Derek Dinger vor dem Saisonstart der Kassel Huskies: „Das Finale ist für uns keine Normalität"
Stand: 18.09.2026, 07:50 Uhr
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Geschäftsführer Derek Dinger dämpft vor dem Saisonstart ein wenig die Erwartungen an die Kassel Huskies, spricht aber trotzdem von großen Träumen. Wir haben den 39-Jährigen zum Interview getroffen.
Kassel – Die Kassel Huskies starten in die neue Saison. Am Freitagabend ist der nordhessische Eishockey-Zweitligist ab 19.30 Uhr bei DEL-Absteiger Dresdner Eislöwen zu Gast. Im großen Saisonstart-Interview spricht Huskies-Geschäftsführer Derek Dinger unter anderem über eine zurückhaltendere Zielsetzung, die jüngsten Kaderentscheidungen sowie die finanzielle Situation des Klubs.
Herr Dinger, die Huskies haben in der Vorsaison das Playoff-Finale erreicht, mit dem Aufstieg ist es aber einmal mehr nichts geworden. Mit welchem Ziel geht es in die neue Saison?
Es ist immer das Ziel, so gut wie möglich abzuschneiden. Im Idealfall kommen wir erneut ins Finale, das war auch in der Vorsaison ein Erfolg. Der große Traum vom Aufstieg ist natürlich weiterhin da. Trotzdem muss man die Realität sehen. Es gibt in dieser Liga mittlerweile einige Klubs, die massiv investieren und den DEL-Traum verfolgen. Das Erreichen des Finals kann ein Ziel sein, klar ist aber auch: Das Finale ist für uns keine Normalität.
Das klingt deutlich zurückhaltender als in den Vorjahren. Da wurde der Aufstieg teils sehr offensiv als Ziel formuliert.
Wir sind in dieser Hinsicht bewusster geworden. Das hat auch mit Demut und Respekt gegenüber den anderen Teams zu tun. Wenn du nach außen propagierst, dass der Aufstieg das Ziel ist, kann das schnell falsch wahrgenommen werden. Vielleicht ist es dieses Mal sinnvoller, etwas zurückhaltender aufzutreten.
Mit Petteri Väkiparta gibt es einen neuen Cheftrainer, der als Assistent von Todd Woodcroft bereits im Klub war und nun befördert wurde. Eine radikale Veränderung ist das nicht, es klingt eher nach „Weiter so“.
Wenn „Weiter so“ bedeuten würde, dass wir nächstes Jahr wieder im Finale stehen, dann gern. Wir haben uns ganz bewusst gegen einen kompletten Neustart entschieden. Du kannst nicht ein Trainergespann, das zwei Jahre zusammengearbeitet, eine Philosophie entwickelt und Strukturen aufgebaut hat, komplett auseinandernehmen und gleichzeitig mit Spielern weiterarbeiten, die teilweise schon länger im Verein sind. Wir wollten keinen neuen Trainer, der wieder alles anders macht. Petteri kennt den Weg, den die Mannschaft gegangen ist. Gleichzeitig erhoffen wir uns von ihm neue Impulse.
Natürlich verstehe ich jeden Fan, der lieber ein 7:6 als ein 1:0 sieht. Aber für uns ist entscheidend, dass wir Spiele gewinnen.
Woodcroft musste sich immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, sein Eishockey sei nicht attraktiv genug. Zu wenig Tore, zu wenig Spektakel. Werden die Huskies unter Väkiparta wieder attraktiver spielen?
Wir sind keine Hobbymannschaft, sondern Profis. Eishockey ist ein Business und letztlich geht es darum, erfolgreich zu sein. Unser Problem in der Vorsaison war aus meiner Sicht eher die Chancenverwertung. Gerade in der ersten Phase, in der dieses Thema aufgekommen ist, hatten wir statistisch gesehen sehr viele Chancen. Natürlich verstehe ich jeden Fan, der lieber ein 7:6 als ein 1:0 sieht. Aber für uns ist entscheidend, dass wir Spiele gewinnen.
Sie selbst sprachen in Bezug auf die Entwicklung des Klubs zuletzt immer von einem Prozess. Wo befinden sich die Huskies aktuell in diesem Prozess? Und wann ist er beendet?
Es ist logischerweise immer noch ein Prozess und er dauert so lange, wie er dauert. Ich verweise da gern auf die Eisbären Berlin, die ihren Weg seit 25 Jahren gehen. Natürlich kommen neue Spieler und Trainer dazu, aber Weg und DNA sind seit Jahrzehnten dieselben. Wir werden mit unserem Prozess nie wirklich am Ende sein. Es geht immer weiter – mit neuem Trainer, neuen Spielern und einer neuen Ausrichtung. Entscheidend ist, dass wir erfolgreich sind und gleichzeitig etwas für die Region aufbauen.
Schauen wir auf den aktuellen Huskies-Kader. In der Sommerpause gab es in der Abwehr einen größeren Umbruch. Warum?
Einen Bode Wilde mit einem deutschen Pass ersetzt du nicht. Da gibt es keinen ähnlichen Spieler, der für uns bezahlbar wäre. Simon Schütz hätten wir sehr gerne gehalten. Wir zwingen aber niemanden, für uns aufzulaufen. Wenn du dich hier nicht wohlfühlst, kannst du auch keine Top-Leistungen bringen. Auch Andrew Bodnarchuk hatte andere Angebote, bei denen Frist und Gehaltsvorstellungen für uns irgendwann nicht mehr gerechtfertigt waren. Also mussten wir uns neu aufstellen. Seit es die Huskies gibt, gab es meines Wissens noch nie den Fall, dass alle Torhüter und Verteidiger einen deutschen Pass hatten. Das kann man durchaus positiv sehen.
In der Vorbereitung wurde das ein oder andere Defensivproblem aufgedeckt, beim Probonio Cup zeigte sich das Team in diesem Bereich zuletzt verbessert. Wie lange wird es dauern, bis sich die neu formierte Defensive eingespielt hat?
Natürlich wäre es besser, wenn das heute als morgen passiert. Tendenziell dauert es bei den Abwehrspielern immer länger als bei den Stürmern. Nicht eingespielte Stürmer schießen vorbei. Wenn Abwehrspieler einen Fehler machen, dann kann es schnell klingeln. Aber ich mache mir da keine großen Sorgen. Wir haben erfahrene Spieler, dazu talentierte junge Leute. Die Jungs werden sich finden.
Wie schwierig ist es für die Huskies, wichtige Säulen der Mannschaft zu ersetzen – gerade finanziell?
Das ist nicht einfach. Denn auch wenn wir einen Spieler finanzieren können, heißt das nicht automatisch, dass er zu uns kommt. Wenn ein Spieler die Wahl hat zwischen Kassel in der DEL2 und einem Verein wie München oder Berlin in der DEL, bleibt er normalerweise in der DEL. Deshalb ist das nicht ausschließlich eine Frage des Geldes. Ist ein Spieler auf dem Markt, der für uns bezahlbar ist und im Idealfall keinen Importplatz benötigt, ist das natürlich interessant. Aber solche Spieler findest du nicht so einfach. Dazu sind sie entsprechend begehrt.
In der Vergangenheit wurden Spielerverträge abgeschlossen, die wir in dieser Form heute nicht mehr abschließen würden.
Von außen entsteht gern der Eindruck, bei der Kaderplanung der Huskies hilft auch jede Menge Geld. Wie steht es um die Finanzen der Huskies?
Die Geschichten, dass so viel Geld da sein soll, kenne ich nicht. Wir haben mit Paul Sinizin einen Gesellschafter im Rücken, der uns entsprechende Möglichkeiten zum Start zur Verfügung gestellt hat. Er tritt hier aber keinesfalls als der nächste Mäzen auf. Dass mit ihm verbundene Unternehmen bei uns als Sponsoren aktiv sind, ist ebenfalls kein Geheimnis. In der Vergangenheit wurden Spielerverträge abgeschlossen, die wir in dieser Form heute nicht mehr abschließen würden. Unser Anspruch ist es, sportlichen Erfolg und wirtschaftliche Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Eine gesunde Wirtschaftlichkeit hat oberste Priorität. Wir wollen keinesfalls in eine finanzielle Situation geraten, die uns irgendwann wieder Probleme macht. Aktuell stehen wir sehr gut da.
Die Importspieler sind dieses Mal allesamt Stürmer. Was erwarten Sie von ihnen?
Sie sollen Führungsspieler sein und den Unterschied ausmachen. Du hast nur wenige Importstellen, da darfst du eigentlich keinen Mitläufer dabeihaben.
Anders als in den Vorjahren haben die neuen Imports bereits in Deutschland gespielt. Ist das ein Vorteil?
Hoffentlich. Für sie gibt es eigentlich keine große Eingewöhnungsphase. Wenn du einen Spieler holst, der in Nordamerika oder Europa einen Punkt pro Spiel gemacht hat, musst du natürlich überlegen, ob das hier auch gelingen könnte. Unsere Imports haben bereits bewiesen, dass sie in Deutschland erfolgreich sein können.
Wie läuft die Zusammenstellung des Kaders ab? Entscheiden Sie oder Sportdirektor Daniel Kreutzer allein, welche Spieler verpflichtet werden?
Nein, die Kassel Huskies sind in keinem Bereich eine One-Man-Show. Niemand entscheidet allein, welche Spieler kommen und gehen. Niemand entscheidet allein über die Finanzen. Wenn wir über die Kaderzusammenstellung sprechen, sitzen wir alle zusammen. Ich bin dabei, Daniel ist dabei. Die Coaches um Petteri Väkiparta und Sven Valenti, außerdem ist Alex Heinrich mittlerweile dazugekommen und Florian Böhm sitzt als kaufmännischer Leiter ebenfalls mit am Tisch. Da ist genügend Erfahrung vorhanden. Und dann ist es in der Regel Daniels Aufgabe, uns Spieler zu präsentieren und zu erklären, warum er etwas in ihnen sieht. Letztlich entscheiden wir gemeinsam, ob wir einen Spieler verpflichten oder nicht. Wir alle diskutieren darüber, ob es die richtige Verpflichtung für unsere Organisation ist. Am Ende hat die Geschäftsführung das letzte Wort, nachdem wir uns ausgetauscht haben. Alle bringen sich aber mit ein und jeder wird dort gehört.
Für uns steht der Mensch vor dem Spieler. Schießt einer 50 Tore, ist das schön und gut. Passt er charakterlich aber nicht in unser Team, dann wollen wir ihn nicht.
Was ist bei der Kaderzusammenstellung wichtig? Worauf wird geachtet?
Für uns steht der Mensch vor dem Spieler. Schießt einer 50 Tore, ist das schön und gut. Passt er charakterlich aber nicht in unser Team, dann wollen wir ihn nicht. Wir haben mittlerweile viele Charaktere in unserem Kader, wo ich sage: Die passen perfekt zu uns. Bei unseren Neuzugängen in diesem Jahr hat mich beispielsweise Leo Korus sehr positiv überrascht. Ihn hatte ich gar nicht so sehr auf dem Schirm, seine Verpflichtung war Daniels Idee. Ein hervorragender Junge, an dem wir noch viel Freude haben werden.
Hat auch die verkleinerte Eisfläche in der Probonio Arena bei der Kaderplanung eine Rolle gespielt?
Natürlich, allerdings gilt am Ende, dass beide Mannschaften auf derselben Fläche spielen. Da gibt es keine Ausreden. Ich denke, dass es actionreicher und in den Zweikämpfen ordentlich zur Sache gehen wird. Da benötigst du natürlich stabile Jungs.
Anders als in vergangenen Spielzeiten wurde auf eine größere Kadertiefe verzichtet. Warum?
Weil es nichts bringt, regelmäßig fünf, sechs Spieler auf die Tribüne zu setzen. Das ist weder finanziell noch sportlich sinnvoll. Wenn du einen Profi hast, der sich 52 Spiele lang den Allerwertesten aufreißt und in den Playoffs dann plötzlich auf der Tribüne sitzt, kann das Gift für eine Mannschaft sein.
Tyler Benson hat eine starke Hauptrunde gespielt, hatte in den Playoffs dann allerdings nicht die gewünschte Ausbeute. Warum haben Sie trotzdem an ihm festgehalten?
Wenn du als Stürmer fünf Chancen vergibst, kann es passieren, dass irgendwann der Kopf mitspielt. Wir haben deshalb auch einen Sportpsychologen mit ins Team geholt, denn oft steckt hinter einer schlechten Phase viel mehr. Die Spieler haben vielleicht private Probleme, die man von außen gar nicht sieht. Das darf man nicht unterschätzen. Bei Tyler war alles in Ordnung. Er wusste selbst nicht genau, woran es lag, dass er nicht mehr getroffen hat. Aber er hat sich trotzdem zerrissen, hat Checks gefahren, Schüsse geblockt und seine Arbeit gemacht. Außerdem haben wir an ihm festgehalten, weil er einen hervorragenden Charakter hat und wir die Spieler nicht einfach fallen lassen. Des Weiteren hatte er bereits vor den Playoffs verlängert. Dass er sich jetzt schwer verletzt hat, ist ein herber Verlust für uns.
Vorbereitung ist Vorbereitung. Jetzt zählt es.
Wer wird für Sie in dieser Saison der härteste Konkurrent sein?
Es gibt nicht den einen härtesten Konkurrenten. Ein Aufsteiger wie Memmingen ist schwer zu schlagen. Düsseldorf ist schwer zu schlagen. Landshut und Rosenheim sind stark. Dresden ebenfalls. Es gibt keine leichten Gegner mehr und die Liga ist einmal mehr enger und schwieriger geworden.
Die Vorbereitung verlief mit den Verletzungen von Benson und Yannik Valenti keinesfalls problemlos. Mit Dresden und Rosenheim warten direkt zwei starke Auftaktgegner. Was erwarten Sie für einen Saisonbeginn?
Es kann natürlich sein, dass der Start aufgrund der Verletzungen und mit einer fast komplett neuen Abwehr ein wenig holprig wird. Aber Vorbereitung ist Vorbereitung. Jetzt zählt es. Wir wissen, dass direkt zwei sehr starke Gegner auf uns warten. Aber genau dafür spielen wir Eishockey. Wir wollen erfolgreich starten – und dann sehen wir, wo wir stehen.
Das sagt Dinger zu den Sichteinschränkungen in der Arena
„Nach den ersten Erfahrungen im Spielbetrieb haben wir uns die Situation sehr genau und aus den unterschiedlichen Zuschauerperspektiven angeschaut, um die Sichtweisen der betroffenen Fans nachzuvollziehen. Ja, es gibt eine Problematik – insbesondere hinter der Straf- und der Spielerbank. Dort wurden Streben und Bandenmodule verbaut, die schmaler sind als zuvor. Gleichzeitig sind die Streben nicht transparent. Dadurch entstehen in bestimmten Bereichen deutlich mehr Unterbrechungen im Sichtfeld“, sagt Dinger.
„Das war keine Fehlkonstruktion, sondern eine Falschlieferung, die wir nun ausbessern müssen. Freuen wir uns darüber? Nein. Haben wir Lust auf einen Shitstorm? Nein. Wir sind dran, eine Lösung zu präsentieren. Die Eisfläche wurde aus energetischen und wirtschaftlichen Gründen verkleinert. Aber natürlich auch, um mehr Sitzplätze in der Arena anbieten zu können. Wenn jetzt jemand sagt, beim Eishockey sei die Sicht auf diesen Plätzen schlecht, muss man trotzdem bedenken, dass es sich um eine Multifunktionsarena handelt. Beim Handball werden die ersten Reihen die besten Plätze sein“, erklärt Dinger.
„Der Umbau läuft bereits seit einigen Jahren, trotzdem ist das jetzt noch einmal ein riesiger Schritt für uns. Wir bekommen eine Eisfläche auf NHL-Maß, die den entsprechenden Vorgaben und Anforderungen entspricht. Natürlich gehen wir bei einer solchen Maßnahme auf Grundlage der Planung und Abstimmungen davon aus, dass die vorgesehenen Komponenten auch wie geplant funktionieren. Im tatsächlichen Spielbetrieb hat sich nun gezeigt, dass es in einzelnen Bereichen zu Einschränkungen kommt. Entscheidend ist für uns deshalb, wie wir damit umgehen: Wir wissen, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung im laufenden Betrieb nicht alles auf Anhieb perfekt laufen kann. Aber wenn Probleme auftreten, suchen wir unmittelbar nach Lösungen und setzen diese um“, so Dinger weiter.