Der Stilberater für die Hosentasche

Stand: 17.09.2026, 14:00 Uhr

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Elena Schulte-Ladbeck hat einen KI-Stylisten erfunden und daraus eine App entwickelt. „Aurelle“ übernimmt die tägliche Frage „Was ziehe ich an?“ und schlägt passende Outfits vor.

Elena Schulte-Ladbeck (42) hat einen KI-Stylisten erfunden und daraus eine App entwickelt. „Aurelle“ übernimmt die tägliche Frage „Was ziehe ich an?“ und schlägt passende Outfits vor. © ksp

Seulbergerin gewinnt Innovationspreis mit KI-gestützter App „aurelle“.

Seulberg – Fast jede Frau kennt das Phänomen: „Wir stehen morgens vor dem vollen Kleiderschrank und haben trotzdem das Gefühl, man hat nichts anzuziehen“, sagt Elena Schulte-Ladbeck. „Oder man verbringt gefühlt Ewigkeiten davor, um das passende Outfit zu finden, legt verschiedene Sachen raus und hat ein Chaos aus Kleiderbergen auf dem Bett.“ Wie toll wäre es, dachte sie sich, wenn es ein Programm, genauer gesagt eine Künstliche Intelligenz (KI) dafür geben würde. Dann wären solche zeit- und nervenaufreibenden Situationen passé.

Dieser Gedanke kam der 42-Jährigen schon vor Jahren, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung verrät. „Ich hatte diese Idee jahrelang mit mir herumgetragen“, sagt Elena Schulte-Ladbeck. „Irgendwann habe ich beschlossen, sie nicht länger jemand anderem zu überlassen.“ Ihre Inspiration motivierte sie, als Autodidaktin in die Welt des Programmierens und des Entwickelns einer App einzutauchen – und so weht ein Hauch von Silicon Valley durch das Haus am Seulberger Feldrand.

Ihrem Mann sei schnell klar gewesen: Sie braucht einen eigenen Computer. Denn für ihr Projekt, erzählt ihr Mann Oliver Schulte-Ladbeck, habe seine Frau stunden- und tagelang sein Gerät blockiert. „Ich kam an keine Familien-Mail mehr ran“, sagt er lachend.

Nach monatelangem Tüfteln in jeder freien Minute hat sich die gebürtige Bulgarin, die in Libyen aufgewachsen und dann zum BWL-Studium erst in die USA und schließlich nach Deutschland gezogen ist, mit komplexen Algorithmen befasst, Konzepte entwickelt und es geschafft, eine KI zu entwickeln, mit der sie die Modewelt per KI revolutionieren könnte. Ihre App hilft Frauen jeden Morgen, die Woche kleidungstechnisch zu planen und intelligent für die nächste Reise zu packen. „Alles basierend auf dem, was man bereits besitzt“, fügt Schulte-Ladbeck hinzu. Ihrem „Baby“ hat sie den Namen „aurelle“ gegeben. Seit Juni ist „aurelle“ auch weltweit im App-Store und derzeit in acht Sprachen verfügbar. Damit ist Schulte-Ladbeck, die beruflich in der Unternehmensberatung zu Hause ist, im Alleingang quasi zu einer Tech-Pionierin geworden. „Mit Unterstützung von meinem Mann Oliver, der sich um das Marketing kümmert“, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung unterstreicht.

Die Styling-App kostet – je nach Art der Nutzung – monatlich 3,99 Euro, 14,99 Euro oder 24,99 Euro. Zudem gibt es eine siebentägige, kostenfreie Probezeit.

In sechs Monaten zur fertigen App

Für ihr Start-up-Projekt ist Elena Schulte-Ladbeck jetzt in Berlin mit dem „Big Bang Innovation Award 2026“ in der Kategorie „Produkt-Innovation“ ausgezeichnet worden. Verliehen wird der Preis vom Deutschen Institut für Service-Qualität gemeinsam mit „DUP Unternehmer“ im Rahmen des „Big Bang KI-Festivals“ in der Hauptstadt.

Die Jury zieht den Hut, weil, wie es in der Laudatio heißt, „sie sich das Programmieren selbst beigebracht und in sechs Monaten eine KI-gestützte Styling-Anwendung gebaut hat.“ Schulte-Ladbeck: „Einen solchen Preis zu gewinnen, fühlt sich toll an. Darüber bin ich sehr glücklich“, sagt sie. „Dass am Ende eine Jury in Berlin sagt, dass ich eine Produkt-Innovation habe, damit hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet.“

Doch zurück zu ihrer Entwicklung und dem, was ihr am Herzen liegt: „Das Problem waren nie die Kleider – es waren die Kombinationen. Und diese Kombinationen hängen von etwas ab, das nur jede Frau selbst weiß: worin sie sich selbstbewusst und am wohlsten fühlt.“ Hier kommt „aurelle“ ins Spiel: „Wer sie sich einrichtet, fotografiert seine Kleidungsstücke“, berichtet sie. Dann füllt man einen ausführlichen Fragebogen zu Farbe, Proportion und persönlichem Stil aus. „Daraus wird ein individuelles Stilprofil erstellt. Das ist die Basis, auf der ‚aurelle‘ jeden Morgen ein passendes Outfit zusammenstellt, das perfekt zugeschnitten ist auf das Wetter und die Tagespläne der Nutzerin.“

Die von Schulte-Ladbeck entwickelte Style-App unterscheidet sich vor allem in einer Sache von den Anwendungen, die bereits auf den Markt sind: „Im Gegensatz zu vielen anderen digitalen Kleiderschränken oder Mode-Plattformen wollen wir nichts Neues verkaufen“, betont sie. „Es geht darum, den eigenen Stil der Kundin zu unterstützen. Die App ist somit der persönliche digitale Stylist für die Garderobe, die man bereits besitzt.“

Was Elena Schulte-Ladbeck, die mit ihrer Familie seit 2023 in Friedrichsdorf lebt, bei der Entwicklung ihrer App zudem wichtig war, ist, dass sie strikt nach europäischen Qualitäts- und Datenschutzstandards gebaut wurde. Schulte-Ladbeck freut sich über Feedback ihrer Kundinnen – natürlich auch über Verbesserungsvorschläge.

„Die App hatte ursprünglich ein Limit von 300 Teilen aus der Garderobe, die man eingeben kann“, erklärt sie. Das erschien ihr realistisch, da laut ihrer Recherche jede Frau im Schnitt 150 Kleidungsstücke besitze. „Eine Kundin wollte mehr als 300 Stücke hochladen. Da war die App überfordert, die Kundin hat sich beschwert.“ Zwei Tage später waren das Problem gelöst und die App umgebaut: Ab sofort kann die Kundin die App mit bis zu 500 Kleidungsstücken „füttern“.