Der WM-Traum lebt: Österreich feiert Kantersieg gegen den Kosovo
Fußball
Der WM-Traum lebt: Österreich feiert Kantersieg gegen den Kosovo
Die ÖFB-Elf gewann in Wien souverän und verdient mit 4:0 und steht damit in der finalen Runde des WM-Playoffs. Dort wartet ziemlich sicher die Schweiz
Moritz Ettlinger
Der WM-Traum von Österreichs Fußballerinnen lebt. Die ÖFB-Elf gewann am Dienstag das Rückspiel der ersten Playoff-Runde gegen den Kosovo souverän mit 4:0, die Tore am Wiener Sport-Club-Platz erzielten die stark aufspielende Marie Höbinger, Kapitänin Sarah Puntigam und Virginia Kirchberger-Prohaska jeweils per Kopf sowie Eileen Campbell per Abstauber. Das Hinspiel in Prishtina hatte Österreich mit 2:1 für sich entschieden – ergibt einen Gesamtscore von 6:1.
Damit hat sich das Team eine Chance auf die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft erspielt. Das Turnier findet im Sommer 2027 in Brasilien statt. Als finale Hürde wartet Ende November/Anfang Dezember in der zweiten Playoff-Runde wohl die Schweiz, die Israel im Hinspiel mit 7:3 vom Platz fegte. Das Rückspiel ist aktuell noch im Gange.
"Ich finde sogar, wir können noch besser spielen als heute", sagte Trainer Lars Söndergaard nach der Partie im ORF. "Wir haben am Schluss zum Glück mehr Ruhe ins Spiel gebracht und dadurch auch mehr Chancen und Tore herausgearbeitet. Der Aufstieg tut gut."
Mit Zadrazil, Pötzl und Uka
Teamchef Söndergaard veränderte die Anfangsformation im Vergleich zum Hinspiel an vier Positionen. Im Tor begann Jasmin Pal anstelle von Mariella El Sherif, die aufgrund einer Handverletzung ausfiel. Die 17-jährige Valentina Pötzl feierte auf der Außenbahn ihr Startelfdebüt, sie ersetzte ihre Austria-Teamkollegin Verena Hanshaw. Außerdem waren Sarah Zadrazil im Mittelfeld sowie Nicole Billa im Sturm von Anfang an dabei, Barbara Dunst und Eileen Campbell blieben vorerst die Bankplätze.
Söndergaard bot erneut eine 3-4-3-Formation auf. Jennifer Klein, Kirchberger-Prohaska und Sarah Gutmann bildeten die Dreierabwehrkette. Auf den Schienenpositionen war Louise Schöffel das Gegenüber von Pötzl, im Zentrum sollte Kapitänin Puntigam die Fäden ziehen. Die Offensive komplettierten Höbinger und Annabel Schasching. Beim Kosovo stand Austria-Stürmerin Modesta Uka im Gegensatz zum Hinspiel von Beginn an auf dem Feld.
Frühe Führung
3514 Fans schauten den Teams in Wien-Hernals auf die Beine. Die Haupttribüne am Sport-Club-Platz war voll, die Friedhofstribüne gut gefüllt. Dort fand sich auch ein queerer Fanblock ein. Eine Choreografie, bei der mehrere Zettel einen Regenbogen hätten ergeben sollen, wurde STANDARD-Informationen zufolge untersagt, weil sie nicht angemeldet war. Vereinzelt fanden sich auch Fans des Kosovo im Publikum, viel zu bejubeln sollten sie nicht haben.
Österreich gab wie in Prishtina von Beginn weg den Ton an. Der Kosovo verteidigte mit zwei Ketten vor dem Strafraum, Uka bildete die Sturmspitze. Und Österreich begann stark. Zwei Schüsse von Schöffel (3.) und Zadrazil (4.) gingen über respektive neben das Gehäuse, bei einem Steckpass von Höbinger auf Billa kam die kosovarische Torfrau Lea Kramoviku gerade noch rechtzeitig aus dem Tor und vereitelte den Schuss.
Wenig später klingelte es dann aber im Kasten des Kosovo: Billa legte nach einem hohen Ball per Kopf ab auf Höbinger. Deren Schuss wurde zunächst geblockt, den Nachschuss versenkte die Liverpool-Legionärin aber sehenswert und mit starker Schusstechnik im linken Kreuzeck. 1:0 nach nur sieben Minuten. Passt, sitzt, hat Luft.
Bereits nach 17 Minuten musste Söndergaard unfreiwillig den ersten Wechsel vornehmen, für die verletze Schasching kam Dunst in die Partie. Das änderte nichts an der Dominanz der ÖFB-Elf. 20. Minute: Ein abgefälschter Steilpass von Gutmann landete bei Billa, die den springenden Ball zwar über Kramoviku hinweg, aber auch am Tor vorbei hob. Ein Torschuss von Gutmann fiel zu schwach aus, genauso wie ein Kopfball von Billa nach Dunst-Flanke. Billa pfefferte einen Ball nach einem Abpraller im Sechzehner drüber. Von den ganz zwingenden Chancen gab es wenige, die waren aber auch nicht zwingend notwendig.
Der Kosovo schaffte es zwar zwischendurch und kurz, für Entlastung, allerdings nicht wirklich für Gefahr zu sorgen. Die Torszenen blieben den Österreicherinnen vorbehalten. Ein Schlenzer von Höbinger ging knapp vorbei (40.), einen Versuch von Schöffel konnte Kramokivu nur nach vorne abwehren, stand aber keine ÖFB-Spielerin zum Abstauben bereit (42.). Nach einer guten Kombination legte Billa zurück auf Klein, deren Schuss brachte aber ebenfalls nicht den gewünschten Erfolg (44.). Mit einem verdienten 1:0 ging es zum Pausentee.
Geburtstagsgoal
Nach dem Seitenwechsel blieb es einseitig. In der 53. Minute hatte die glänzend aufspielende Höbinger das 2:0 aus kurzer Distanz auf dem Fuß, verpasste aber den richtigen Moment für den Abschluss, ihr Schuss wurde geblockt. Wenig später zirkelte Höbinger einen Corner exakt auf den Kopf von Guttmann, von dort aus segelte der Ball knapp links am Tor vorbei (57.). Es haperte weiterhin an der Chancenauswertung. Nach einer Ecke kam Dunst im Strafraum an die Kugel, zog nach innen und ab, das Tor stand etwas zu weit rechts (62.)
Dann fiel aber das 2:0. Pötzl spielte auf der linken Seite zurück auf Klein. Die St.-Pölten-Kapitänin flankte in die Mitte, wo sich Österreich-Kapitänin Puntigam selbst ein Geschenk zu ihrem 34. Geburtstag machte und per Kopf einnetzte.
In der 69. Minute feierte Lilli Purtscheller ihr ÖFB-Comeback nach ihrem Kreuzbandriss, außerdem kam Nicole Ojukwu neu in die Partie. Und weiterhin kickten nur die Fußballerinnen in den roten Dressen. Ein Distanzschuss der auffälligen Pötzl rauschte nur knapp an der Stange vorbei, Schöffel verpasste per Kopf knapp. Dunst nochmal aus der Distanz – wieder drüber. Das alles passierte vor der abschließenden Viertelstunde. Torfrau Pal musste bei ein, zwei bei Standardsituationen eingreifen, erlebte ansonsten aber einen geruhsamen Abend.
Spät, aber doch wurde es noch deutlich. Kirchberger-Prohaska traf in der 86. Minute per Kopf nach scharfer Purtscheller-Hereingabe zum 3:0. Den Schlusspunkt setzte die eingewechselte Eileen Campbell per Abstauber (90.). Am Ende war es ein äußerst souveräner Sieg, der nie in Gefahr war.
Man mag von diversen Statistiken halten, was man will, im konkreten Fall ist sie recht aussagekräftig: Die Expected Goals des Kosovo lagen bei 0,1. Jene von Österreich bei 2,52. Auch die Zahlen sagen: Das war ein verdienter Sieg. (Moritz Ettlinger, 13.10.2026)
Forum: 1 Posting
Ihre Meinung zählt.
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.