Deutsch auf Madagaskar: Madagassen lernen „Unn?

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Deutsch auf Madagaskar Madagassen lernen „Unn?" – so bringt diese St. Wendelerin Azubis ins Saarland

Saarbrücken · Angélique Steffeck aus St. Wendel betreibt auf Madagaskar drei Sprachschulen. Viele ihrer Schüler machen inzwischen eine Ausbildung im Saarland – weil Steffeck beste Kontakte hierher pflegt. Und sie setzt in ihren Kursen auf typisch deutsche Tugenden.

03.08.2026 , 14:07 Uhr

Angélique Steffeck im Kreis ihrer Schüler.

Angélique Steffeck im Kreis ihrer Schüler.

Foto: Stefffeck

Saarländer sind ja nicht nur gesellig und heimatverbunden, sondern auch durchaus reise- und unternehmungslustig. Diese Eigenschaften verkörpert niemand besser als Angélique Steffeck aus St. Wendel. Seit einigen Jahren betreibt die 57-Jährige mit großem Erfolg drei Sprachschulen auf Madagaskar, wo junge Menschen Deutsch lernen, weil sie eine Ausbildung in Deutschland machen wollen. Der Clou dabei: Viele von ihren ehemaligen Schülern machen derzeit ihre Lehre im Saarland.

St. Wendelerin Angélique Steffeck auf Madagaskar: Hunderte Azubis fürs Saarland

Steffeck unterhält beste Kontakte zu Betrieben im Saarland und zur saarländischen Handwerkskammer (HWK), deren Präsidenten Helmut Zimmer sie „schon ewig“ kennt, „wir haben mal zusammen in einer WG gewohnt“. Saarland halt. Dort arbeiten übrigens zwei von Steffecks ehemaligen Schülern als Dachdecker.

Warum Madagaskar?

Angélique Steffeck,

Angélique Steffeck,

Foto: Steffeck

Doch warum Madagaskar? Steffeck ist seit Jahren mit dem ehemaligen französischen Generalkonsul im Saarland liiert. Vor wenigen Wochen haben sie und Frédéric Joureau geheiratet. Als er auf die Insel im Indischen Ozean versetzt wurde, ging sie mit. Nicht ohne Bedenken. Madagaskar, östlich von Mosambik gelegen, gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Erde. „Da verdienen die Leute in Vollzeit 50 Euro im Monat und ich habe mir nur gedacht, oh Gott, wie soll ich das schaffen?“, erinnert sie sich.

Wie die Jungfrau zum Kinde

Über eine Bekannte, die Übersetzerin ist, kam sie dazu, Deutsch zu unterrichten. Mit sieben Schülern fing sie und sagt rückblickend: „Ich kam wie die Jungfrau zum Kind.“ Aus diesen Anfängen entstand dann die erste Sprachschule. Über 900 Schüler lernen derzeit dort Deutsch, unterrichtet werden sie von 25 einheimischen Lehrern, die allesamt „ein exzellentes Deutsch-Niveau“ haben. „Auf Madagaskar gibt es eine sehr gute Germanistik an der Uni und ein gutes Goethe-Institut“, sagt Steffeck, „das Sprach-Niveau ist sehr gut.“

300 junge Madagassen im Saarland

Mehr als 1000 ihrer Schüler sind mittlerweile in Deutschland und machen eine Lehre, 300 sind im Saarland. „Das sind alles meine Kinder“, sagt sie stolz. Darunter sind auch Krystello und Manda, die bei der Firma Montum (Elektro-Installation, Heizung, Sanitär) in Landsweiler-Reden Elektroniker lernen. Andere fingen bei den SHG-Kliniken im Saarland an oder bei der Bäckerei Gillen im Nordsaarland. Und Stanio, „die Grinsekatze“, lernte im Victor´s in Saarlouis. Er ging 2021 als erster Azubi überhaupt aus Madagaskar nach Deutschland und fühlt sich in seiner neuen Heimat sehr wohl.

Dass sie irgendwann auf Madagaskar Sprachunterricht geben würde, hatte sie sich nie träumen lassen. Zunächst besuchte sie die Handelsschule und Höhere Handelsschule in St. Wendel, machte danach eine Ausbildung. Später studierte sie in Peru Marketing und war danach in Costa Rica tätig.

Deutsch bis Niveau B 2

„Bei uns lernen Schüler Deutsch bis zum Niveau B2 und werden optimal auf die beruflichen Anforderungen in Deutschland vorbereitet“, erklärt Steffeck. Sie organisiert aber nicht nur den Sprachunterricht, sie kümmert sich auch um die Formalitäten für die Einreise nach Deutschland (siehe Infokasten).

„Flucht nach vorne“

So ganz ungefährlich ist der Inselstaat im Indischen Ozean aber nicht. „Madagaskar ist dafür bekannt, dass der Staat sehr kriminell und korrupt ist. Letztes Jahr im Oktober gab es Unruhen, wo auf Leute geschossen wurde. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich richtig Angst“, erzählt Steffeck. Und weiter: „Mein Mann hat die Regierung wegen Korruption und illegaler Machenschaften wiederholt öffentlich kritisiert. Damit wurde er zur Zielscheibe. Frédéric musste das Land plötzlich verlassen.“ Sie selbst sei erst mal dageblieben, „weil ich mich meinen Schülern verpflichtet fühle. Und da gab es nur die Flucht nach vorne.“

Der Erfolg gibt ihr recht. „Es hatte sich rumgesprochen, dass man bei mir Verträge für Deutschland bekommen kann. „Ich habe auf Facebook nur ein Foto von einem Schüler gepostet, der weggeflogen ist, und abends dachte ich, mein Handy sei kaputt. Das hat die ganze Zeit nur noch „bing, bing, bing“ gemacht. Über 600 Mal an einem einzigen Abend! Das hat nie aufgehört, ich habe jetzt 6000 Leute auf der Warteliste, die hoffen, dass sie bei uns Deutsch lernen dürfen.“

„Ich dulde kein Zuspätkommen“

Wer bei Angélique Steffeck in die Sprachschule geht, weiß, was die Stunde geschlagen hat. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn: „Ich akzeptiere kein Zuspätkommen“, sagte Steffeck energisch. Das ist eine rote Linie für die Sprach-Managerin. Wer nicht pünktlich ist, muss nach einer vergeblichen Ermahnung die Schule verlassen.

In der Sprachschule vermittelt Angélique Steffeck weit mehr als nur Deutsch-Kenntnisse: „Die Schüler müssen auch unsere deutschen Regeln und Werte kennen. Die Madagassen teilen weitgehend unsere Werte, sie sind zum Beispiel sehr christlich. Mann und Frau haben denselben Rang.“

Durchwurschteln geht auch nicht

Ehrlichkeit ist auch so ein Punkt, bei dem Angélique keine Kompromisse macht. „Wenn jemand seine Schulgebühr nicht zahlen kann, dann muss er mir das schreiben, und dann finden wir auch eine Lösung.“ „Durchwurschteln“, gehe nicht, dann gebe es Konsequenzen.

So wie Angélique Steffeck gestrickt ist, duldet sie natürlich auch keinerlei Korruption unter den Schülern. Weil die Warteliste so lang ist, versucht es manch einer mit Bestechung, denn „auf Madagaskar kann man sich alles kaufen“, sagt Steffeck. „Manchmal bieten die uns wirklich hohe Summen, aber das führt sofort zum Ausschluss“, sagt die 57-Jährige. Solche Leute möchte sie nicht in Deutschland haben. „Ich möchte, dass die Schüler wissen, es funktioniert auch ohne Korruption.“

Die Bedeutung von Pünktlichkeit und Ehrlichkeit lernen die Schüler also in der Sprachschule schon zu schätzen, bevor sie eine Ausbildung in Deutschland beginnen. Mancher Betriebsleiter wird froh sein, dass seine Kandidaten die Grundlagen kennen und diese nicht verhandelbar sind.

900 Schüler sind 900 Kinder

Vorerst will Angélique Steffeck ihre Schulen weiter betreiben, auch wenn ihr Mann nun in Europa arbeitet, denn „meine Schule ist ein Herzensprojekt. Was mich hier hält, sind die Menschen. 900 Schüler bedeutet für mich 900 Kinder, die ich alle persönlich kenne. Deshalb weiß ich, wer zu welchem Beruf und Unternehmen passt. Ich weiß, in welche Region meine Schüler möchten.“ Und dazu gehört eben auch das Saarland.

Wenn Sie demnächst in der Saarbrücker Bahnhofstraße einen jungen Madagassen treffen, der Sie mit „Unn?“ begrüßt, wissen Sie, wo er das gelernt hat. Auf Madagaskar. (oli)

Mehr über das Programm der Sprachschule und die Schüler dort lesen Sie unter https://www.steffeck.de/

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