St. Paulis stiller Gewinner des Fehlstarts

Anzeige

FC St. Pauli

Der Taichi-Kämpfer: Hara vom Nicht-Faktor zu St. Paulis Top-Scorer  

Brust raus! Taichi Hara ist endlich angekommen beim FC St. Pauli und bislang ein wichtiger Faktor im Sturm.
IMAGO/Noah Wedel

Der FC St. Pauli kämpft weiter gegen die Sieglosserie. Einen Gewinner hat der enttäuschende Saisonstart dennoch hervorgebracht. 

Heimlich, still und leise. Nach vorn und nach oben. Auf keinen Spieler des FC St. Pauli trifft das aktuell so sehr zu wie auf Taichi Hara. Wobei es spätestens mit seinem Tor in Bielefeld (2:2) vorbei ist mit „heimlich“. Still und leise trifft nach wie vor zu – und auf diese Weise hat sich Hara nach einer Bundesliga-Rückrunde im Schatten in die Startelf und ins Rampenlicht gespielt. Gearbeitet. Eine braun-weiße Erfolgsstory, wie es sie in diesen Tagen nicht viele gibt, im Zuge des mehr als holprigen Starts in die Saison. 

Für Hara ganz persönlich könnte es nicht besser laufen. Startelfspieler – und plötzlich Topscorer seiner Mannschaft. Kaum zu glauben, aber wahr. Vier Spiele, zwei Tore und ein Assist. Damit hat der Angreifer in der teaminternen Scorerliste die Nase vorn, vor Sturm-Kollege Abdoulie Ceesay, der mit zwei Treffern in erst zwei Spielen aber die bessere Quote hat. Das schmälert Haras Erfolgsgeschichte nicht. Eine Momentaufnahme, klar. Aber eine erfreuliche. Verdient.

Taichi Hara: St. Paulis Topscorer – und aktuell bester Japaner

Anzeige

Eine weitere Tatsache aus der Rubrik „Wer hätte das gedacht?“ (Spoiler: niemand): Der sehr zurückhaltende 1,91-Meter-Schlaks ist aktuell der beste Japaner bei St. Pauli. Nicht Innenverteidiger Tomoya Ando, der noch seine Form der ersten Jahreshälfte sucht, und auch nicht Joel Chima Fujita, der nach dem erhofften und am Ende nicht zu realisierenden Wechsel im Sommer erst wieder zu sich selbst finden muss.

Für Hype ist es aber zu früh, die Saison noch jung. Der 27-Jährige, dem man die Emotionen auf dem Rasen nur sporadisch ansieht, muss seinen guten Start bestätigen, die Leistungen konstant abrufen. Wenn er seinen Schnitt an Scorerpunkten auch nur annähernd halten kann in den kommenden Wochen und Monaten, dann dürfte es eine überzeugende bis richtig starke Spielzeit von ihm werden. Wenn er weiter darf.

Anzeige

Hara hat sich die Startelf verdient, aber die Konkurrenz macht Druck

Die Konkurrenz im Sturm ist groß. Ein, zwei schwache Wochen und der Platz in der Startelf kann weg sein. Ceesay legt nach seinem verspäteten Saisonstart gerade erst richtig los, Martijn Kaars trifft zwar derzeit nicht, aber leistet stets wichtige Laufarbeit und zieht unermüdlich Sprints an, und Köln-Leihgabe Youssoupha Niang ist eigentlich zu gut (und ambitioniert) für einen dauerhaften Bankplatz mit Joker-Auftrag. Solange Hara aber trifft oder Tore vorbereitet, dürfte er von Beginn an stürmen. Sicher ist sein Platz nicht. Er muss ihn in jeder Trainingswoche und in jedem Spiel verteidigen.

Anzeige

Der Leisetreter liefert jedenfalls bislang und das ist wichtig für die noch sieglose Mannschaft. Der Wintertransfer, der sich in seinem ersten halben Jahr beim Kiezklub sehr schwergetan hat in der höchsten deutschen Spielklasse (vier Kurzeinsätze, insgesamt 25 Minuten, dreimal weniger als fünf) und auch einige Zeit brauchte, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen, hat sich mit viel Fleiß und Beharrlichkeit herangearbeitet und entwickelt. St. Paulis Taichi-Kämpfer. 

Kopfballstärke ist Haras großes Plus – in Bielefeld nicht ohne Fehler

Eine Liga tiefer kann er nun seine Qualitäten ausspielen: Fleiß, Torgefahr, ein gutes Auge für den Nebenmann und dringend benötigte Kopfballstärke im Angriff, die ihn aktuell eigentlich unverzichtbar macht als Element im braun-weißen Spiel. Das alles bringt der ablösefreie Winterzugang vom japanischen Erstligisten Kyoto Sanga ein.

Frei von Fehlern ist er natürlich nicht, das hat das Bielefeld-Spiel gezeigt. Seinem zweiten Saisontor folgte eine verunglückte Kopfball-Klärung eines Freistoßes ins Zentrum des eigenen Strafraums und vor die Füße eines gegnerischen Spielers, der die Arminia mit 2:1 in Führung brachte. Auf diese Art von „Assist“ kann er gut verzichten. Und auch Hara hatte seinen Anteil daran, dass die Kiezkicker in Bielefeld über 90 Minuten nicht so viele Chancen kreierten und zu Abschlüssen kamen. Trainer Rapp bemängelte nach der Partie das taktische Verhalten des Stürmers und Fehler bei der Besetzung von Räumen.

Luft nach oben ist allemal. Aber bei ihm weniger als bei vielen seiner Mitspieler. Hätten sich alle Kiezkicker über den Sommer so gesteigert und in den ersten Spielen ihren Job gemacht wie Hara, stünde St. Pauli in der Tabelle wahrscheinlich anders da. Das Gute: Kann ja noch kommen.

Anzeige

Anzeige