle bei russischer Supermarktkette
Altkanzler Schröder war nach seiner Benennung in den Aufsichtsrat von Hyperglobus diese Woche nach Moskau gereist. Die russische Supermarktkette gehörte früher zum deutschen Globus-Konzern. Er soll an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland leiten.
Wie die Wirtschaftszeitung RBK berichtete, hielt Schröder nun eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens, woraufhin sich der Austausch hinter verschlossenen Türen fortsetzte. Anschließend folgte ein Rundgang durch das Geschäft.
Schwere Kritik an Schröders Besuch
In Deutschland hat Schröders Besuch heftige Kritik ausgelöst:
- Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet.
- Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. „Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“
- Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und „eine frische Ladung Rubel“. Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder“. 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.
„Gerhard, es brennt“ – Putin und der Kanzler in der Sauna
Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Kremlchef Wladimir Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Selbst seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

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Besonders der Kremlchef plaudert gerne über seine Freundschaft mit dem SPD-Mann, der auch schon Gast auf seinem 60. und 70. Geburtstag war.
Als Putin etwa 2015 bei der alljährlichen Sendung „Direkter Draht“ des russischen Staatsfernsehens gefragt wurde, ob er bei Treffen mit politischen Freunden die Sauna den klassischen Konferenztischen vorziehe, erinnerte er sich an den folgenden Vorfall:
„Ich saß mit meinem Freund in der Sauna in meiner Residenz, plötzlich fing es an zu brennen. Ich sagte: ‚Gerhard, es brennt, wir müssen hier raus.‘ Er sagte: ‚Es tut mir leid, aber vorher trinke ich mein Bier noch zu Ende.‘ Ich sagte: ‚Bist du verrückt? Es brennt, wir müssen hier raus.‘ Er ist ein eiserner Mann. Er hat tatsächlich sein Bier ausgetrunken und wir sind dann erst raus. Die Sauna brannte bis auf die Mauern nieder.“ Mit dieser Geschichte bezog sich Putin auf einen Besuch des damaligen Kanzlers im Jahr 2001 in Moskau.
Im Mai hatte Putin vorgeschlagen, Europa solle Schröder als Vermittler in den Gesprächen zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine auswählen. Diese Möglichkeit wurde von den EU-Ländern schnell ausgeschlossen. Das letzte Mal sahen sich die beiden am 5. Juni dieses Jahres, ohne dass Details zu den Gesprächen bekannt wurden. (mit dpa, AFP)